Finanzen
Emden: Bad-Sanierung in Borssum droht das Aus
Die Sanierung des maroden und gesperrten Borssumer Freibads wird noch einmal deutlich teurer - ein Gutachten brachte neue Millionen-Kosten ans Licht. Jetzt muss die Politik entscheiden. Aber wer trägt die Schuld?
Emden - Die Sanierung des Borssumer Freibades wird immer mehr zur Zerreißprobe. Ein neues Gutachten zeigt, dass die Kosten um mindestens 1,2 Millionen Euro steigen. Bislang waren für die Wiederherstellung der seit fast vier Jahren gesperrten Freizeitstätte rund 2,1 Millionen Euro kalkuliert worden. Nun wurde bekannt, dass auch die gesamte Anlage zur Wasseraufbereitung im Schwimmbad erneuert werden muss. Sie war in den Planungen nicht berücksichtigt worden. Der angepeilten Wiedereröffnung im Mai 2022 droht das Aus.
In einer eilig einberufenen Pressekonferenz erklärte die Stadt am Mittwoch, nach wie vor an diesem Termin festhalten zu wollen. „Die Eröffnung soll definitiv 2022 stattfinden“, sagte der Fachdienstleiter Schule und Sport, Michael Groeneveld. Die Verwaltung um den parteilosen Oberbürgermeister Tim Kruithoff hofft dafür auf Unterstützung aus Berlin. Sie will noch in dieser Woche einen weiteren Förderantrag beim Bund stellen. Selbst im Fall einer Zusage würde der Eigenanteil für Emden auf mehr als 1,5 Millionen Euro anschwellen.
Die Politik muss jetzt entscheiden
Die Politik steht vor einer sehr schwierigen Entscheidung: In der Sitzung des Sportausschusses des Emder Rates am nächsten Mittwoch sollen die Fraktionen beschließen, ob und wie es für das Borssumer Freibad weitergeht. Von der Kostenexplosion und dem Vorgehen der Verwaltung fühlen sich viele offenbar überrumpelt. „Ich kenne weder die Zahlen noch die Fakten“, ärgert sich der Fraktionsvorsitzende der CDU, Helmut Bongartz. Ob die Fraktionen bereit sind, zusätzliches Geld für das immer teurer werdende Bad aufzubringen, ist offen. „Ich weiß nicht, woher wir es nehmen wollen. Der OB hat schließlich auch keine Druckmaschine im Keller“, sagt Jochen Eichhorn von der GfE-Fraktion.
In der Vergangenheit hatte der Rat sich mehrheitlich für die Komplettsanierung ausgesprochen. Mittlerweile steht das Projekt aber unter deutlich veränderten Vorzeichen. Zum einen fehlen der Stadt im Zuge der Corona-Belastung dringend benötigte Gewerbesteuereinnahmen – die wirtschaftlichen Voraussetzungen für Kommunen haben sich dieses Jahr dramatisch verschlechtert. Zum anderen glaubt kaum noch jemand, dass es bei den neu genannten Kosten bleibt. „Alle Daten basieren auf der Faktenlage von 2017“, gibt Bongartz zu bedenken. In der Zwischenzeit haben sich die Material- und Handwerkerpreise massiv verteuert. Zudem sind Unbekannte ins Bad eingedrungen und haben kostspielige Schäden hinterlassen.
Das Bad wird zum PR-Desaster
Unterdessen ist ein offener Streit über die Schuldfrage für die schwer zu vermittelnde Kostenexplosion ausgebrochen: Tim Kruithoff schiebt die Verantwortung dem Geschäftsführer der stadteigenen Wirtschaftsbetriebe, Manfred Ackermann, und der Betriebsleiterin des Bades, Stefanie Victoria Müller, zu. Er wirft beiden namentlich vor, die Stadt nicht über die mangelhafte Wasseraufbereitungsanlage informiert zu haben. „Man hat uns immer wieder bestätigt, dass die Technik funktioniert. Ich hätte einen klaren Hinweis erwartet, welche Risiken es noch gibt“, sagt er. Dazu muss man wissen, dass das Bad in Borssum der Stadt gehört, die Wirtschaftsbetriebe es gepachtet haben und der Betrieb über eine weitere Gesellschaft läuft. Am Mittwoch setzte sich Ackermann gegen den Vorwurf zur Wehr. In einem Schreiben verweist er darauf, dass die Technik bei einem Gutachten vom Februar 2017 untersucht worden sei. „Die Verantwortung für den Zustand des Bades trägt nach wie vor die Stadt. Dies ist Herrn OB Kruithoff, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsbetriebe ist, sicherlich bekannt“, teilte er mit. Jegliche Verschlechterungen des technischen Zustandes der Wasseraufbereitungsanlage in der Zeit seit 2017 seien auch deshalb dem Badeigentümer zuzurechnen.