Fußball
Vom Fußballplatz ins Bürgermeisteramt
Der Vorsitzende von GW Firrel ist seit Kurzem auch Bürgermeister in Firrel. Im Interview spricht Johannes Poppen über sein Amt, seine Gewichtsabnahme und das Ende des schlechten Handy-Empfangs.
Firrel - Nein, es ist kein Karnevalsscherz. Seit dem 11.11. ist Johannes Poppen tatsächlich Bürgermeister von Firrel. Die Sportler von GW Firrel müssen nun ihren Vorsitzenden mit allen Bürgern der Gemeinde teilen. Wie es zum Amt in der Politik kam und ob die Fußballer nun auf einen Teil des Engagements ihres Klubchefs verzichten müssen, erklärt Poppen im Interview.
Frage: Vor einem Jahr sind Sie als ehemaliger Chef des Modehauses Leffers in den Ruhestand getreten. Seit Kurzem sind Sie nun Bürgermeister von Firrel. Hat Sie der Vorsitz bei Grün-Weiß Firrel allein nicht mehr ausgelastet?
Johannes Poppen: Hinter mir liegt ein spannendes und gutes Jahr – trotz Corona. Es kam also überhaupt keine Langeweile auf. Ende September sind meine Frau und ich auch noch erstmals Oma und Opa geworden. In Wien kam unser Enkelsohn Noah zur Welt. Auch sonst war alles bestens. Ich hatte reichlich zu tun, habe mich auch körperlich viel bewegt und zehn Kilo abgenommen.
Frage: Wie haben Sie das geschafft?
Poppen: Ich mache sozusagen ein 16-Stunden-Intervall-Fasten. Ich esse abends um 19 Uhr und dann erst wieder mittags um 13 Uhr. Außerdem bin ich sehr viel mit dem E-Bike unterwegs – auch wenn ich nach Leer fahre, nehme ich meistens das Rad.
Frage: Dann steigen Sie ja nun in bester Verfassung in die Kommunalpolitik ein. Was war der Grund?
Poppen: Tatsächlich waren es vor allem ein paar Fußballfreunde, die mich im Sommer darum gebeten haben. Es sind Leute von der AWG, die teilweise auch im Vorstand von Grün-Weiß Firrel mitarbeiten. Erst habe ich abgeblockt, aber die ließen nicht locker. Und ich hatte im Ruhestand ja nicht mehr das Argument, dass mir die Zeit dazu fehlt. Weil in unserer Gemeinde ja immer die CDU dominiert hat, lief es ja eigentlich auf vier oder fünf Sitzungen für uns als Opposition im Jahr hinaus. Das Bürgermeisteramt habe ich nie angestrebt.
Frage: Hat Ihr Posten bei GW Firrel zum überragenden Wahlerfolg mit beigetragen?
Poppen: Ja, mit Sicherheit. Die Leute im Dorf kennen mich alle vom Fußball. Außerdem stand ich als Leffers-Chef und Vorsitzender der Leeraner Werbegemeinschaft jahrelang im Fokus. Es gibt vermutlich keinen Firreler, der nicht weiß, wer Johannes Poppen ist. So hatte ich bei der Wahl auf einmal die meisten Stimmen von allen. Und unsere Gruppe war sogar stärker als die CDU. Das war schon überwältigend. Da hatte ich eigentlich keine Wahl mehr und musste mich schon als Bürgermeister aufstellen lassen. Meine Frau hatte keine Einwände. Also habe ich es gemacht und finde es nach den ersten Wochen total spannend.
Frage: Bisher haben Sie sich 100 Prozent für Grün-Weiß eingesetzt. Muss nun der Verein mit 70 oder 80 Prozent Poppen Vorlieb nehmen?
Poppen: Auf keinen Fall. Ich habe genügend Zeit für beide Ämter. Keiner muss da Abstriche machen.
