Paris Halbfinal-Wahnsinn: Bayern und Paris mit Tor-Spektakel – Münchner verhindern Katastrophe
Der FC Bayern liefert sich mit Paris Saint-Germain ein Weltklasse-Duell. Die Defensiven zeigen sich anfällig, doch die Offensiven glänzen.
Was für ein Spektakel: Der FC Bayern hat sich mit Paris Saint-Germain ein Duell auf Augenhöhe geliefert, dabei aber knapp den Kürzeren gezogen. Das Team von Vincent Kompany, der das Spiel gesperrt auf der Tribüne verfolgen muss, verlor das Halbfinalhinspiel der Champions League im Pariser Prinzenpark mit 4:5 (2:3).
Zwischenzeitlich stand es sogar 2:5 aus Münchner Sicht. Dieses Ergebnis wäre eine sportlichen Katastrophe gleichgekommen, doch eine Aufholjagd des deutschen Rekordmeisters verhinderte Schlimmeres und verbesserte die Ausgangsposition für das Rückspiel am kommenden Mittwoch in München deutlich. Bayern und Paris stellten nebenbei einen neuen Rekord auf. Das 5:4 aus Sicht der Pariser war das torreichste Halbfinale in der Champions-League-Geschichte.
Es war ein monumentales Fußballspiel, das auf dem Platz geboten wurde. Rauf und runter ging es - ohne Ruhemomente. Zweikämpfe, Dribblings, Elfmeter - und Tore, Tore, Tore. Harry Kane hatte die Münchner in der 17. Minute in Führung gebracht. Der Engländer verwandelte einen Strafstoß, zuvor war Diaz gefoult worden. Doch Khvicha Kvaratskhelia (24.) und Joao Neves (33.) drehten die Partie für die Franzosen. Michael Olise glich nur drei Minuten später aus.
Ein Handspiel von Alphonso Davies sorgte dann in der Nachspielzeit der ersten Hälfte für einen Strafstoß für PSG. Ousmané Dembélé verwandelte eiskalt.
Nach der Pause schockten Kvaratskhelia (56.) und Dembélé (58.) die Münchner mit einem Doppelschlag zum zwischenzeitlichen 2:5 aus Münchner Sicht. Doch Dayot Upamecano und Luis Diaz stellten innerhalb von zehn Minuten auf 4:5. Beide Teams hätten in dem rasanten Schlagabtausch mit höchster Geschwindigkeit sogar noch mehr Tore schießen können. Die Offensivreihen dominierten die Abwehrreihen inklusive der beiden Torhüter.
„So ein Spiel habe ich noch nie gesehen. Das war wilder Westen, das kann auch 9:9 ausgehen“, schwärmte Experte und Weltmeister Christoph Kramer nach dem Spiel bei Prime Video. Im Halbfinal-Rückspiel am Mittwoch kommender Woche müssen die Bayern in der heimischen Allianz Arena trotzdem ganz groß aufspielen, um den Titelverteidiger zu entthronen. Dann darf auch Kompany wieder unten am Spielfeldrand stehen. Das Finale am 30. Mai in Budapest ist für die mit großer Moral auftretenden Münchner Triple-Jäger weiter in Reichweite.
Bis zur Ankunft im Stadion waren die Abläufe des Bayern-Trosses wie immer gewesen. Kompany hielt auch noch die Abschlussbesprechung im Teamhotel, bevor er im Prinzenpark von seinem Team getrennt wurde. Sein Zuschauerplatz im 50. Saison-Pflichtspiel des deutschen Meisters war oben auf der Tribüne an einem Tisch. Der Belgier durchlief ein Wechselbad der Gefühle.
„Vincent ist mit dem Herzen dabei - und wir spielen natürlich auch für ihn“, hatte Kapitän Manuel Neuer nach der Ankunft im Parc des Princes bei Prime Video gesagt. Das lautstarke Kommando am Spielfeldrand übernahm derweil Kompanys erster Assistent Aaron Danks.
„Danksy hat schon Erfahrung. Ich habe 100 Prozent Vertrauen in unseren Staff“, hatte Kompany gesagt. Verkleidet hatte sich der 42-jährige Engländer nicht, er trug keinen feinen Anzug, sondern stand im Trainingsanzug in der Coaching Zone.
Aufstellung, Taktik, Marschroute lagen ohnehin weitgehend auf der Hand. Wobei die Münchner Startelf eine Überraschung beinhaltete: Der extrem schnelle Alphonso Davies verteidigte links anstelle von Konrad Laimer. Dem Kanadier unterlief das unglückliche Handspiel, das zum Elfmeter führte.
Als Münchner Blaupause galt das nach einer Roten Karte für Doppeltorschütze Luis Díaz in Unterzahl erkämpfte 2:1 in der Ligaphase Anfang November. Mutig sein, aktiv sein, widerstandsfähig sein - darum ging es erneut in Paris.
„Wir kämpfen um den Titel, den PSG letztes Jahr erreicht hat“, hatte Kompany bei der Pressekonferenz am Vorabend zur Zielsetzung gesagt. Und Paris gelang der Königsklassen-Triumph 2025 bekanntlich in München - mit einem 5:0 gegen Inter Mailand, das wiederum die Bayern im Viertelfinale bezwungen hatte.
„Bei PSG ist es wie ein Sturm, der auf einen zukommt“, hatte Kompany angesichts der Pariser Offensiv-Asse um Dembélé, den jungen Desiré Doué und Kvaratskhelia gemahnt. Er sollte Recht behalten. Die PSG-Stars waren kaum zu stoppen. Fast wäre Senny Mayulu (87.) noch das 6:4 gelungen, als er den Ball an die Latte drosch.
Aber auch die Bayern-Offensive lieferte. Der starke Díaz traf wieder doppelt, Olise zeigte großartige Dribblings und traf wunderbar. Einmal landete der Ball nach einem tollen Solo des Franzosen am Pfosten. Und auch Kane traf – eiskalt vom Punkt. Alle Fußballfans dürfen sich auf ein großes Rückspiel freuen.