Fußball

So feierte der St.-Pauli-Trainer als Kind Weihnachten in Ostfriesland

| | 17.12.2021 18:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ja, er ist es tatsächlich: St. Pauli-Trainer Timo Schultz. Das Bild zeigt ihn Mitte der 80er im heimischen Garten mit seinem Weihnachtsgeschenk, einem Tischkicker. Foto: Privat
Ja, er ist es tatsächlich: St. Pauli-Trainer Timo Schultz. Das Bild zeigt ihn Mitte der 80er im heimischen Garten mit seinem Weihnachtsgeschenk, einem Tischkicker. Foto: Privat
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Timo Schultz erinnert sich gerne an die Weihnachtszeit als Kind und Jugendlicher in Esens zurück. Mit seinem Vater hatte der Trainer des Zweitliga-Tabellenführer St. Pauli ein ganz besonderes Ritual.

Hamburg/Esens - Das zweite Weihnachten als Trainer des FC St. Pauli ist für Timo Schultz sportlich so ganz anders als das erste. Vor zwölf Monaten kämpfte der Ostfriese mit nur acht Punkten aus 13 Spielen um seinen Trainer-Job – nun liegt nach einem famosen Fußballjahr 2021 die Zweitliga-Herbstmeisterschaft unterm Weihnachtsbaum. Der spielte in der Kindheit in der Heimat Esens eine entscheidende Rolle.

Timo Schultz erlebte mit dem FC St. Pauli ein überragendes Fußballjahr 2021. Unterm Weihnachtsbaum liegt die Tabellenführung in der 2. Bundesliga. Foto: DPA
Timo Schultz erlebte mit dem FC St. Pauli ein überragendes Fußballjahr 2021. Unterm Weihnachtsbaum liegt die Tabellenführung in der 2. Bundesliga. Foto: DPA

„Jedes Jahr bin ich mit meinem Vater einen Tag vor Heiligabend in die Nachbargemeinde Holtgast gefahren, um den Weihnachtsbaum zu holen. Er hatte ihn schon Tage vorher ausgesucht und wir haben ihn dann beide selbst gefällt. Das war immer ganz besonders“, sagt der 44-Jährige, der beim Schwelgen in Erinnerungen an das Weihnachtsfest in Ostfriesland ins Schwärmen gerät. „Das waren Weihnachten wie im Bilderbuch.“

Das Baumfällen mit dem Vater

Dazu gehörten für die vierköpfige Familie Schultz um seine Eltern Toni und Reinhard sowie der drei Jahre älteren Schwester Kerstin am 24. Dezember nachmittags auch immer der Gang in die St.-Magnus-Kirche. Und als dann nach der Rückkehr alle erstmals den Tannenbaum im Wohnzimmer in voller Pracht sahen, war die weihnachtliche Stimmung komplett. „Der Baum wurde sogar mit echten Kerzen geschmückt. Und niemals mit Lametta, das hatte meine Mutter verboten“, sagt Schultz und lacht herzlich. Auch das Zurechtrücken und „Gefummel“ im Vorfeld, bis der Baum endlich gerade stand, erheitert ihn noch heute. „Das waren teils Loriot-Szenen.“

Als junger Spieler der Amateurmannschaft traf Timo Schultz (rechts) Mitte/Ende der 90er bei Werder Bremen auf einen weiteren Ostfriesen: Dieter Eilts (links). Foto: Archiv
Als junger Spieler der Amateurmannschaft traf Timo Schultz (rechts) Mitte/Ende der 90er bei Werder Bremen auf einen weiteren Ostfriesen: Dieter Eilts (links). Foto: Archiv

Die Erinnerungen an die Geschenke sind beim 1977 geborenen „Schulle“ relativ einfach. „Eigentlich ging es immer um Fußball. Nur von meiner Oma bekam ich jedes Jahr einen Schlafanzug.“ Ob ein neues paar Fußballschuhe, ein Trikot oder Bälle: Zu Weihnachten gab es Nachschub für das große Talent, das in der Jugend des TuS Esens viele Erfolge feierte und als A-Jugendlicher zum SV Werder Bremen wechselte. Dort startete nach dem Ende der Jugendzeit die Profilaufbahn bei den Bremer Amateuren, die ihn über den VfB Lübeck und Holstein Kiel 2005 zum FC St. Pauli führte.

