Serie: Leckerst un Best
Trend zu Milchtanke: Bessere Preise durch Direktvermarktung
Landwirt Steffen Hinrichs will für seine Töchter vorsorgen. Damit der Milchviehbetrieb in Hesel auch in Zukunft für die Familien reicht, hat er eine Milchtankstelle eingerichtet.
Milchtankstellen dürfen nur in direkter Nähe des produzierenden Milchbetriebs errichtet werden, erklärt Landwirt Steffen Hinrichs. Täglich werden die rund 100 Kühe auf seinem Hof in Hesel frisch gemolken. Die etwa 37 Grad warme Milch wird dann in einem Milchtank innerhalb von zwei Stunden auf etwa vier Grad runtergekühlt. In der Zeit werden die Kühe gefüttert und auch Familie Hinrichs nimmt ihr Frühstück ein. Die kühle Milch wird in den täglich gereinigten 100-Liter-Bottich des Milchautomaten gefüllt. Alle zehn Minuten wird die Milch darin umgerührt, damit sich keine Sahne bildet. Kunden können rund um die Uhr in die Verkaufshütte kommen. Sie kaufen sich eine Flasche vor Ort oder bringen ihre eigene mit. Das Geld wird in den Automaten geworfen - ein Liter kostet ein Euro -, die Flasche kommt unter den Zapfhahn und man drückt so lange den Knopf, bis die Flasche voll ist. Weil es sich um Rohmilch handelt, ist der Fettanteil höher als bei Milch im Supermarkt. Er beträgt 4,6 Prozent. Auch sollte die Milch vor Verzehr gut abgekocht werden, um mögliche Keime abzutöten, die eine Durchfallerkrankung auslösen könnten. Weil die Milch nicht homogenisiert wurde, ist sie unter Umständen weniger langer haltbar als Supermarkt-Milch und sollte stets gut gekühlt werden. In ganz Ostfriesland gibt es Milchtankstellen - etwa in Filsum und Westoverledingen im Landkreis Leer, in Südbrookmerland, Ihlow oder Hinte im Landkreis Aurich, in Friedeburg im Landkreis Wittmund und im Emder Stadtteil Uphusen. Die Ostfriesland Tourismus GmbH hat ein paar gesammelt - hier.So funktioniert eine Milchtankstelle
Drei Gründe für eine Milchtankstelle
Eine Milchtankstelle einzurichten, ist nicht günstig. Ein Automat kostet mal locker 15.000 Euro, die Holzhütte 4000 und dazu kommen noch der Strom- und Wasserverbrauch sowie Überwachungskameras, rechnet Hinrichs vor. Rund 50.000 Euro habe er insgesamt investiert. „Es braucht Jahre, bis wir das wieder raushaben.“ Dass er sich mit seiner Frau Christa für diesen „Sprung ins kalte Wasser“ entschieden hat, hat drei Gründe. Damit der Hof auch für die drei Töchter - zwei sind schon in der Landwirtschaftslehre - und deren spätere Familien genug Geld abwirft, sahen sie angesichts eines immer mal wieder sinkenden Milchpreises die Notwendigkeit, den Wert ihres Produkts zu steigern. Denn: Bei der Direktvermarktung der Milch über die Tankstelle kann der Landwirt den Preis selbst festlegen. Liegt der Literpreis, den Molkereien zahlen, bei knapp über 30 Cent, so nimmt Steffen Hinrichs auf seinem Hof einen Euro pro Liter Rohmilch. 2015, als der Milchpreis unter 30 Cent fiel, habe er sich dann entschieden, nicht auf einen größeren Betrieb zu setzen, um die Krise zu meistern. „Das wäre mit den Familienkräften nicht zu schaffen“, sagt er. Stattdessen blieb es bei den 100 Kühen - und dem Traum der eigenen Milchtanke, der dann drei Jahre später wahr wurde.
Auch will Hinrichs sich in den „Landvergnügen“-Wohnmobil-Reiseführer eintragen lassen und drei Stellplätze bereit halten. Bei dem Konzept, bei dem bundesweit mehr als tausend Bauernhöfe mitmachen, können Wohnmobilisten für eine Nacht bei einem Betrieb stehen und diesen dabei auch ein bisschen kennenlernen. Der Besucher-Unterstand wie auch die Stellplätze ziehen natürlich auch darauf ab, dass mehr Produkte auf dem Hof gekauft werden.