Fest

Ein Muttertag in Zeiten der Pandemie

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 09.05.2021 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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In der Krise sind es meist die Mütter, die Kinderbetreuung und Heimunterricht stemmen. Zum Muttertag berichten drei Frauen von den Belastungen der vergangenen Monate und äußern einen großen Wunsch.

Was und warum

Darum geht es: Mütter berichten von ihren Muttertagswünschen und ihrem Pandemie-Alltag.

Vor allem interessant für: Mütter, Menschen, die eine Mutter haben oder mit einer Mutter liiert sind.

Deshalb berichten wir: Mütter tragen in der Pandemie eine besonders große Last.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Ostfriesland - Es ist ein eindringlicher Appell den die Gleichstellungsbeauftragten der ostfriesischen Städte Aurich, Emden, Leer und Norden zum diesjährigen Muttertag an die Öffentlichkeit richten: „Mütter tragen die Hauptlast der Corona-Krise, sie sind am Limit!“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. „Für Mütter ist Homeschooling, Homeoffice und oft die alleinige Verantwortung für die Kinder eine extreme Herausforderung.“

Okka Fekken, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Emden, berichtet, dass viele Frauen erschöpft seien. Am Schlimmsten treffe es alleinerziehende Mütter und solche, die sich obendrein um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern müssen. Zum Muttertag wünscht sie sich: „Dass die Mütter wieder zu Kräften kommen und dass ihre Leistungen in dieser Krise nicht in Vergessenheit geraten.“

Frauen leisten in Familien mehr als Männer

Studien belegen, wie sehr gerade Frauen im vergangenen Jahr unter Druck gerieten. Eine Ipsos-Umfrage aus dem Dezember ergab: In der Pandemie übernehmen nur in rund 15 Prozent der Familien die Männer die Kinderbetreuung und den Heimunterricht. „Die Pandemie macht uns deutlich, dass Mütter systemrelevant sind und es am Muttertag mehr braucht als einen Blumenstrauß“, stellen die ostfriesischen Gleichstellungsbeauftragten deshalb fest.

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Was sagen die Ostfriesen zu ihren Müttern?
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Unsere Redaktion hat zum Muttertag mit drei Müttern über die Belastungen in der Corona-Zeit gesprochen und sie nicht nur nach ihrem Wünschen für den kommenden Sonntag, sondern auch für die Zeit nach der Pandemie gefragt.

Krankenschwester wünscht sich Familienurlaub

Kirsten Saathoff, Mutter von drei Kindern, wünscht sich für den diesjährigen Muttertag vor allem schönes Wetter: „Eine Fahrradtour mit der Familie wäre schön“, sagt sie. Die Pandemie ist für die Krankenschwester eine turbulente Zeit. „Rückblickend ist es fast unmöglich, alle Herausforderungen zu beschreiben“, erklärt sie. Home-Office war für sie als Krankenschwester nicht möglich. „Ich arbeite im OP. Am Anfang der Pandemie gab es dort erstmal Stillstand, weil viele Operationen abgesagt wurden. Jetzt ist das Pensum dort wieder fast wie vor Corona“, so Saathoff. Ihre drei Kinder gehen alle auf verschiedene Schulen, das mache vieles komplizierter. Doch auch wenn die vergangene Zeit durch den vielen Unterrichtsausfall schwierig gewesen sei, sagt sie: „Wir schaffen das schon.“

Kirsten Saathoff möchte mit ihren Kindern (von links) Jan, Niels und Lea bald wieder reisen können. Foto: Rümmele
Kirsten Saathoff möchte mit ihren Kindern (von links) Jan, Niels und Lea bald wieder reisen können. Foto: Rümmele

Für den Muttertag im nächsten Jahr hat sie jetzt schon einen großen Wunsch. „Ich würde gerne mit der ganzen Familie meine Schwester in Australien wieder besuchen können“, sagt Saathoff.

Schwangerschaft in der Pandemie

Hanna Griese ist fünffache Mutter. Erst im März bekam die 32-jährige Zwillinge. „Die Schwangerschaft in der Corona-Zeit war anders, weil die Vorbereitungskurse ausgefallen sind“, sagt sie. „Der Kontakt zu anderen Müttern fehlt.“ Den Muttertag wolle sie in diesem Jahr mit ihren Mann und ihren Kindern zu einem richtigen Familientag machen. „Wir werden gemeinsam grillen und ein Eis essen gehen“, erklärt Griese.

Hanna Griese wurde im März Mutter von Zwillingen. In der Pandemie vermisst sie den Austausch zu anderen Müttern. Foto: Rümmele
Hanna Griese wurde im März Mutter von Zwillingen. In der Pandemie vermisst sie den Austausch zu anderen Müttern. Foto: Rümmele

Auch sie freut sich schon auf den Muttertag im nächsten Jahr: „Ich hoffe, dass wir dann wieder mehr unternehmen können. Zum Beispiel mal ins Kino gehen oder im Restaurant mit der Familie essen.“

Die Notbetreuung war die Rettung

Ana Jerkic hat sich eine Sache für den diesjährigen Muttertag fest vorgenommen. „Ich werde meine Mutter in Kroatien anrufen. Ich konnte sie wegen Corona schon anderthalb Jahre nicht mehr sehen“, erklärt die 34-Jährige.

Ana Jerkic denkt am Muttertag auch an ihre eigene Mutter, die sie schon lange nicht besuchen konnte. Foto: Rümmele
Ana Jerkic denkt am Muttertag auch an ihre eigene Mutter, die sie schon lange nicht besuchen konnte. Foto: Rümmele

Die Mutter einer fünfjährigen Tochter berichtet von den Herausforderungen in der Lockdown-Zeit: „Vor allem am Anfang, als die Kita geschlossen war, war es sehr schwierig.“ Sie und ihr Mann seien beide berufstätig und auf die Kinderbetreuung dringend angewiesen. „Wir haben auch keine Großeltern, die in der Nähe wohnen und uns helfen könnten“, sagt Jerkic. Die Rettung habe dann erst die Notbetreuung gebracht. „Aber auch für die Kinder ist es eine schwierige Zeit. Sie brauchen den Kontakt zu ihren Freunden“, betont sie.

Für den Muttertag 2022 hofft Jerkic auf einen Tag am Meer. „Ganz entspannt am Strand liegen - vielleicht sogar in Kroatien“, sagt sie lachend.

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