Interview
Ungeimpfte Spieler haben bei Kickers keine Zukunft
Sportlich lief es beim Fußball-Oberligisten Kickers Emden wie geschmiert. Vorsitzender Dr. Jörg Winter erklärt im Interview, welche Optionen bisher ungeimpfte Spieler haben.
Emden - Kickers Emden hat in der Fußball-Oberliga eine sehr erfolgreiche und auch turbulente Qualifikationsrunde hinter sich. Mit guten Chancen geht es im März in die Aufstiegsrunde. Im Interview erzählt Vorsitzender Dr. Jörg Winter, wie die Planungen für einen möglichen Aufstieg aussehen und welche Möglichkeiten die noch ungeimpften Spieler haben.
Frage: Mit 13 Punkten geht Kickers Emden in die Aufstiegsrunde: Träumen Sie jetzt manchmal vom VfB Lübeck oder von Atlas Delmenhorst?
Dr. Winter: Wir müssen da auf dem Teppich bleiben. In den letzten Jahren waren wir gut beraten, im Hintergrund ruhig und vernünftig zu arbeiten. Als Dritter gehen wir in die Aufstiegesrunde, sind einen Punkt hinter dem Relegationsplatz. Jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel. Ich bin mir sicher die Mannschaft wird versuchen, das Maximale herauszuholen.
Frage: Ist Kickers bereit für die Regionalliga?
Dr. Winter: Wir planen zweigleisig. Wenn die Möglichkeit besteht, steigen wir sehr gerne auf. Wir werden alle Bedingungen erfüllen und natürlich auch die Lizenzgebühr für einen möglichen Regionalliga-Aufstieg – wie übrigens auch schon beim letzten Mal – überweisen. Das sind Grundvoraussetzungen, die werden wir erfüllen.
Frage: Wie wichtig ist Trainer Stefan Emmerling für Kickers Emden?
Dr. Winter: Die Mannschaft, die gegen Bersenbrück dieses fantastische Spiel gezeigt hat, war die Landesliga-Mannschaft mit A-Jugendlichen. Die Spieler hat Trainer Stefan Emmerling alle unglaublich weiterentwickelt. Aber er hat auch sehr geholfen und ist weiterhin dabei, die Rahmenbedingungen zu professionalisieren. Mein Spruch war: Du bekommst von uns nicht den Rahmen, den du ausfüllen musst, sondern du musst mit uns auch den Rahmen entwickeln und bekommst ihn nicht vorgegeben. Das reizt ihn glaube ich bis heute noch, solche Möglichkeiten hat kaum ein Trainer bei einem anderen Verein.
Frage: Wann ist die Saison für Sie erfolgreich?
Dr. Winter: Unser Ziel war vor der Saison, die Aufstiegsrunde zu erreichen, damit wir Planungssicherheit haben. Dass wir so eine brillante Hinrunde spielen, hat niemand zu hoffen gewagt. Jetzt würde ich von einer erfolgreichen Saison sprechen, wenn wir bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg mitspielen.
Dr. Winter: Wir sind da echt dankbar: In der Corona-Krise haben wir keinen Sponsor verloren. Natürlich gab es weniger Zuschauer, Rückgänge bei den Catering-Umsätzen während der Spiele. Aber bisher sind wir als Verein ganz gut durch die Pandemie gekommen. Wir haben versucht, durch verschiedene Aktionen wie zum Beispiel die Lotterien oder auch das Impftaxi, auch neben dem Sport den Stellenwert von Kickers für Emden zu unterstreichen. Die Sponsoren haben verstanden, dass ein Leistungsfußballverein wie der BSV auch gesellschaftlich Vorbild sein kann. Ich sehe da für uns als Vorbild zum Beispiel Erzgebirge Aue: Das war ein kleiner Bergarbeiterverein, den hat keiner beachtet. Heute ist er ein sehr anerkannter Arbeitgeber in Aue und gesellschaftlich sehr aktiv. Ich glaube, so etwas kann auch in Emden funktionieren. Wir brauchen wieder ein Wir-Gefühl in Emden, das hatten wir damals in der Dritten Liga.
Frage: Sollte es in die Regionalliga hoch gehen? Würden Sie weiterhin auf ein semi-professionelles Modell setzen?
