Leichtathletik
William Wolzenburg mit Wunderweite Deutscher Meister
Der 15-jährige William Wolzenburg vom SV Georgsheil gehört zu den größten Leichtathletik-Talenten in Deutschland. Er gewann in Hannover neben Gold mit dem Diskus, Silber in einer weiteren Disziplin.
Hannover - Trainer Michael Mücher vom SV Georgsheil hatte schon seit Montag ein prächtiges Gefühl für die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Klasse U16. Da schleuderte sein Schützling William Wolzenburg beim Training den Diskus über die Mittellinie des Fußballplatzes in Georgsheil hinaus und vermutlich auch weit über seine Bestmarke von 53,40 Metern. „Normalerweise messe ich Trainingsweiten nie“, sagt Mücher. Aber weil die Marke im Rasen deutlich sichtbar war, fuhr er am nächsten Tag noch einmal dort hin. „Mein 50-Meter-Maßband reichte bei weitem nicht.“ Seine überragende Form brachte der 15-Jährige am Sonntag mit in den Wurfring, steigerte sich um mehr als vier Meter (!) und wurde mit 57,74 Meter Deutscher Meister.
Bestweite im letzten Versuch
Beim Diskuswerfen traten am Maschsee im Erika-Fisch-Stadion eigentlich andere Athleten als Topfavoriten auf den Titel in den Wurfring. William Wolzenburg schockte die Konkurrenz aber gleich mit 54,41 Metern. Nuka Driver (MTV Heide) trumpfte aber im zweiten Durchgang mit 55,42 Metern auf. „Nun musste gekontert werden“, schildert Mücher den Wettkampf.
Nach zwei ungültigen Versuchen ließ William Wolzenburg im vierten Versuch die Scheibe auf 56,65 Metern segeln. Da kam niemand mehr heran. Der Ostfriese aber hob sich den ganz großen Wurf bis zum Schluss auf. Da glückte ihm die Fabelweite von 57,74, die allenthalben für Erstaunen in der Arena sorgte.
Rekord auch mit der Kugel
Es dauerte nicht lange, da trudelten Glückwünsche von überall auf den Handys des Athleten und des Trainers ein. Doch offenbar störte es den 15-Jährigen bei der Vorbereitung auf das Kugelstoßen nicht im geringsten. „William ist ein superlockerer Typ. Der kann damit umgehen“, sagt Trainer Mücher. „Die Lockerheit ist ein Teil seines Erfolgs.“
Und sie bescherte dem Supertalent am Nachmittag prompt die nächste Medaille. Erst vor einer Woche hatte er bei den Grenzlandspielern in Leer die Kugel auf 16,94 Meter bugsiert. In Hannover übertrumpfte er die Weite im zweiten Versuch mit 17,65 Metern deutlich. Für den Sieg kam der SVG-Athlet allerdings nicht in Frage. Sebastian Neukirchen (Bayer Uerdingen) ist in dieser Disziplin eine Klasse für sich und siegte mit 18,60 Metern. Fast zwei Meter hinter Wolzenburg belegte Nuke Driver (15,68 Meter) Rang drei.
Wirdumerin knapp an Bronze vorbei
Solch ein Bronzerang lag auch für Heike Schwitters von Fortuna Wirdum im dramatischen Hammerwerfen der Klasse W 15 in greifbarer Nähe. Mit 48,65 Metern lag sie lange Zeit sogar auf Platz zwei und vor der späteren Siegerin Charlotte Plock-Girmann (Bad Gandersheim). Diese schaffte ihre Siegesweite von 49,54 Metern erst im fünften Versuch und gewann vor Johanna Marrnitz (49,51). Bis zum letzten Durchgang rangierte Heike Schwitters, die sich noch auf 48,96 Meter gesteigert hatte, auf dem Bronzeplatz. Dann verdrängte Hannah Melzer (LG Teck) die Ostfriesin um 24 Zentimeter (49,20) vom Podest.
Heike Schwitters durfte sich dennoch über eine hervorragende Leistung freuen. Pech hatte hingegen ihr Teamkollege Enno Tjarks. Er trat im Diskuswerfen (U16) gegen William Wolzenburg und Co. an und schied mit drei ungültigen Versuchen im Vorkampf aus.