Fußball
Videobeweis nach 42 Jahren: Ostfriese Uwe Groothuis mittendrin
Die DFL hat Zweitliga-Rekordtorschütze Dieter Schatzschneider ein Tor von 1979 aberkannt und als Eigentor von Uwe Groothuis gewertet. Simon Terodde ist der dritte Protagonist der irren Geschichte.
Bremerhaven/Emden - Ostfrieslands Fußball-Legende Uwe Groothuis ist sich auch für die 2. Kreisklasse nicht zu schade. Dieser Tage taucht der Trainer des VfB Germania Wiesmoor II aber nochmal in den Schlagzeilen der 2. Bundesliga auf, auch wenn das einjährige Gastspiel mit dem OSC Bremerhaven schon 42 Jahre zurückliegt. „Das ist dann wahrscheinlich der älteste Videobeweis der Welt“, kommentiert der 67-Jährige mit einem breiten Grinsen die irre Geschichte von Hannover-Legende Dieter Schatzschneider, Schalke-Torjäger Simon Terodde und dem Emder „Mister Kickers“ Uwe Groothuis als Hauptdarsteller.
Schatzschneider wütet gegen die DFL
Uwe Groothuis schmunzelt über die nachträgliche Umwertung. Gar nicht witzig findet das Schatzschneider selbst, der nun 153 statt der bisher 154 Treffer erzielt hat. „Man sollte bei der DFL alle entlassen. Ich bin regelrecht geschockt. Haben die dort nichts anderes zu tun, keine anderen Probleme, als irgendwelche Tore aus der Vergangenheit zu überprüfen? Darüber rege ich mich echt auf“, wird der Hannoveraner in der „Bild“ zitiert.
Aber warum sichtete die DFL überhaupt altes Videomaterial? Der Grund liegt in der Gegenwart. Simon Terodde ist nicht mehr weit vom Schatzschneider-Rekord aus den 70er- und 80er-Jahren entfernt. 149 Treffer gehen bislang auf das Konto des letztjährigen Hamburgers. Laut „Bild“ gab es bei der DFL deshalb viele Anfragen, ob die 154-Schatzschneider-Treffer alle amtlich seien. Daraufhin wurden offensichtlich alle Treffer anhand von Zeitungsberichten, Spielberichtsbögen und dem gelegentlich vorhandenen Videomaterial überprüft.
Aufregende Groothuis-Zeit in Bremerhaven
Fündig wurde die „Soko Schatzschneider“ dann bei einem alten NDR-Beitrag von Ende Juli 1979. „Täter“ war nicht ein Stürmer aus Hannover, sondern ein Verteidiger aus Emden, der als 25-Jähriger gerade einen großen Karrieresprung vollzogen hatte: Von der Landesliga in die 2. Bundesliga. Der Ostfriese erkämpfte sich zu Beginn einen Stammplatz, verletzte sich dann an den Bändern und war nach seiner Rückkehr zuerst außen vor. „Nach einem Trainerwechsel kam ich dann noch ein paar Mal zum Zug, das waren tolle Erlebnisse gegen Alemannia Aachen oder Rot-Weiß Essen.“ Dort begegnete er auf dem Feld auch der Essener Fußball-Legende Willi „Ente“ Lippens.
Im Bremerhaven-Team befanden sich mit Torjäger Paul Linz und dem jungen Mittelfeldrenner Wolfgang Rolff auch Akteure, die später als Spieler und Trainer noch bundesweite Bekanntheit erlangten. Am Ende der Saison stieg Bremerhaven knapp ab, Groothuis kam auf neun Einsätze. „Im zweiten Jahr wären es sicherlich mehr geworden.“ So wurde der Emder dann Leistungsträger in der drittklassigen Amateur-Oberliga mit einer jungen Mannschaft. „Ich arbeitete damals bei der Stadt Bremerhaven, auch in der 2. Liga. Da gab es damals noch nicht das große Geld.“
Schatzschneider schätzt Simon Terodde
1984 ging es noch für zwei Spielzeiten zu TSR Olympia Wilhelmshaven, ehe er bei Kickers Emden noch einige Jahre seinen zweiten Frühling erlebte, 1990 in die 3. Liga aufstieg und 1991 Niedersachsens Fußballer des Jahres wurde. Danach startete seine Trainerlaufbahn, die ihn vor einigen Jahren nach Wiesmoor führte.
Und nun wurde er unverhofft nochmal Teil einer irren Zweitliga-Geschichte, in der ein Schatzschneider-Treffer zu einem Groothuis-Eigentor wurde. „Den Rekord würde Terodde auch ohne diese Umwertung knacken“, sagt der 67-jährige Groothuis. Und auch Dieter Schatzschneider schlug am Ende des „Bild“-Berichtes versöhnliche Töne an. „Der Rekord ist so oder so weg, das muss man akzeptieren. Simon Terodde hat sich die Bestmarke verdient, er ist ein toller Stürmer.“