Dr. Winter: Das müsste man noch einmal genau beleuchten. Wir haben damals in der Dritten Liga und der Insolvenz aus den gemachten Fehlern gelernt. Die Regionalliga West ist da schon ein Vorbild. Wie arbeitet zum Beispiel der Wuppertaler SV? Es bestehen ja gute Kontakte nach Wuppertal, Thomas Richter ist dort Vorsitzender. (Anmerkung der Redaktion: Thomas Richter war Co-Trainer in der 3. Liga beim BSV und 2019 Berater des BSV). Das sind Vollprofis. Können wir das? Das können wir noch nicht, das ist auch so schnell nicht erreichbar. Dann müssen wir vielleicht mit Vertragsamateuren arbeiten. Zudem arbeiten wir an einem Wirtschaftskonzept. Die Überlegung ist auch, die erste Herren aus dem Verein auszugliedern, wie es im Bereich der höherspielenden Vereine üblich ist.
Frage: Wie konkret ist das?
Dr. Winter: Das müsste auf einer Mitgliederversammlung abgestimmt werden, das kann der Vorstand mit dem Wirtschaftsbeirat nicht alleine entscheiden. Ich halte die Ausgliederung für einen Spielbetrieb in der Regionalliga für sehr sinnvoll. So eine Insolvenz wie 2012 darf nicht noch einmal passieren. Wie gesagt: 75 Jahre BSV Kickers analysieren und aus den Fehlern lernen.
Frage: Zuletzt wurde über eine Verpflichtung von Daniel Franziskus, der GW Firrel als Co-Trainer verlassen wird, spekuliert. Wie wollen Sie sich im sportlichen Bereich besser aufstellen, und ist er noch ein Thema?
Dr. Winter: Wir müssen auch im sportlichen Bereich noch professioneller werden. Wir haben eine gute Jugend, aber noch keine ausreichend leistungsstarke zweite Herren, oder eine U21. Es gibt hier in Ostfriesland so viele gute Talente. Die müssen wir fördern, das können wir. Aber dafür brauchen wir die Strukturen. Die sind fast wichtiger als der Aufstieg in die Regionalliga. Wir verfügen über die Spielgemeinschaft mit Rot-Weiß Emden, über eine 2. Herrenmannschaft. Im Endeffekt suchen wir jemanden, der diese zweite Herren mit dem Trainer zusammen ausbaut und mit der Jugend und der 1. Herren des BSV verzahnt. Wir sprechen mit Daniel Franziskus und loten eine Zusammenarbeit aus.
Frage: Im Sommer sollten schon die Bagger kommen. Wann geht es denn nun los mit der Platzsanierung im Ostfrieslandstadion? Kann da noch etwas schief gehen?
Dr. Winter: Nein, eigentlich nicht. Wir haben einen vernünftigen, und vollständigen Antrag abgegeben. Dieser ist geprüft und genehmigt worden. Es liegen uns die Zusagen über die Zuschüsse der Stadt und des Landessportbundes vor. Zudem steht die Finanzierung der Eigenmittel. Allerdings fehlt noch das endgültige Go des Landessportbundes. Ich gehe zu 100 Prozent davon aus, dass wir Ende Februar die Genehmigung bekommen und dann unmittelbar nach Saisonende starten können. Noch eine Wintersaison auf dem Acker ist ja nicht mehr möglich.
Frage: Wie wird der Verein mit den drei noch ungeimpften Goguadze-Brüdern umgehen?
Dr. Winter: Zunächst werden wir weiterhin versuchen, sie von einer Impfung zu überzeugen. Zu dieser Entscheidung haben sie bis Anfang des Jahres Zeit. Sollten sie sich gegen eine Impfung entscheiden und nicht bis Ende des Monats Januar den Impfschutz erreichen, werden wir uns von ihnen trennen müssen und nach einer anderen Lösung suchen.
Frage: Wie könnte eine andere Lösung aussehen?
Dr. Winter: Dann müssen wir sicher über Neuzugänge nachdenken. Aber auch unabhängig von dieser Entscheidung überlegen wir, uns noch auf der ein oder anderen Position zu verstärken, um uns in der Breite noch zu verbessern. Aber wir werden sicher nicht ins Risiko gehen und irgendwelche Dinge machen, die wir uns finanziell nicht leisten könnten.