Osnabrück  „Raser werden rasen“: Warum unsere Leser beim Tempolimit nicht an Eigenverantwortung glauben

Eva Kowalski
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Von Eva Kowalski
| 23.04.2026 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Finn L. Streckwaldt debattierte mit den Lesern über das Tempolimit auf Landstraßen. Foto: Sebastian Dannenberg und IMAGO/Bihlmayerfotografie
Finn L. Streckwaldt debattierte mit den Lesern über das Tempolimit auf Landstraßen. Foto: Sebastian Dannenberg und IMAGO/Bihlmayerfotografie
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Ein neues Schild allein rettet keine Leben, sondern nur sichere Straßen – mit dieser These forderte Finn L. Streckwaldt die Leser im Format „360° | Das Forum“ zur Debatte. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten und führten zu einem intensiven zweistündigen Wortgefecht.

Am 21. April debattierte bei „360° | Das Forum“ Finn L. Streckwaldt mit den Lesern über seinen Kommentar „Tempo 80 auf Landstraßen? Ein Schild allein rettet keine Leben“. In diesem argumentierte er, dass nicht die Geschwindigkeit allein die Ursache für tödliche Unfälle auf Landstraßen sei. Er forderte stattdessen eine fehlerverzeihende Bauweise der Straßen mit Leitplanken und breiteren Spuren. Für viele Kommentatoren klang das jedoch nach einer verkehrspolitischen Utopie.

Die Leserin Maike Hilmes betonte, dass es unrealistisch sei, alle Landstraßen massiv auszubauen: „Weder ökonomisch noch ökologisch. Da könnte man ja gleich eine Autobahn bauen.“ Rüdiger Berger schloss sich dem an und kritisierte, dass breitere Straßen „noch mehr Versiegelung der Landschaft“ und „Umweltschutz ade“ bedeuten würden. Streckwaldt entgegnete, dass zumindest „punktuelle Ausbaumaßnahmen“ an echten Gefahrenstellen finanzierbar seien.

Ein weiteres Argument der Leser war die Physik. Nutzer Richard Feuerstein erinnerte daran: „Eine Geschwindigkeitsbegrenzung ist schon aus physikalischen Gründen sinnvoll, da die Massenkräfte geringer ausfallen.“ Streckwaldt gab den physikalischen Berechnungen zwar recht, warf aber die Frage auf, ob deshalb kompromisslos alle Strecken limitiert werden müssten. Er plädierte für mehr Eigenverantwortung, situationsangepasstes Fahren und den Mut, selbst den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

Genau an diese Eigenverantwortung glauben viele Leser jedoch nicht. Lars Schneider erklärte das Verhaltensmuster treffend: „So bitter das ist: Ein Land wie Deutschland ist komplett regelbasiert und funktioniert auch nur so. Gibt es eine Option, wird diese nicht nur als Möglichkeit eingeordnet – sondern als Pflicht und Rechtsanspruch.“

Dirk Stannull brachte das Nachbarland Dänemark als Positivbeispiel ins Spiel, wo außerorts rigoros Tempo 80 gilt: „Verstöße sind sehr teuer; bei hohen Überschreitungen droht die Beschlagnahmung des Fahrzeugs.“ Auch Imke Peters betonte, dass ein neues Schild nur dann etwas bringe, wenn auch die Kontrolldichte und die Bußgelder in die Höhe geschraubt würden – „Raser werden rasen“.

Trotz der Gegenrede blieb Streckwaldt bei seiner Linie. Er ist der Überzeugung, dass eine „differenzierte Regelung“ an Gefahrenstellen weitaus mehr Akzeptanz bei den Fahrern schaffe als ein „pauschales Ausbremsen“ auf breiten, gut ausgebauten Straßen. Zudem würde baulicher Schutz Leben physisch schützen, ohne dass man von der Regeltreue jedes einzelnen Autofahrers abhängig wäre.

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