Emden
Waldbestattung soll bald auch in Emden möglich sein
Nach Leer und Hage hat auch Emden Interesse an einem Bestattungswald. Allein der Wald fehlt. An diesem Dienstag diskutiert der zuständige Ausschuss das Thema.
Emden - Begraben unter Bäumen: Auch in Emden soll das bald möglich sein. Die FDP hatte schon im Februar einen Antrag an die Stadt gestellt. Die wollte erst einmal prüfen, ob in der Stadt überhaupt ein Bestattungswald begründet werden kann. An diesem Dienstag wird im Ausschuss des Bau- und Entsorgungsbetriebs Emden (BEE) darüber abgestimmt. Im Gespräch für Begräbnisse ist der Emder Stadtwald – das birgt aber Probleme.
Bei einer Waldbestattung wird die Asche der Verstorbenen in biologisch abbaubaren Urnen zwischen den Wurzeln von Bäumen in die Erde eingelassen. Mehrere Urnen finden so unter einem Baum Platz. Auch eine Namensplakette an dem Baumstamm ist möglich, um an die Verstorbenen zu erinnern. In Emden aber gibt es – anders als Leer oder Hage, wo bereits Gedächtniswälder entstanden sind – keine Wälder. Es könnte die aufgeforstete mehr als 70 Hektar große Fläche in Harsweg, die als Stadtwald bekannt ist, für eine Baumbestattung infrage kommen, so die Stadt. Der Stadtwald aber wird forstwirtschaftlich genutzt. So stelle sich für den Friedhofsträger die Frage, „inwieweit sich auf dieser Fläche bereits geeignete und ansehnliche Baumbestattungsplätze entwickelt haben“. Ein neu angelegter Bestattungswald würde erst in 30 bis 40 Jahren genutzt werden können.
Stadtwald oder Friedhof Tholenswehr?
Auch würde angesichts der klammen Stadtkasse die Errichtung eines zusätzlichen Friedhofes „mit hohen Planungs- sowie Unterhaltungskosten“ einhergehen. Wäre der Bestattungswald in städtischer Hand, müsste die Stadt dafür aufkommen. Dadurch, dass sich mehr Menschen unter Bäumen bestatten lassen würden, könnten Freiflächen auf den bestehenden Friedhöfen entstehen. Auch die müssten ebenfalls weiterhin gepflegt und unterhalten werden. Der Vorschlag des Friedhofsträgers: bereits bestehende Ressourcen nutzen oder diese entsprechend weiterentwickeln.
Auf dem größten Friedhof Emdens – dem in Tholenswehr – gebe es alte Baumbestände mit etwa Linden und Platanen. Schon seit Ende 2019 würden diese für den Zweck geprüft. Auf dem alten Teil des Friedhofs befände sich außerdem eine Rahmenbepflanzung mit ansehnlichen Baumbestattungsplätze, „die zeitnah genutzt werden könnten“, heißt es. „Auf dieser Fläche befindet sich ein alter Baumbestand von 12 Winterlinden mit einem Stammumfang von 160 bis 230, welche sich für Baumbestattungen anbieten.“
Wie läuft es in Leer?
Auch in Emden geht der Trend zur Urnenbestattung. Im Schnitt gibt es 85 Erd- und um die 250 Urnenbestattungen. Der Grund: Ein Urnengrab kostet weniger und nimmt auch weniger Pflegezeit in Anspruch. Deutschlandweit gebe es mittlerweile 160 Bestattungswälder, so Henning Meyer von der FDP-Fraktion. „Die Natur, die ruhige Atmosphäre und der Wechsel der Jahreszeiten zeichnen eine Waldbestattung aus und sollen Hinterbliebenen Trost spenden.“ Laut Henning Meyer belaufen sich die Kosten für eine Waldbestattung auf etwa 3300 Euro – deutlich günstiger als eine herkömmliche Bestattung, so das Argument.
Die Nachfrage etwa in Leer, wo es erst seit dem vergangenen Jahr im August einen Gedächtniswald in Logabirum gibt, sei groß, sagt Christoph Cordes. Er ist Ansprechpartner für alle möglichen Fragen zum Wald. Etwa 1000 Führungen habe es durch die Ruhestätte schon gegeben. Interessierte könnten sich so schon vorher einen Baum ausgucken. Mehr als 100 Bestattungen habe es schon gegeben. Und: Deutlich mehr hätten sich schon die Nutzungsrechte an einem Baum gesichert, ihre Ruhestätte also schon reserviert.