1. Weihnachtstag auf dem Bauernhof

Beim Thema Fußball-Geschenke erinnert sich auch Vater Reinhard besonders an ein Weihnachtsfest, als der Sohnemann in der 4. oder 5. Klasse gewesen war. „Er bekam einen Tischkicker, den ich gar nicht schnell genug aufbauen konnte. Den ganzen Abend wurde gespielt – und am nächsten Morgen sollte es gleich weitergehen.“

Am 1. Weihnachtstag stand allerdings auch immer ein großes Familientreffen im sieben Kilometer entfernten Groß-Holum bei den Großeltern auf dem Bauernhof an. „Das war für uns Cousinen und Cousins immer toll. Das Treffen gibt es heute noch“, sagt Timo Schultz, der als junger Erwachsener am 24. und 25. Dezember zu später Stunde dann auch gerne mit Kumpels in der kleinen Diskothek „Whisky“ vorbeischaute.

Heiligabend noch in Hamburg

Die hat längst geschlossen und Timo Schultz ist auch schon lange Familienvater. Mit seiner ebenfalls aus Esens stammenden Frau Mareelke und den Kindern Hannah (15), Paul (13) und Frieda (6) wird der Heiligabend noch in Hamburg verbracht. „Am 1. Weihnachtstag geht es dann für uns ein paar Tage zur Familie.“

Diese Weihnachtskarte verschickte Timo Schultz vor ein paar Jahren auch an seine Eltern. Sie zeigt ihn mit Frau Mareelke und den drei Kindern beim Plätzchenbacken. Foto: Privat
Diese Weihnachtskarte verschickte Timo Schultz vor ein paar Jahren auch an seine Eltern. Sie zeigt ihn mit Frau Mareelke und den drei Kindern beim Plätzchenbacken. Foto: Privat

Die Reise nach Ostfriesland tritt er nach einem nahezu perfekten Fußballjahr 2021 an. Das Vertrauen des Vereins in das Eigengewächs im kritischen Winter vor einem Jahr konnte Schultz mit etwas mehr Spielglück, einer klaren Philosophie und teils mitreißenden Auftritten zurückzahlen. Als bestes Rückrundenteam wurde der Klassenerhalt frühzeitig gesichert.

Aufstiegsträume am Millerntor

In der neuen Saison geht der Siegeszug weiter. Seine Mannschaft wurde vorzeitig Herbstmeister: Aufstiegsträume statt Abstiegsängste am Millerntor. „Ich muss nicht drumherumreden. Das Weihnachtsfest dieses Jahr wird fröhlicher werden“, hatte er den Hamburger Medien bereits im Vorfeld der abschließenden Kiel-Partie in den Block diktiert. Diesen Sonnabend noch ein gemeinsamer Brunch des Teams, dann ist Pause.

Stieg im Sommer 2020 vom U19- zum Profi-Trainer auf: Timo Schultz. Foto: DPA
Stieg im Sommer 2020 vom U19- zum Profi-Trainer auf: Timo Schultz. Foto: DPA

Am 1. Januar wird Timo Schultz sein Team zum ersten Training nach zweiwöchiger Pause bitten. Mit den Spielen gegen Erzgebirge Aue, Borussia Dortmund (DFB-Pokal) und beim Hamburger SV wartet ab dem 15. Januar direkt eine englische Woche auf die Kiezkicker. Doch das ist jetzt auch beim St.-Pauli-Trainer kurzfristig nebensächlich. „Wir freuen uns auf ein paar schöne Tage, auch in Esens.“

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