Fußball

Unternehmensberater darf im Kickers-Job „eklig“ sein

| | 17.09.2021 14:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Gegenspieler von Matthias Goosmann (links) hat nie Ruhe am Ball. Fotos: Doden
Ein Gegenspieler von Matthias Goosmann (links) hat nie Ruhe am Ball. Fotos: Doden
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Matthias Goosmann spielt seit acht Jahren für Kickers Emden. Der Ball ist sein Ausgleich zu Bilanzen. Trainer Stefan Emmerling schätzt die besonderen Tugenden des 28-Jährigen.

Emden - Mit Kickers Emden ist Fußballer Matthias Goosmann fünftklassig unterwegs, beruflich spielt der Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG aber in der 1. Liga. Mehr als 200.000 Mitarbeiter arbeiten in fast 150 Ländern für das Unternehmen. „In Deutschland haben wir auch mit vielen Dax-Unternehmen zu tun“, sagt Goosmann. Für den Unternehmensberater mit dem Master-Abschluss ist der Ball der ideale Ausgleich zu Bilanzen. Der Ehrgeiz treibt den 28-Jährigen auf beiden Spielfeldern nach vorne. Deshalb wurmt ihn vor dem Oberligaheimspiel gegen TB Uphusen (Sonnabend, 14 Uhr) auch die 0:4-Pokalschlappe gegen Heeslingen nach zuvor acht Spielen ohne Niederlage.

Unser Tipp

Kickers Emden – TB Uphusen 2:1. Erster gegen Letzter. Auf dem Papier scheint es eine lösbare Aufgabe für Kickers. Doch nach dem 0:4 gegen Heeslingen und mit der Last der Favoritenbürde könnte die Aufgabe äußerst kompliziert werden. Ein knapper Erfolg sollte trotzdem möglich sein.

„Das wirft uns nicht aus der Bahn. Jetzt müssen wir die nächste Serie starten.“ Aber das 0:4 empfand er schon als Tiefschlag der besonderen Art. „So eine hohe Niederlage habe ich mit Kickers zu Hause noch nie kassiert.“ Und Goosmann lief schon über 100-mal mit dem blauen Dress im Ostfriesland-Stadion auf. „Ich gehöre zu den vier Altgedienten.“ Die anderen drei treuen BSV-Männer sind Tido Steffens, Sebastian Bloem und Heiko Visser.

Platz eins kein Zufall

In seiner achten Kickers-Saison erlebt der Wirtschaftsexperte nun einen ungeahnten Höhenflug, der Kickers auf Platz eins beförderte. „Ich hätte nie gedacht, dass wir mal so weit oben stehen und gucke mir die Tabelle jetzt öfter einmal an.“

Matthias Goosmann
Matthias Goosmann

Den Aufschwung wertet er nicht als Zufallsprodukt. „Wir haben mit Stefan Emmerling einen Profi als Trainer, der die Mannschaft besser gemacht hat“, sagt Goosmann. „Und dann haben wir im Sommer richtig gute Leute hinzubekommen.“ Die Verstärkung durch fünf Niederländer wirkt sich nicht nur auf dem Spielfeld aus. „In der Kabine wird jetzt häufig holländisch gesprochen“, erzählt Matthias Goosmann. „Aber dadurch entsteht keine Grüppchenbildung. Im Gegenteil, unser Teamgeist ist großartig.“

Kein Experte in Sachen Torschuss

Daran ist Goosmann laut Stefan Emmerling nicht ganz unschuldig. „Matthias ist ein echter Führungsspieler mit einer Top-Einstellung“, sagt der Trainer. „Er hat einen hohen Anspruch an sich selber und andere. So einen hat man gerne in der Mannschaft.“ Die Konkurrenz hingegen bringt der „Staubsauger“ vor der Abwehr oftmals zur Verzweiflung. Goosmann gilt als Spezialist, gegnerische Angriffe zu stoppen und permanent Bälle zu stibitzen. Einen „ekligen Zweikämpfer“ nennt ihn Emmerling.

Wenn der Mann, der in Remels aufgewachsen ist, erstmal den Ball erbeutet hat, agiert er mannschaftsdienlich wie kaum ein Zweiter. „Ich spiele ihn meistens weiter zum Nebenmann.“ Sololäufe oder Torschüsse überlässt er anderen. „Nein“, sagt er lachend. „Das Toreschießen gehört nicht zu meiner Berufsbezeichnung.“

Der Reiz des Ossiloops

Deshalb bleibt für ihn der 11. Mai 2015 wohl ewig in Erinnerung. An jenem Muttertag erzielte Matthias Goosmann im Landesligaspiel gegen Kickers Wahnbek gleich zwei Treffer und widmete sie seiner Mama. Solch ungewöhnliche Goosmann-Taten sind derzeit nicht nötig. „Wir haben momentan so viele gute Angreifer.“ So grätscht und ackert der defensive Mittelfeldmann erfolgreich vor der eigenen Abwehr und legt nebenbei weite Wege zurück.

Das gilt für ihn auch im Auto. Der Ostfriese lebt in Oldenburg, ist häufiger zur KPMG-Niederlassung in Bremen unterwegs und spult an Trainingstagen zwischen seiner Wohnung und Emden abends noch mal rund 170 Kilometer zurück.

Seine Kilometerleistung ohne Antriebsmotor würde er auch gerne mal unter Wettkampfbedingungen testen. „Leider läuft zu Ossiloop-Zeiten immer der Punktspielbetrieb. Aber nach meiner Fußball-Laufbahn steht der Lauf ganz oben bei mir auf der Agenda.“ Bis dahin will Matthias Goosmann aber noch viele Erfolge mit Kickers feiern – am besten auch am Sonnabend im Spiel gegen Uphusen.

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