Olympia

Zum siebten Mal Olympia: Leeraner war in Tokio

| | 12.08.2021 20:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Foto zeigt Bernd-Volker Brahms am Reporterplatz im Musashino Forest Sport Plaza. Dort hätten 10.000 Zuschauer reingepasst. Fotos: Privat
Das Foto zeigt Bernd-Volker Brahms am Reporterplatz im Musashino Forest Sport Plaza. Dort hätten 10.000 Zuschauer reingepasst. Fotos: Privat
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Der Leeraner Bernd-Volker Brahms war in Tokio als Badminton-Experte mit dabei. Er arbeitete für das ZDF und andere Medien. Brahms bekam einen besonderen Einblick in die „Corona-Spiele“.

Tokio/Leer - Wenn es nach der Zahl der Olympia-Teilnahmen gegangen wäre, hätte ein Ostfriese die deutsche Fahne in Tokio tragen müssen. Keiner der deutschen Equipe mischte in den Hallen und Arenen bei Weltspielen schon so häufig mit wie der Leeraner Bernd-Volker Brahms – er tritt aber nicht als Wettkämpfer an, sondern als Journalist. Seit Barcelona 1992 kombiniert er seine Leidenschaft fürs Badminton mit seinem Beruf. Und so berichtete der ehemalige Redakteur der Ostfriesen-Zeitung auch schon aus Atlanta, Sydney, Athen, London und Rio. „Nur Peking habe ich leider verpasst.“

Das Badminton-Buch von Bernd-Volker Brahms gibt es auch in China: Der Autorenname ist in lateinischer Schrift (Mitte).
Das Badminton-Buch von Bernd-Volker Brahms gibt es auch in China: Der Autorenname ist in lateinischer Schrift (Mitte).

Normalerweise berichtet der Mitarbeiter des MDR, der mit Frau und Kind mittlerweile in Stendal lebt, über Themen aus aller Welt und spricht im Hörfunk des Senders sogar die Nachrichten. Seine zahllosen olympischen Momente hat er aber seinem tiefgründigen Wissen über die Randsportart Badminton zu verdanken. In Tokio unterstützte er das ZDF mit Informationen über die Disziplin, die sogar älter ist als der Tennissport. Er schrieb Beiträge für DPA, die FAZ, für ein Badminton-Magazin und ein Onlineportal. „Von dem Honorar konnte ich Flug und Hotel bezahlen. Es blieb sogar ein bisschen übrig“, lächelt der 51-Jährige.

Sogar Chinesen lesen Buch des Ostfriesen

Brahms, der selber einst beim VfR Heisfelde die moderne Federball-Variante praktizierte, kennt fast jeden Top-Spieler der Welt, weiß nahezu alles über seinen Sport und sammelt alles, was er in die Hände bekommt. Er besitzt einen mehr als 100 Jahre alten Holzschläger, Federbälle ähnlichen Jahrgangs und einen Siegerpokal der „All England Open“ von 1925.

Beim Heimatbesuch hatte Brahms die Olympia-Akkreditierung und ein paar Badminton-Utensilien mit dabei. Fotos: Lilienthal
Beim Heimatbesuch hatte Brahms die Olympia-Akkreditierung und ein paar Badminton-Utensilien mit dabei. Fotos: Lilienthal

Seine geballte Kompetenz packte „Mr. Badminton“ vor ein paar Jahren in ein Handbuch. Es gilt nicht nur bei Experten in Deutschland als anerkanntes Nachschlagewerk. Das „Handbuch des Badmintons“ wurde sogar in China herausgegeben – dort, wo die Weltelite zu Hause ist. „Das war für mich ein Ritterschlag.“ Natürlich hat sich der Ostfriese eine chinesische Ausgabe zur Seite gelegt. Die deutsche Version verinnerlichte auch ZDF-Reporter Martin Wolff. „Vor den Spielen haben wir uns außerdem viermal per Videoschalte jeweils eineinhalb Stunden unterhalten“, erzählt Brahms. „Das ZDF hat nun mal keinen typischen Badminton-Spezi.“ Und so waren auch auf dem Mainzer Lerchenberg die Tipps des Ostfriesen gefragt.

Informant für ZDF-Mann in Mainz

Während der Spiele kommunizierten Brahms und Wolff täglich per Whatsapp oder Sprachnachricht. Brahms interviewte die Sportler in Tokio in der Halle, Wolff kommentierte – meist im Livestream – aus Mainz. Die Fernsehanstalten aus aller Welt vermieden es, allzu viele Mitarbeiter nach Tokio zu entsenden. „Die Berichterstattung vor Ort war aufgrund der Corona-Lage mit sehr viel Aufwand verbunden“, sagt Brahms.

Der Ostfriese schlenderte auch mal durch Tokios Stadtteil Shinjuku.
Der Ostfriese schlenderte auch mal durch Tokios Stadtteil Shinjuku.

Jeder vorzeitig angereiste Journalist musste sich in Quarantäne begeben. „Ob man geimpft war oder nicht, wollte in Tokio ohnehin keiner wissen.“ Brahms hat beide Spritzen hinter sich, musste sich aber quasi täglich Tests und vielfältigen Kontrollen unterziehen. Weil er aber erst direkt zum Olympiastart einreiste, verzichteten die Japaner darauf, ihn zu isolieren. „Sie wollten meine Arbeit ja nicht verhindern.“ An der umfangreichen Kontrollprozedur nach der Landung kam aber auch der Heisfelder nicht vorbei. „Erst nach vier Stunden kam ich aus dem Flughafen heraus.“ Er musste unter anderem einen Coronatest machen, eine App herunterladen, auf der er täglich seine Gesundheitsdaten eingeben sollte und ein GPS-Programm einschalten, über das sein Bewegungsradius kontrolliert werden konnte.

Viele Japaner nicht geimpft

Darüberhinaus sammelten die Kontrolleure weitere Daten. Sie wollten wissen, welche Hallen er besucht, welche Leute er trifft und wo er sich sonst noch aufhalten möchte. „Die Japaner sind in Sachen Corona noch ängstlicher als wir. Allerdings sind dort auch erst 20 Prozent geimpft.“

So musste Bernd-Volker Brahms rund um die Uhr und in sämtlichen Bereichen des Lebens die Maske tragen und durfte sich eigentlich nur im Hotel und in den Sporthallen aufhalten. „Manchmal habe ich mich aber auch in die Stadt geschlichen“, sagt er. „Dort spürte man nichts von Olympia – es gab weder bunte Fahnen noch Plakate.“

Das Olympia-Flair saugte der Ostfriese live auf. Täglich fuhr er mit dem Bus oder dem teuren Taxi – 80 Euro für eine halbe Stunde – zur Badmintonhalle und manchmal auch zu anderen Arenen. So erlebte er das Achtelfinale von Tennis-Goldjunge Alexander Zverev ebenso mit wie ein Beachvolleyballspiel des deutschen Frauen-Duos Ludwig/Kozuch. „Es waren richtig tolle Wettkampfstätten“, urteilt der Olympia-Kenner. „Unter normalen Umständen wären es grandiose Spiele gewesen. Aber ohne Zuschauer fehlte leider die Stimmung.“ Missen möchte Bernd-Volker Brahms die ungewöhnliche Olympia-Erfahrung von Tokio aber nicht. In drei Jahren sollte es in Paris wieder normaler zugehen. Für 2024 plant Bernd-Volker Brahms dann nämlich seine achte Olympia-Teilnahme.

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