Frage: Und wenn Grün-Weiß Firrel ein neues Flutlicht möchte, was sagt zukünftig der Bürgermeister dazu?
Poppen: Ich kann Argumente liefern. Aber wenn es einen Interessenskonflikt gibt, würde ich nicht über die Belange von Grün-Weiß Firrel mit abstimmen – auch nicht bei der Samtgemeinde Hesel, denn da bin ich nun ja auch vertreten. Im Übrigen war die Sache mit dem neuen Flutlicht schon längst auf dem Weg. Wir brauchen neue Lichter für den B-Platz und die bekommen wir auch.
Frage: Und was machen Sie, wenn sich Bürger beschweren, weil am Abend auf dem Sportplatz die Fußballer zu laut sind?
Poppen: Das würde ich keinesfalls abblocken, sondern mir das Anliegen anhören und mich darum kümmern. Ich bin ja nun für alle Einwohner zuständig.
Frage: Ärgert es Sie eigentlich als Bürgermeister und Vorsitzender sehr, dass der Handy-Empfang auf dem Firreler Fußballplatz so schlecht ist wie auf vermutlich keiner anderen Sportanlage in Ostfriesland?
Poppen: Ja, das ist ein regelrechtes schwarzes Loch, eine einzige Katastrophe. Das war uns schon immer peinlich, wenn Werder Bremen oder SV Meppen bei uns gespielt haben. Selbst Werder-Trainer Thomas Schaaf hat sich früher schon beklagt. Aber dieser Zustand ist bald vorüber. Wir haben in Firrel Glasfaserkabel und eine superschnelle Internetverbindung. Das reichte bislang nur noch nicht bis zum Sportplatz. Aber nun wurde ein Funkmast am Rande von Firrel aufgestellt. In wenigen Wochen wird die Technik installiert sein und dann gibt es diesen toten Winkel nicht mehr. Dann haben wir auch auf dem Fußballplatz eine perfekte Internetverbindung.
Frage: Und wie sehen Sie die sportliche Entwicklung Ihres Vereins?
Poppen: Nach dem miserablen Start in die Landesliga mit sechs Niederlagen in Folge haben wir uns gefangen und besitzen sogar noch eine Chance auf die Aufstiegsrunde. Aber auf jeden Fall möchten wir das kleinste Dorf in der Landesliga bleiben. Die Liga ist total spannend und für Firrel attraktiv. Wir würden uns gerne dort etablieren. Dafür werden wir alles tun, aber wir werden nicht übertreiben und irgendwelche Experimente eingehen.
Frage: Nur Kickers Emden spielt in Ostfriesland eine Klasse höher als GW Firrel. In Emden gibt es immer viel Neider. Nun steht Kickers sogar in der Oberliga ganz oben. Bewerten Sie das positiv oder betrachten Sie als Vorsitzender eines Landesligisten Kickers Emden als Konkurrenten?
Poppen: Was Kickers im Moment macht, ist richtig gut. Davon profitiert der gesamte Fußball in Ostfriesland. Und für die Stadt Emden ist Kickers eine wichtige Marke. Vielleicht gelingt ja sogar der Aufstieg in die Regionalliga. Dann würde auch ich sicher wieder häufiger nach Emden ist Stadion gehen.
Frage: Hat Bürgermeister Poppen denn noch genügend Zeit für seine Fußball-Leidenschaft?
Poppen: Mein Sport-Interesse leidet überhaupt nicht unter dem Amt. Ich war kürzlich in Groningen und habe mir den Robben-Abschied angeguckt. Dann habe ich mir in Bremen das Werder-Spiel gegen Schalke angeschaut und war auch in Meppen gegen Viktoria Köln im Stadion. Schließlich bin ich mit meiner Frau auch noch beim Handballspiel zwischen OHV Aurich und Wilhelmshaven gewesen. Es hat uns super gefallen. Sie sehen, auch als Bürgermeister muss ich auf mein Sport-Hobby nicht verzichten.