Stadtentwicklung
Kruithoff will „radikalen Wandel“ der Emder Innenstadt
Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff hat klare Vorstellungen, wie die Innenstadt in Zukunft aussehen soll. In einem Gespräch mit unserer Redaktion nannte er einige konkrete Punkte.
Emden - Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) macht Ernst: Er will in diesem Jahr einen „radikalen Wandel der Innenstadt“ einleiten und dazu bis Juni erste Konzepte für den Verkehr, die Parkplatzbewirtschaftung und mehr Aufenthaltsqualität vorlegen, an denen mehrere Akteure aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Verwaltung bereits seit geraumer Zeit mitwirken. „Wir bauen jetzt unsere Stadt für die nächsten 10 bis 15 Jahre“, sagte er bei einem Jahresausblick im Gespräch mit unserer Redaktion.
Der Oberbürgermeister will Emden neu ausrichten und der Stadt als „Erlebnissstadt“ auch einen neuen Markenkern geben. Konkret im Blick hat er dabei unter anderem die Kultur mit den Museen und Museumsschiffen, die alle im Zentrum dicht beieinander lägen und innerhalb weniger Minuten zu Fuß zu erreichen seien. Ihre Angebote könnten zu einem „Museumsquartier“ verknüpft werden, wie es bei der jährlichen Museumsnacht schon punktuell praktiziert werde. „Mehr Leben“ wünscht sich Kruithoff auch für den Delft und dessen Wasserfläche. „Da gehören zum Beispiel Stand-up-Paddling und eine Strandbar hin“, sagt er.
Kern der Innenstadt verkehrsberuhigt?
Eng verknüpft mit solchen Überlegungen ist das Thema Verkehr: Dabei richtet der Verwaltungschef sein Augenmerk auf die Neutorstraße, den Rathausplatz und die Straße Am Delft, die den Kern der Innenstadt bilden. Nach seinen Vorstellungen könnte dieser gesamte Bereich so gestaltet werden, dass Fußgänger und Radfahrer dort Vorrang haben und der Individualverkehr herausgehalten wird. Denn angesichts der Ziele der Stadt, den Klimaschutz voranzutreiben und den Anteil des Radverkehrs auf 40 Prozent auszubauen, sei es kontraproduktiv, zugleich den Autoverkehr zu fördern.
„Das große Rad drehen“
„Die Corona-Pandemie wirkt als Brandbeschleuniger für den notwendigen Wandel der Innenstadt“, meint der Rathauschef. Er hat ebenso wie Innenstadt-Koordinatorin Martje Merten wiederholt betont, dass der Einzelhandel künftig nicht mehr die Hauptrolle spielen wird.
Für Kruithoff ist der Zeitpunkt gekommen, „nicht mehr nur an vielen kleinen Stellschrauben, sondern das große Rad zu drehen“. Alle Akteure in der Innenstadt müssten dabei zusammenarbeiten.
Themen werden parallel angegangen
Einzelhändler, Gastronomen, Kulturschaffende, Immobilienbesitzer und Politiker haben bereits in getrennten Workshops Ideen gesammelt, die in den Masterplan Innenstadt einfließen sollen - ein Schlagwort, das Kruithoff bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst 2019 ins Spiel gebracht hatte. Die Federführung bei diesem Projekt hat Martje Merten, die ebenfalls seit 2019 im Amt ist und auf die Kruithoff große Stücke hält.
Eigentlich, sagt der Oberbürgermeister, fehle Emden ein umfassendes Innenstadtkonzept, dass alle Bereiche - also auch den Verkehr umfasse. Aber weil Corona die Planungen ausgebremst habe und die Zeit dränge, wolle man die Themen jetzt parallel angehen. Noch innerhalb der ersten sechs Monate dieses Jahres soll es auch erste konkrete Vorschläge für ein Verkehrskonzept geben. Mittelfristiges Ziel des Oberbürgermeisters für die künftige Parkraum-Bewirtschaftung ist es, jeweils an den Eingängen zur Innenstadt aus allen vier Himmelsrichtungen Parkhäuser entstehen zu lassen, um den Autoverkehr so weit wie möglich aus der Innenstadt herauszuhalten. Die einzelnen Gebiete innerhalb des Wallrings sollen dann nur noch dem Anliegerparken vorbehalten bleiben.