Fußball
So viel Leidenschaft zeigte Kickers gegen Bersenbrück
Abgerackert und stolz waren die Emder Oberliga-Fußballer nach dem 2:0-Sieg gegen Bersenbrück. Die Partie war brisant. Sogar so sehr, dass einige Polizisten im Ostfrieslandstadion vor Ort waren.
Emden - Er ließ sich nicht allzu lange bitten. Gabriel Bamezon hatte sich fast die komplette Saison mit einer Verletzung herumgeschlagen und musste pausieren, nach dem letzten Spiel durfte er auf den Zaun. Durch das lautstarke Anstimmen der Jubelgesänge mit den Fans wird er am Sonntag kaum noch eine Stimme gehabt haben. Das wird ihn aber wenig gestört haben, denn genau wie seine Mannschaftskameraden zeigte der Stürmer beim 2:0 (1:0) gegen den TuS Bersenbrück vor 403 Zuschauern eine leidenschaftliche Leistung und war nach dem Spiel in Feierlaune. Dank des hoch verdienten Erfolges beenden die Ostfriesen die Qualifikationsrunde der Fußball-Oberliga punktgleich mit Lohne (beide 38 Zähler) an der Tabellenspitze und ziehen mit guten 13 Punkten in die Aufstiegsrunde ein. Der TuS Bersenbrück muss dagegen in die Abstiegsrunde. Um die Aufstiegsrunde noch zu erreichen, hätte der TuS mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen. So rückt der VfL Oldenburg mit hoch.
„Wir haben wirklich alles rausgeholt und unheimlich viel Kraft gelassen. Die verbliebenen Spieler haben nach dem ganzen Vorgeplänkel eine ganz starke Leistung abgeliefert“, strahlte ein sichtlich erleichterter Trainer Stefan Emmerling. Die sportliche Konstellation war ja schon brisant genug, durch die beleidigende Sprachnachricht eines Bersenbrücker Verantwortlichen in Richtung der Emder gab es im Vorfeld noch mehr Schärfe.
Viele Polizisten erleben friedliche Fans
Die Ostfriesen verstärkten den Sicherheitsdienst, drei szenekundige Beamte sowie ein massives Polizeiaufgebot waren im Stadion. Das wäre aber kaum nötig gewesen, denn bis auf das Abbrennen von einigen bengalischen Feuern verhielten sich beide Fanlager friedlich.
Die rund 50 Bersenbrücker Anhänger wurden auch schon früh in Schockstarre versetzt. Der TuS musste gewinnen, um noch eine Chance auf die Aufstiegsrunde zu haben, die Emder wollten gewinnen, um mit 13 Punkten in diese einzuziehen.
Dann war auch noch Konda krank
Jeder, der im Emder Kader noch laufen konnte, stand praktisch in der Startelf. Darlin van der Werff, Alagie Jabbie, die drei Goguadze-Brüder und Azad Karamac mussten wegen der Corona-Verordnung passen, dazu fehlten noch Ibrahim Sillah (gelbgesperrt) und kurzfristig auch der erkrankte Yanic Konda. So waren neben den beiden Torhütern Timo Kuhlmann und Pascal de Buhr nur noch die beiden A-Jugendliche Tim Meiners und Nico Bohlen als Feldspieler auf der Bank.
„Wir wussten, dass wir dieses Spiel nur über den Kampf gewinnen können. Das hat meine Mannschaft eindrucksvoll bewiesen“, lobte Emmerling.
Tido Steffens beeindruckte
Und wie sie gekämpft haben. Von Beginn an waren es die Emder, die auf dem tiefen Boden wesentlich mehr investierten. Sturmführer Tido Steffens beeindruckte über die gesamte Partie mit einer wahnsinnigen Kondition. Schon in der siebten Minute gewann er gegen den Zwei-Meter-Hünen Mark Flottemesch das Laufduell und hatte nur noch Keeper Nils Böhmann vor sich. Der holte den Angreifer regelwidrig von den Beinen. Als Holger Wulff (7.) den fälligen Elfmeter sicher verwandelte, war der optimale Start für Kickers perfekt.
Wer jedoch nun dachte, Bersenbrück würde schnell viel nach vorne werfen, wurde komplett getäuscht. Die Kickers-Abwehr stand sehr sicher. Zweimal Tido Steffens mit einem sehenswerten Heber (37.) und nach einem Freistoß (43.) sorgten für ganz große Gefahr vor dem Bersenbrücker Tor. Die erste Gästechance in der ersten Halbzeit entschärfte der ganz souverän agierende Kickers-Keeper Jannik Wetzel in der 44. Minute.
„Auf der letzten Rille“
Auch in der zweiten Halbzeit gab es ein ähnliches Bild. Bersenbrück fiel gegen die kampfstarke Kickers-Defensive so gut wie gar nichts ein. Tido Steffens und Gabriel Bamezon hatten zahlreiche Kontermöglichkeiten, die aber ungenutzt blieben. Während die Gäste viermal wechselten, kamen die beiden A-Jugendlichen Tim Meiners und Nico Bohlen bei Kickers erst in der Schlussphase. „Das war ein Spiel auf der allerletzten Rille. Was bin ich froh, dass ich die letzte Chance in der Nachspielzeit noch gemacht habe“, freute sich Tido Steffens, dass er kurz vor Schluss (90.+1) doch noch seine überragende Leistung mit dem zweiten Treffer krönte.
Jubelnd rannte er in die Fankurve und wurden von seinen Mannschaftskameraden geherzt. Wenige Minuten später begann dann die Jubelorgie mit den Anhängern. Nach 38 gewonnenen Punkten und 13 Zählern für die Aufstiegsrunde eine verdiente Belohnung.