Leichtathletik

Stadtläufe: Weshalb in Aurich gelaufen wird und in Leer nicht

| | 21.09.2021 13:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Solche Bilder gab es jetzt schon zwei Jahre nicht mehr. Letztmals liefen 2019 mehr als 1000 Kinder – teils begleitet von ihren Eltern – beim Citylauf durch die Leeraner Innenstadt. Archivfoto: Ortgies
Solche Bilder gab es jetzt schon zwei Jahre nicht mehr. Letztmals liefen 2019 mehr als 1000 Kinder – teils begleitet von ihren Eltern – beim Citylauf durch die Leeraner Innenstadt. Archivfoto: Ortgies
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Zum zweiten Mal in Folge fiel der Leeraner Citylauf aus. Der Veranstalter konnte eine Auflage nicht erfüllen und war sauer. In Aurich findet der Sparkassen-Lauf nun statt. Wo sind die Unterschiede?

Leer/Aurich - Während der Auricher Sparkassen-Lauf an diesem Freitag Hunderte Läufer in die Innenstadt lockt, fiel der Leeraner Citylauf am vergangenen Sonntag zum zweiten Mal in Folge aus. Unsere Zeitung wollte herausfinden, warum in „Auerk“ gelaufen wird und 30 Kilometer weiter südlich nicht.

Beim Sparkassen-Lauf in Aurich werden Freitag ab 17 Uhr auch viele Kinder erwartet. Archivfoto: Gleich
Beim Sparkassen-Lauf in Aurich werden Freitag ab 17 Uhr auch viele Kinder erwartet. Archivfoto: Gleich

„Auch wir hätten die Veranstaltung gerne durchgezogen. Doch die strengen Auflagen waren für uns nicht zu erfüllen. Deshalb blieb uns keine andere Wahl“, erklärt ein sehr enttäuschter Rüdiger Barten, der zusammen mit dem BSV Bingum das vor allem bei Kindern beliebte Rennen organisiert und ihn Anfang des Monats absagte.

Innenstadt sollte eingezäunt werden

Diese Vorgabe des Landkreises Leer, die der Veranstalter auf der Homepage veröffentlicht hat, sei der Knackpunkt gewesen. „Bei ihrer Veranstaltung handelt es sich aufgrund der Teilnehmerzahl um eine genehmigungspflichtige Veranstaltung. Grundvoraussetzung für eine Genehmigung ist eine Datenerfassung aller Teilnehmer und Zuschauer. Darüber hinaus haben sie sicherzustellen, dass die allgemeine Regelung wie Abstände, Maskenpflicht und so weiter sowohl von Teilnehmern als auch Zuschauern eingehalten werden.“

Die Zuschauer beim Leeraner Citylauf sind meistens Familien und Freunde der Kinder. Archivfoto: Ortgies
Die Zuschauer beim Leeraner Citylauf sind meistens Familien und Freunde der Kinder. Archivfoto: Ortgies

Die Daten der Teilnehmer zu erfassen, wäre kein Problem gewesen. Dies geschieht durch die Anmeldung ohnehin. „Doch die Daten der Zuschauer zu dokumentierten hätte bedeutet, dass wir die Laufbereiche in der Innenstadt hätten einzäunen müssen. Das ist lächerlich und können wir nicht leisten“, echauffiert sich Barten. Er ärgert sich über diese Vorgabe, zumal der Lauf an der frischen Luft an einem Sonntag mit geschlossenen Geschäften über mehrere Stunden verteilt stattgefunden hätte. „Die Eltern, die um 11 Uhr den Lauf ihrer Kinder angeschaut hätten, wären um 13 Uhr nicht mehr da gewesen. Und ich verstehe auch nicht den Unterschied zwischen einkaufenden Menschen in der Fußgängerzone von Montag bis Sonnabend und zuschauenden Eltern am Sonntag in der Innenstadt.“

