Sydney Nach tödlichen Haiangriffen: Mit diesen Methoden will Australien Touristen schützen
Nach einer Welle tödlicher Haiangriffe – darunter der Tod einer Schweizer Touristin – rüsten Australiens Surfclubs auf. Entlang der Ostküste im Bundesstaat New South Wales werden nun mehr als 120 Notfallkits installiert. Doch reicht das?
Es war ein Morgen an der australischen Ostküste, als der Bullenhai zubiss. Eine 25-jährige Schweizerin und ihr Partner schwammen am abgelegenen Kylies Beach in der Crowdy Bay, rund vier Autostunden nördlich von Sydney.
Die junge Frau starb noch am Strand. Ihr Freund überlebte, weil eine zufällig anwesende Zeugin auf telefonische Anweisung eines Sanitäters ein Tourniquet anlegte und so die Blutung stoppte.
Der Vorfall im November 2025 war kein Einzelfall. Im Januar 2026 wurden innerhalb von 48 Stunden vier Haiangriffe an der Küste von New South Wales registriert. Ein zwölfjähriger Junge wurde im Sydney Harbour von einem Bullenhai attackiert und getötet. Nur wenige Stunden später verlor ein 27-jähriger Surfer nach einem Angriff am Manly Beach sein rechtes Unterbein. Mitsurfer zogen ihn an Land, während Passanten versuchten, die Blutung zu stoppen. Zwei weitere Angriffe gingen glimpflich aus.
Die Wasserrettungsorganisation Surf Life Saving NSW reagiert nun mit einer konkreten Maßnahme auf die Vorfälle: An mehr als 120 Surfclubs entlang der Küste werden sogenannte „Shark Bite Trauma Kits“ installiert – öffentlich zugänglich, rund um die Uhr.
„Bei einem Haiangriff ist es der Blutverlust, der wirklich tödlich sein kann“, sagte Lachlan Pike, Präsident des Dee Why Surf Life Saving Club, gegenüber dem „Manly Observer“. „Wenn wir ihn mit einem Tourniquet stoppen können, erhöhen wir die Überlebenschancen erheblich.“ Die Kits, die bislang nur vereinzelt verfügbar waren, enthalten Wundverbände, ein Tourniquet und Schritt-für-Schritt-Anleitungen.
Die Notfallkits sind nur ein Baustein. Australien setzt auf eine Kombination aus technischen, personellen und präventiven Maßnahmen, insbesondere in den Bundesstaaten New South Wales, Queensland und Western Australia.
An stark frequentierten Stränden wie Bondi oder Surfers Paradise gehören Hainetze seit Jahrzehnten zum Standard. Die Netze stehen jedoch wegen Beifangs von Schildkröten und Delfinen in der Kritik.
Drohnen patrouillieren die Küsten, erkennen Haie und warnen Badegäste. Allein in New South Wales wurden im vergangenen Sommer laut lokalen Medienberichten mehr als 1000 Haie gesichtet. Hinzu kommen digitale Warnsysteme: Getaggte Tiere senden Signale an Apps wie „Shark Smart“, die Nutzer über die Nähe von Haien informieren.
Nach Sichtungen werden Strände oft für 24 bis 48 Stunden gesperrt. Elektronische Bojen und Trommelleinen können zusätzlich Alarme auslösen. Rettungsschwimmer überwachen die Strände zwischen den rot-gelben Flaggen.
Bullenhaie, die mutmaßlich für die Angriffe in den vergangenen Monaten verantwortlich waren, gelten als besonders anpassungsfähig und können auch in Brack- und Süßwasser überleben. Steigende Meerestemperaturen könnten dazu beitragen, dass sie länger in flachen Küstengewässern bleiben. Starke Regenfälle spülen zudem Nährstoffe ins Meer, ziehen Köderfische an – und damit auch Haie.
Die Parasitologin Shokoofeh Shamsi von der Charles Sturt University weist auf ein weiteres Risiko hin: Schadstoffe, Pestizide und sogar der Katzenkot-Parasit Toxoplasma gondii könnten über Abwässer ins Meer gelangen und das Verhalten von Haien beeinflussen – etwa ihre Risikobereitschaft erhöhen und Hemmschwellen senken. „Das Muster ist klar“, schreibt Shamsi in einem wissenschaftlichen Artikel zum Thema – auch wenn die Forschung noch am Anfang steht.