Fußball

Neue Chronik: 75 Jahre BSV Kickers Emden auf 230 Seiten

| | 09.11.2021 10:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Initiatoren Reiner Bruns (von rechts), Albert Peters und Horst Groeneweg freuen sich, dass die Chronik nun fertig ist. Foto: T. Bruns
Die Initiatoren Reiner Bruns (von rechts), Albert Peters und Horst Groeneweg freuen sich, dass die Chronik nun fertig ist. Foto: T. Bruns
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Eine kleine Gruppe von Kickeranern hat mit viel Liebe eine Chronik zum 75. Geburtstag des BSV Kickers Emden entworfen. Das Ergebnis lässt sich sehen und unterscheidet sich von üblichen Vereinsbüchern.

Emden - Als Reiner Bruns kürzlich staunend die zu renovierende Küche betrat, teilte ihm seine Frau Insa in der Küchen-Baustelle nüchtern mit: „Reiner, nichts ist für die Ewigkeit.“ Der pensionierte Kriminalhauptkommissar musste seiner Gattin nach einem kurzen Moment widersprechen: „Das stimmt nicht ganz, unsere neue Kickers-Chronik ist für die Ewigkeit.“

Reiner Bruns (von links), Albert Peters und Horst Groeneweg schauen sich mit Freude das Werk an. Foto: T. Bruns
Reiner Bruns (von links), Albert Peters und Horst Groeneweg schauen sich mit Freude das Werk an. Foto: T. Bruns

Wer in den 230-seitigem Werk blättert, stellt fest, dass der langjährige Sportliche Leiter des BSV nicht übertrieben hat. Ur-Kickeraner, frühere Spieler und Trainer, Fans aus der Gegenwart oder neutrale Fußball-Liebhaber: Sie alle kommen in dem Geburtstagswerk zum 75-jährigen Vereinsbestehen auf ihre Kosten – so wie es künftige Generationen tun werden. Die erst zweite Jubiläumsschrift nach der zum 25. Geburtstag ist auch eine große Vorarbeit für künftige Feiertage.

75 Abschlusstabellen aus 75 Jahren

„Ursprünglich waren 150 Seiten ungefähr im DIN-A5-Format geplant. Nun sind es 230 Seiten größer als DIN-A4 geworden. Und es hätten noch viel mehr werden können“, sagt Horst Groeneweg. Er bildete mit Albert Peters und Initiator Reiner Bruns – seit 48 Jahren Kickers-Mitglied – das Trio, das das Projekt leitete. „Wie viele Arbeitsstunde es waren, das haben wir nicht gezählt. Für uns war es aber keine Arbeit, sondern ein großes Vergnügen“, betont Bruns.

Die Rubrik „3 Fragen an...“ lockert die Chronik ebenso auf wie viele Bilder und eine tolle Gestaltung. Und natürlich kommt auch der gebürtige Emder Otto Waalkes zu Wort, der auch den Ottifanten auf dem Buchcover extra zeichnete. Fotos: T. Bruns
Die Rubrik „3 Fragen an...“ lockert die Chronik ebenso auf wie viele Bilder und eine tolle Gestaltung. Und natürlich kommt auch der gebürtige Emder Otto Waalkes zu Wort, der auch den Ottifanten auf dem Buchcover extra zeichnete. Fotos: T. Bruns

Mit der großen technischen Unterstützung vom 19-jährigen Tobias Bruns (Sohn von Reiner) ist auch gestalterisch ein Buch entstanden, das mit üblichen Chroniken von Amateurvereinen schwer zu vergleichen ist. Dabei wurden die Epochen des BSV in sechs verschiedene Kapitel unterteilt, mit vielen Bildern, Porträts und Erinnerungen lebendig gemacht. Weitere Rubriken wie „3 Fragen an“, 75 Abschlusstabellen aus allen 75 Kickers-Spielzeiten und viele schöne Statistiken lockern die 230 Seiten weiter auf. Und das Cover mit einem Kickers-Ottifanten zeichnete natürlich: Otto Waalkes.

