Umwelt

Emden befürchtet Folgen durch Chemiestaub aus Delfzijl

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 27.04.2021 15:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Möglicherweise wehen krebserregende Stäube aus einer Chemiefabrik in Delfzijl auf die andere Seite der Ems. Die Stadt Emden sieht auch einen Zusammenhang mit dem Gestank, über den oft geklagt wird.

Emden - Die Diskussionen über Belastungen durch die Chemie-Industrie im niederländischen Delfzijl für die deutsche Seite der Emsmündung reißen nicht ab. Entgegen ursprünglichen Aussagen befürchtet nun auch die Stadt Emden negative Folgen durch die Produktion des Stoffes Siliziumkarbid. Das geht aus einer Antwort des zuständigen Fachbereichs der Stadt auf eine Anfrage des Vorsitzenden der FDP-Fraktion im Rat, Erich Bolinius, hervor.

Siliziumkarbid - die chemische Formel lautet SiC - ist eine Verbindung aus Silizium und Kohlenstoff und gehört zur Gruppe der Carbide. Dieser Stoff wird unter anderem als Schleifmittel in der Mechanik, der Optik sowie zur Herstellung von Halbleitern für Solarzellen verwendet. In Delfzijl wird er bereits seit 1977 von dem Unternehmen ESD-SiC produziert. Im Fokus steht seit einiger Zeit das Herstellungsverfahren. In den Niederlanden geht es derzeit dafür um die Erneuerung der Genehmigung nach dem Umweltrecht.

Es kommt zu Explosionen

Laut der Stadt Emden kommt es bei der Produktion von Siliziumkarbid „mehrfach im Jahr zu unkontrollierten Explosionen, sogenannten Blazern, bei denen Stäube mit als krebserregend eingestuften SiC-Fasern viele 100 Meter in die Luft geschleudert und nach Erkenntnissen einer Studie je nach Windgeschwindigkeit wahrscheinlich mehr als 10 Kilometer weit in die Umgebung getragen werden“.

Deshalb hatte jüngst auch schon die Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland Alarm geschlagen. Ihrer Einschätzung nach ist die Verschmutzung durch die Blazer „deutlich gravierender als die Emissionen irgendeiner anderen Produktionsstätte im Industriegebiet bei Delfzijl“, so BI-Sprecherin Dr. Sandra Koch.

Stadt nimmt kritisch Stellung

Auch die Stadt Emden befürchtet jetzt negative Auswirkungen der Blazer auf die deutsche Seite der Ems. Vor einigen Wochen hatte ihr Sprecher Eduard Dinkela sich auf Nachfrage dieser Zeitung noch gegenteilig geäußert. Die Kommune hat in der Zwischenzeit eine kritische Stellungnahme zum Genehmigungsverfahren an die niederländische Provinz Groningen geschickt, die unserer Redaktion vorliegt.

Darin stellt die Emder Stadtverwaltung auch einen direkten Zusammenhang des Produktionsverfahrens von ESD-SiC in Delfzijl mit „auffällig vielen Berichten“ aus den westlichen Stadtteilen Wybelsum, Twixlum, Larrelt und Logumer Vorwerk über starke und unangenehme Gerüche nach einem Gemisch aus Mineralöl und Schwefel her. Der Gestank könne eine Folge der sogenannten Blazer sein, heißt es. Die Emder Feuerwehr sei über die Jahre auch mehrfach zu Gasmessungen an die Ems ausgerückt und habe festgestellt, dass die Quelle der Geruchsbelästigungen aufgrund der Windrichtung auf der niederländischen Ems sein musste.

FDP reichen Forderungen nicht

„Es kann vermutet werden, dass die Explosionen auch die Ursache für die Geruchsbelästigungen waren“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt weiter. Ein Transport von SiC-Fasern über die Luft könne nämlich ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Die Folgen von „Blazern“ hätte deshalb auf beiden Seiten der Grenze untersucht werden müssen, meint die Stadt. Sie fordert deshalb von den niederländischen Behörden, künftig bei ähnlichen Verfahren über die Sachverhalte besser informiert zu werden und im weiteren Verfahren alle Unterlagen in deutscher Übersetzung zu bekommen.

Erich Bolinius reicht das aber nicht. Nach Auffassung des FDP-Politikers soll die Stadt darauf bestehen, dass bei der Firma ESD-SiC Maßnahmen ergriffen werden, die solche Explosionen zukünftig ausschließen.

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