Schwierige Entscheidung

Sanierung viel teurer, aber die Borssumer wollen ihr Freibad

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 02.11.2020 19:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Die Sanierung des Freibads im Emder Ortsteil Borssum soll viel teurer werden. Waren anfangs 2,1 Millionen Euro angedacht, kommen jetzt wohl mindestens 1,2 Millionen dazu. Eine kleine Umfrage ergibt: Die Borssumer wollen ihr Bad trotzdem.

Emden - Wer die Schuld an der plötzlich viel teureren Sanierung hat, ist noch unklar. Fakt ist: Die Sanierung des Freibads im Emder Stadtteil Borssum wird deutlich teurer. Statt zuvor 2,1 Millionen Euro soll die Wiederherstellung der Freizeiteinrichtung nun mindestens 1,2 Millionen Euro mehr kosten. Die Wasseraufbereitungslage ist mangelhaft und muss komplett erneuert werden. Eigentlich hätte das Bad in der Saison 2022 eröffnen sollen. Das ist jetzt in weite Ferne gerückt. Die Borssumer wollen für den Fehler anderer nicht hinhalten, wie eine Umfrage in dem Ortsteil ergibt.

„Wo sollen die Kinder denn sonst hin?“, regt eine Borssumerin an, die ihren Namen nicht nennt. Freizeitalternativen seien für die Jüngsten, die in dem Stadtteil einen besonders großen Anteil ausmachen, gering. „Im Sommer schwimmen sie im Kanal, das ist gefährlich“, sagt sie. „Als Mutter mit drei Kindern hatte ich sonst immer Saisonkarten“, sagt Tanja Jädicke. Dass das Bad wieder öffnet, sei sehr wichtig für sie. „Auch für die älteren Leute“, betont sie. Für diese sei das Freibad unter anderem ein wichtiger Treffpunkt gewesen. „Das mit der Technik hätten sie wissen müssen“, sagt ein Borssumer kopfschüttelnd. „Auf jeden Fall sollte das Geld investiert werden – das Bad ist wichtig für die Jugend, den Sport und auch den Schulsport“, betont er, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Schwimmverein ist auf Bad angewiesen

„Als Privatperson kann man sich solche Summen ja gar nicht vorstellen“, wendet Bianca Kleemann ein. Sie wolle, dass das Bad saniert und wieder geöffnet werde, aber die Stadt habe nun eine schwierige Entscheidung zu treffen. „Wenn das Geld beim Freibad eingesetzt wird, fehlt es dann an anderer Stelle?“, regt ein anderer Borssumer ein, der anonym bleiben will. Die Stadt müsse schon schauen, dass die Waage gehalten werden – und andere Sportvereine dafür etwa nicht leiden müssten. „Ich plädiere dafür, dass sowohl das Freibad in Borssum als auch das Van-Ameren-Bad geschlossen wird, um ein völlig neues Bad zu bauen“, bringt Wilhelm Erdwiens eine neue Meinung ins Spiel. An zentraler Stelle sollte ein modernes, allen Ansprüchen genügendes Bad für alle entstehen.

Für den Emder Schwimmverein Neptun ist die Hiobsbotschaft über die noch teurere Sanierung ein „herber Schlag“, sagt Vereinsvorsitzender Matthias Drüner auf Nachfrage. Vor der Schließung des Bades im Jahr 2017 hatte der Verein auf der 50-Meter-Bahn trainiert. Auch „hochkarätige Wettkämpfe“ seien dort ausgetragen worden. Seit der Schließung müssten sie auf die Friesentherme ausweichen, deren Bahn nur 25 Meter lang ist. Das zweite Emder Freibad – das Van-Ameren-Bad – sei durch den normalen Besucherstrom so ausgelastet, dass ein Schwimmtraining dort nicht möglich wäre. „Es wäre richtig, die Sanierung weiterzuverfolgen“, sagt Drüner.

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