Kinder seien sehr enttäuscht

Rund 2000 Teilnehmer und ebenso viele Zuschauer – oft begleitende Eltern – tummeln sich normalerweise beim Leeraner Citylauf. Diese Zahlen gaben die Organisatoren auch diesmal bei der Anmeldung an, obwohl es wegen der Corona-Pandemie sicherlich einige Teilnehmer weniger gewesen wären. Der Aderlass wäre nicht so groß gewesen, glaubt Barten. „Fast 1200 Teilnehmer sind oft Kinder aus Schulen und Kindergärten. Für die ist der Lauf immer ein großer Höhepunkt. Ich habe auch mitbekommen, dass viele sehr traurig sind.“

Die Planungen für den Citylauf begannen vor Monaten. Angemeldet wurde er schon frühzeitig. Ende August kontaktierte Barten die Behörden und fragte nach der Veröffentlichung der neuen Landesverordnung nach den Corona-Maßnahmen. Die Antwort überraschte ihn. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der Landkreis Leer die Auflagen. „Der Landkreis Leer richtet sich bei seiner Entscheidung nach der geltenden Corona-Verordnung des Landes. In diesem Fall handelt es sich eben um eine Veranstaltung, für die Bedingungen gelten und bei der die Organisatoren die Datenerhebung sicherstellen müssen. Insofern wäre der richtige Adressat für diese Frage das Land Niedersachsen.“

Land stellt die Regeln auf

Die Pressestelle des Gesundheitsministeriums bestätigte die Regeln, wonach bei Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern die Daten erfasst werden müssten – auch im Freien. Wie sinnvoll das bei einer „gestreckten“ Lauf-Veranstaltung über mehrere Stunden ist, spielt dabei offensichtlich keine Rolle. Sehr zum Ärger von Rüdiger Barten.

Beim Auricher Sparkassen-Lauf gibt es diverse Schüler- und sogar Klassenwertungen. Archivfoto: Ortgies
Beim Auricher Sparkassen-Lauf gibt es diverse Schüler- und sogar Klassenwertungen. Archivfoto: Ortgies

Mit behördlichen Auflagen kennt sich auch Holger Wesseln aus, der mit seiner Kölner Agentur „pulsschlag“ hauptberuflich auch Lauf-Veranstaltungen in ganz Deutschland ausrichtet. Die Pandemie war auch für seine Branche eine harte Zeit. Insofern ist er froh, dass am Freitag in Aurich gelaufen wird – aber auch der Sparkassen-Lauf stand auf der Kippe. Allerdings aus einem anderen Grund. Die Anmeldezahlen stockten. Doch in den vergangen Tagen zogen sie noch einmal an. Teilnehmen können nur geimpfte, genesene und getestete Personen. Die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen gelten über die regelmäßigen Schultestungen laut Verordnung als getestet.

Das ist der Unterschied in Aurich

Aber was ist nun der Unterschied zum abgesagten Citylauf in Leer? „Wir müssen die Daten der Zuschauer nicht erfassen“, sagt Wesseln. „Mit den Auflagen in Leer hätten wir den Sparkassen-Lauf in Aurich auch abgesagt.“

Holger Wesseln rechnet mit weniger als 1000 Teilnehmern. Deshalb bedurfte es keiner besonderen Genehmigung. Er ist dem Landkreis Aurich und besonders den Mitarbeitern des Katastrophenschutz-Teams, mit denen er im regen Austausch war, sehr dankbar. „Da wurde die Real-Situation bewertet, nicht die nackte Zahl der möglichen Zuschauer.“

„Teufelskreis durchbrechen“

Bei der Leeraner Veranstaltung hätte ein „runder Tisch“ vielleicht noch eine Lösung bringen können. Denn Wesseln weiß aus seinem Berufsalltag, dass die Teilnehmer- und damit auch Begleiterzahlen momentan wesentlich geringer sind als vor der Corona-Pandemie.

Die Organisatoren in Aurich sind jedenfalls froh, dass sie als eine der wenigen Veranstalter in Deutschland ihren Lauf durchziehen werden. „Diesen Teufelskreis wollen wir bewusst durchbrechen“, erläutert Christian Dillschnitter von „pulsschlag“.

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