Fußball
Mit 16 eigene Wohnung – mit 31 Erfolg in Beruf und Kickers-Job
Kapitän Bastian Dassel strebt mit Kickers am Samstag einen Sieg über Spelle an. Nach dem Pokalsieg am Dienstag gab es bei den Emdern erstmals in dieser Saison Bier. Der Grund war eine Verlobung.
Emden - Schon mit 16 Jahren verließ Bastian Dassel einst für den Fußballsport das Elternhaus – nicht, um irgendwo in Bremen oder Hamburg eine Profikarriere anzustreben. „Ich bin in der B-Jugend von Wiesmoor zu Kickers Emden gewechselt.“ Deshalb zog der Jugendliche in ein Zimmer nach Aurich. „Von dort waren die Busverbindungen nach Emden besser als von Wiesmoor.“ Bastian Dassel besaß eben schon immer besonderen Ehrgeiz. 15 Jahre später spielt der Kapitän und Leitwolf bei Kickers Emden in der Oberliga und genießt die Erfolgswelle mit Siegen im Ostfrieslandcup, in Ligaspielen und dem Verbandspokal.
„Die Euphorie in der Mannschaft ist riesengroß“, sagt er vor dem Samstag-Heimspiel gegen SC Spelle-Venhaus (Anpfiff 14 Uhr). „Wir wollen unsere Spitzenposition verteidigen.“
Goosmann brachte eine Kiste mit
Zuletzt gab es fünf Siege in elf Tagen, aber hinterher nur einmal ausgelassene Partystimmung. „Wir trinken normalerweise kein Bier, wenn zwei oder drei Tage später das nächste Spiel ansteht.“ Nach dem 3:1-Erfolg im Pokal über den FC Hagen/Uthlede wichen die BSV-Kicker von ihrem Abstinenz-Grundsatz ab. „Wir hatten ja einen Tag mehr Regenerationszeit“, erklärt der Kapitän.
Außerdem galt es nicht nur, eine starke Leistung und den Einzug ins Achtelfinale zu feiern. Im Namen der Mannschaft bat Dassel Trainer Stefan Emmerling nach dem Spiel um einen zusätzlichen trainingsfreien Tag. Der Chef genehmigte den Antrag. „Da war der Jubel groß.“ Die Laune steigerte sich noch, als Mittelfeld-Kämpfer Matthias Goosmann den Mitspielern in der Kabine seine Verlobung mitteilte. „Er hatte eine Kiste Bier mitgebracht. Da hat dann auch jeder ein Fläschchen getrunken“, erzählt Dassel.
Kickers-Kader stark wie nie
Der „Leitwolf“ spielt nun die sechste Saison in Emden und sieht den aktuellen Erfolg nicht als Zufallsprodukt an. „In der Breite hatten wir noch nie so einen starken Kader“, sagt der 31-Jährige. „Da macht es auch nicht so viel, dass zuletzt mal Nikky Goguadze und Holger Wulff fehlten.“ Denn auf der Bank warten immer Joker mit Stammspielerqualität. „Das ist ein enormer Vorteil.“
So änderte Emmerling am Dienstag seine Startelf gegenüber dem Punktspielspiel gegen Hagen drei Tage zuvor gleich auf fünf Positionen. Außerdem war Dassels Auswechslung in der zweiten Halbzeit schon vor dem Spiel besprochen worden. „Nach dem harten Startprogramm mussten wir unsere Kräfte ein bisschen schonen.“
Schließlich soll heute gegen einen Titelanwärter der vierte Punktspielsieg in Serie folgen. Zu Oberligazeiten verlor Kickers bislang alle drei Duelle gegen den SC Spelle-Venhaus. „Das muss sich ändern“, sagt der Kapitän, der dieses Amt seit der aktuellen Saison offiziell übernommen hat. Die Spielführerbinde trug er allerdings schon häufig im Vorjahr, weil Kapitän Manuel Menzel oft nicht in der Startformation stand.
Erfolg auf allen Ebenen
Der Posten des Kapitäns passt zu Bastian Dassel. Schon als 16-Jähriger hat er in der eigenen Wohnung früh Verantwortung für sich übernehmen müssen. „Damals haben mich meine Eltern aber tatkräftig unterstützt und auch die Wäsche gewaschen“, erzählt er lächelnd. Bald erhielt er zusätzlichen Beistand. Der junge Kicker lernte in Aurich mit 17 seine heutige Ehefrau Olga kennen. Mittlerweile haben die beiden zwei kleine Söhne.
Bastian Dassel hat immer alles miteinander zu vereinbaren gewusst: Beziehung, Kinder, Fußball und auch den Beruf. So schaffte er es auch beim europaweit agierenden Bauunternehmen Strabag als Prokurist in eine verantwortungsvolle Position. Mit Ehrgeiz sucht der Familienvater aus Aurich eben überall den Erfolg.
Heute möchte er das wieder auf dem Spielfeld beweisen. „Wir wollen gegen SC Spelle/Venhaus gewinnen. Und das schaffen wir auch.“ Wer mag da schon wiedersprechen, wenn der Leiwolf das sagt?