Osnabrück  „Graue Wölfe“ bei der Polizei? Direktion leitet Verfahren gegen Beamten aus Region Osnabrück ein

Markus Pöhlking
|
Von Markus Pöhlking
| 23.04.2026 17:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der sogenannte „Wolfsgruß“ gilt als Erkennungszeichen türkischer Nationalisten. Foto: Peter Kneffel/dpa
Der sogenannte „Wolfsgruß“ gilt als Erkennungszeichen türkischer Nationalisten. Foto: Peter Kneffel/dpa
Artikel teilen:

Die Polizeidirektion Osnabrück hat ein Disziplinarverfahren gegen einen Beamten eingeleitet, der nach Informationen unserer Redaktion den sogenannten „Grauen Wölfen“ nahestehen soll. Sein Fall wirft ein Schlaglicht auf die Szene türkischer Nationalisten in der Region.

Die Polizeidirektion Osnabrück prüft beamtenrechtliche Schritte gegen einen Beamten, der nach Informationen unserer Redaktion Bezüge zum türkischen Rechtsextremismus haben soll: Ein Sprecher der Polizeidirektion bestätigte am Donnerstag, dass ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde.

Demnach gebe es im Hinblick auf den Beamten Zweifel an seiner Verfassungstreuepflicht. Es bestehe der „Verdacht auf extremistische Tendenzen“, erklärt ein Sprecher der Polizeidirektion auf Nachfrage unserer Redaktion. Mit dem Disziplinarverfahren wolle man nun die Vorwürfe und den Sachverhalt aufhellen.

Der Beamte ist vorerst suspendiert, heißt es weiter von der Direktion. Bei ihm seien Datenträger, darunter auch ein Handy, sichergestellt worden. Sie würden nun nach be- und entlastenden Hinweisen ausgewertet. Weitere Angaben machte der Sprecher unter Verweis auf das gerade erst eingeleitete Verfahren nicht.

Nach Informationen unserer Redaktion allerdings richtet sich das Disziplinarverfahren gegen einen Beamten, der vor seiner Suspendierung im Einsatz- und Streifendienst in einer Wache im Landkreis Osnabrück eingesetzt war. Der Mann ist demnach Beamter auf Lebenszeit. Ein Status, der eigentlich ein besonderes Bekenntnis zu Staat und Verfassung voraussetzt.

Im Falle des benannten Beamten gibt es allerdings Gründe, daran zu zweifeln. Es gibt Indizien, dass er im Umfeld eines türkischen Kulturvereins mit Sitz an der Frankenstraße aktiv ist. Dort tauchte sein Name noch vor wenigen Wochen auf einer Spendenliste auf. Der Verein – nicht zu verwechseln mit der Ditib-Moscheegemeinde, die nur ein paar Hausnummern weiter ihren Sitz hat – pflegt ein offenes Verhältnis zum extremen türkischen Nationalismus.

Der Verein ist eine lokale Abspaltung der deutschlandweit aktiven „Türkfederasyon – Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz gilt er als „größter Dachverband türkischer Rechtsextremisten“ und als Auslandsorganisation der türkischen Partei „MHP“. Die wiederum gilt als politischer Arm der sogenannten „Grauen Wölfe“ – einer rechtsextremen Terrororganisation.

Aus der Nähe zu diesem Spektrum macht der Osnabrücker Verein auf öffentlichen Kanälen keinen Hehl. Erst am 4. April lud der Verein zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des Todestages von „Führer“ Alparslan Türkeş (1917–1997), der als Gründer der MHP und der „Grauen Wölfe“ gilt.

Auf Videos von Veranstaltungen zeigen Besucher und Mitglieder des Osnabrücker Vereins immer wieder den sogenannten Wolfsgruß – ein Erkennungszeichen türkischer Nationalisten. Anders als etwa der Hitlergruß ist das Zeigen des Wolfsgrußes in Deutschland dabei nicht verboten.

Unserer Redaktion liegen Videos vor, auf denen auch besagter Beamter auf einer privaten Feier den Wolfsgruß zeigen soll – gemeinsam mit seinem Bruder, der derzeit Anwärter bei der Polizei in Hamburg ist.

Die Feier, auf der das Video erstellt wurde, liegt allerdings mehrere Jahre zurück und fällt möglicherweise in eine Zeit, in der beide Männer noch nicht bei der Polizei waren. Das dürfte insbesondere für den Bruder des Osnabrücker Beamten gelten. In seinem Fall liefen aktuell „Prüfungen“ zu den Hintergründen, teilt ein Sprecher der Hamburger Polizei mit.

Ähnliche Artikel