Beindruckender Brief an Kriegsgefangene

Gegründet wurde der Ballsportverein (BSV) Kickers Emden am 24. März 1946 in einem Klassenzimmer der Herrentorschule. Vor dem Krieg war der Emder Turnverein – die Fußballabteilung wurde 1928 gegründet – der „Mutterverein“ der späteren Kickers-Fußballer. Gerade das erste Kapitel von 1946 bis 1951 ist für Fußball-Historiker spannend. Dort finden sich auch viele Originaldokumente wie ein BSV-Brief an Kriegsgefangene in Russland. „Das ist eine meiner Lieblingsseiten geworden“, sagt Bruns und liest aus dem Schriftstück, in dem die Fußballer über das sportliche und gesellschaftliche Geschehen informiert werden. „Das Verhältnis zu den anderen Emder Sportvereinen ist wechselnd. Man zeigt seinen Neid über unsere Erfolge, der manchmal in Hass und Verleumdungen ausartet. Wir sind wie früher das schwarze Schaf in Emden.“

Auch Nostalgiker kommen auf ihre Kosten: Diese Doppelseite zeigt das zerstörte Emder Rathaus und einen Brief des frisch gegründeten BSV an kriegsgefangene Emder. Foto: T. Bruns
Auch Nostalgiker kommen auf ihre Kosten: Diese Doppelseite zeigt das zerstörte Emder Rathaus und einen Brief des frisch gegründeten BSV an kriegsgefangene Emder. Foto: T. Bruns

„Erfolg bringt auch Neider hervor – das ist heute auch noch so“, sagt Bruns mit einem Lächeln. Erfolg hatte der BSV schon früh. In seiner ersten Saison auf dem heutigen Kickers-Gelände – die ersten Jahre war der BSV Gast bei FT 03 Emden – wurde das Team in der Saison 1950/1951 Meister der Amateur-Oberliga Niedersachsen und scheiterte erst in der Aufstiegsrunde am Sprung in die höchste deutsche Spielklasse (Oberliga Nord). In dieser Zeit trat auch der große Fritz Walter mit drei anderen späteren Weltmeistern vom 1. FC Kaiserslautern in Emden zu einem Freundschaftsspiel an. Auch dazu finden sich persönliche Anmerkungen des längst verstorbenen Walter.

Stadtarchiv wurde durchforstet

Bei der Recherche zu den Anfangsjahren war vor allem Fritz Dannecker von großer Bedeutung. Der Rentner hatte für sich und seinen Sohn jahrelang im Emder Stadtarchiv alle Informationen, Dokumente und alte Zeitungsartikel in acht großen Ordnern zusammengetragen. „Das war ein Glücksfall für uns und eine große Hilfe für den Beginn unserer Arbeiten“, sagt Albert Peters.

Mit Unterstützung einiger weiterer Helfer wurde anderthalb Jahre gearbeitet. Als Autoren halfen Ingo Poppen, Günther Czempiel, Heiko Müller (alle Ostfriesen-Zeitung), Jörg-Volker Kahle (Emder Zeitung) und Uwe Rosenberg (langjähriger Redakteur und Mitbegründer vom Kickers-Kurier). Entworfen und gedruckt wurde alles in der Emder Druckerei A. Bretzler.

2500 Exemplare wurden gedruckt

Ursprünglich sollte das Buch exakt zum 75. Geburtstag am 24. März erscheinen. Doch die Corona-Pandemie durchkreuzte die Pläne – und gab den Machern noch Zeit. „Die haben wir dankbar angenommen. Wir alle haben so etwas ja zum ersten Mal gemacht. Die letzten Wochen vor dem Redaktionsschluss waren schon sehr stressig“, sagen Bruns, Peters und Groeneweg unisono.

Ab Montag im Verkauf: die Kickers-Chronik. Foto: T. Bruns
Ab Montag im Verkauf: die Kickers-Chronik. Foto: T. Bruns

Nun sind sie stolz und froh, dass sie „ihr Baby“ präsentieren können. 2500 Exemplare sind auf der BSV-Geschäftsstelle, in der Stadion-Gaststätte und weiteren Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Softcover-Version kostet 15 Euro, die Hardcover-Variante 30 Euro. Der Gewinn kommt der Jugendabteilung zugute – das Werk selbst ist über Sponsoren voll finanziert. Die Chronik ist ab Montag erhältlich und dürfte in einigen Wochen sicherlich unter einigen Weihnachtsbäumen liegen.

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