Düsseldorf Gewalt gegen Geld: Anwerbung von Jugendlichen bereitet NRW-Polizei Sorge
Die Zahl der Fälle, in denen Jugendliche für Gewalttaten bezahlt werden, nimmt in NRW zu – und alarmiert die Polizei und die Politik.
Die Anwerbung von Jugendlichen für Straftaten der Organisierten Kriminalität bereitet der NRW-Polizei wachsende Sorgen. „Neuartig im Kontext von ‚Violence-as-a-Service‘ ist die Anwerbung meist minderjähriger oder junger Täter über Online-Plattformen oder Messengerdienste mit dem Ziel, dass diese Straftaten gegen Vorteile, meist Bezahlung, ausführen“, heißt es in einem aktuellen Bericht von Innenminister Herbert Reul (CDU) an den Innenausschuss des Landtags. Im vergangenen Jahr seien beim Landeskriminalamt 61 Fälle aktenkundig geworden, im laufenden Jahr bis Ende März bereits 25.
Als „Violence-as-a-Service“ bezeichnet man die Strategie der Organisierten Kriminalität, für Drohungen und Gewalttaten gezielt bis dahin Unbeteiligte zu bezahlen. Das erschwert die Strafverfolgung deutlich. Die Rekrutierung der jungen Leute erfolgt meist anonym über Vermittler in sozialen Netzwerken, während die Auftraggeber der kriminellen „Dienstleistung“ nicht in Erscheinung treten.
In NRW seien Straftaten dieses Phänomenbereichs erstmals Mitte 2024 in den kriminalpolizeilichen Fokus gerückt, berichtete Reul. Bei Ermittlungen des Polizeipräsidiums Köln gegen den organisierten internationalen Rauschgifthandel seien diese „bestellten“ Straftaten aufgefallen. Die ausführenden Täter waren dabei junge Männer im Alter von 15 bis 25 Jahren, vorwiegend aus den Niederlanden.
Reul betonte die enge und gute Zusammenarbeit mit der niederländischen Polizei. Dennoch sei die Präventionsarbeit auch in NRW verstärkt worden. So informiere das LKA vor allem Eltern und Fachkräfte mit Hinweisen, wie junge Menschen im Zuge des Modells „Violence-as-a-Service“ für Straftaten angeworben werden. Ermittler berichteten immer wieder, dass Minderjährige häufig schon für wenige Euro oder eine neue Playstation zur Begehung schwerster Straftaten angestiftet würden.
Hinweise auf „Violence-as-a-Service“ gibt es nicht nur rund um den sogenannten „Kölner Drogenkrieg“ und die berüchtigte Mocro-Mafia. Die Europäische Polizeibehörde Europol beobachtet ebenfalls schon länger, wie die Manipulierbarkeit von Heranwachsenden von der Organisierten Kriminalität ausgenutzt wird, um eine Distanz zwischen Tatausführung und Tatplanung zu bringen.
Erst im März sorgte am Frankfurter Landgericht ein Prozess gegen einen 15-jährigen Niederländer für Aufsehen. Der Jugendliche wurde zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt, weil er im vergangenen Sommer einen Sprengsatz in ein Frankfurter Café geworfen hatte. Er war offenbar über das soziale Netzwerk „Snapchat“ angesprochen, mit Bombenmaterial versorgt und nach Deutschland gefahren worden. Ihm sollen 3000 Euro in Aussicht gestellt worden sein.