Berlin  „Immer wieder sonntags“ abgesetzt: Was bedeutet das für den Schlager?

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 27.04.2026 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
„Immer wieder sonntags“ wird abgeschafft: Moderator Stefan Mross dürfte dem Fernsehen aber erhalten bleiben. Foto: SWR/Wolfgang Breiteneicher
„Immer wieder sonntags“ wird abgeschafft: Moderator Stefan Mross dürfte dem Fernsehen aber erhalten bleiben. Foto: SWR/Wolfgang Breiteneicher
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Die ARD streicht die Schlager-Shows von Stefan Mross und Beatrice Egli. Margot Hellwig sieht im Aus von „Immer wieder sonntags“ eine brisante Fehlentwicklung. Hat sie recht?

Wenn Klassiker aus dem Fernsehprogramm verschwinden, ist es fast, als würde man einen Freund verlieren. Beim Aus der „Lindenstraße“ litten auch Zuschauer, die seit Jahren nicht mehr zugeguckt hatten. Und egal, wie oft „Wetten, dass ..?“ noch abgesetzt und wieder reanimiert wird – jedes neue Ende tut weh.

Nun hat es auch die Musikformate „Immer wieder sonntags“ und die „Beatrice Egli Show“ getroffen. Und wenn es nach dem Schlager-Urgestein Margot Hellwig geht, steht diesmal mehr auf dem Spiel. In der Münchner „Abendzeitung“ sieht sie die Existenzgrundlage von Moderator Stefan Mross bedroht. Und vielleicht sogar die des ganzen Genres: Denn ohne Schlagershows, meint die 84-Jährige, könnten die Stars von morgen sich dem Publikum nicht mehr bekannt machen.

Dass Stefan Mross seine Trompete demnächst in der Fußgängerzone spielen muss, steht aber wohl nicht zu befürchten. Zu den Vorwürfen gegen die Öffentlich-Rechtlichen gehört ja nicht nur die Vernachlässigung des Schlagers – sondern auch die hohe Bezahlung der Moderatoren. Mross dürfte seine Arbeitslosigkeit gut abgesichert antreten. Wenn er nach der finalen Staffel nicht sowieso das nächste Engagement antritt.

Mit dem Schlager geht es schließlich gar nicht bergab. Die Musik, die früher mal als Sparte für ältere, biedere Herrschaften galt, hat längst das ganze Publikum erobert. Beatrice Egli, das andere Opfer der ARD-Sparmaßnahmen, hat ihre Karriere gerade nicht im Musikantenstadl begonnen – sondern in der auf junge Zuschauer zugeschnittenen Castingshow „DSDS“. Der Gegensatz von Pop und Schlager ist Geschichte – und das spätestens seit Helene Fischer.

Auch die Generationen trennt das Genre heute nicht mehr. Nachwuchssorgen hat der Schlager weder beim Publikum noch bei den Künstlern. Gerade deshalb braucht er auch keine einzelnen TV-Formate. Womöglich braucht er nicht mal mehr das lineare Fernsehen selbst. Mundart-Sänger wie Oimara werden heute in den sozialen Netzwerken groß. Wenn ihre Musik auf dem Schützenfest läuft, singen alle mit. Und wer am Sonntag danach im Fernsehen weiterfeiern will, muss nicht ganz verzichten. Den ZDF-Fernsehgarten gibt’s schließlich immer noch.

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