New York  Zu Gast bei Jon Stewart: So erklärt Baerbock dem US-Publikum ihren Job bei der UN

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 22.04.2026 11:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Annalena Baerbock will mehr Macht für die UN-Vollversammlung. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire/Bianca Otero
Annalena Baerbock will mehr Macht für die UN-Vollversammlung. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire/Bianca Otero
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Die ehemalige Außenministerin war bei einem der berühmtesten Show-Talker des US-Fernsehens zu Gast – und hat ihren Job mithilfe eines skurrilen Thanksgiving-Vergleichs erklärt. So hat sich Annalena Baerbock bei der „Daily Show“ geschlagen.

Großer Auftritt für die ehemalige deutsche Außenministerin: Annalena Baerbock hat den Sprung auf die ganz große US-Bühne gewagt. Am Montagabend war die Politikerin bei Kult-Satiriker Jon Stewart in der „Daily Show“ zu Gast. Vor einem Millionenpublikum rührte sie die Werbetrommel für die Vereinten Nationen – und lieferte sich ein pikantes Wortgefecht über Atombomben und Thanksgiving-Dramen.

Baerbock, die seit September 2025 als Präsidentin der UN-Generalversammlung in New York residiert, versuchte dem US-Publikum ihren Job mit einem skurrilen Vergleich zu erklären. Die Arbeit mit 193 Nationen sei wie ein turbulentes Familienfest: „Stellen Sie sich vor, Sie bringen Ihre Familie für Thanksgiving am Tisch zusammen – und Sie haben einen verschrobenen Onkel, Ihre Hippie-Mutter, und dann sollen die alle zusammen aus demselben Liederbuch singen.“

Ihr Auftrag in New York: Das „Liederbuch“, die UN-Charta, zu verteidigen, auch wenn einige Verwandte lieber ihr eigenes Ding machten. Als Stewart sofort nachbohrte, wer denn nun derjenige mit der Atombombe sei – die Hippie-Mutter oder der verschrobene Onkel – konterte Baerbock schlagfertig: „In der Geschichte waren es selten die Frauen, die die Atombombe hatten.“

Es wurde jedoch nicht nur gewitzelt. Als Stewart Baerbock auf den Gründungszweck der UN ansprach, wurde es ernst. Sinn und Zweck der Vereinten Nationen sei es nicht, die Menschen „in den Himmel zu bringen“, sondern sie „vor der Hölle zu bewahren“, sagte Baerbock. Das ausgerechnet aus dem Mund einer Deutschen zu hören, fand Stewart mit Blick auf die Geschichte doch eher überraschend: „Ich wette, dass das auf Deutsch hervorragend klingt“, warf der Satiriker ein.

Mit Blick auf den Holocaust und die deutsche Geschichte gab sich Baerbock demütig: „Leider war das mein Land. Und wir haben unsere Lektionen gelernt.“ Die UN-Charta sei heute für jeden eine „Lebensversicherung“.

Doch die Versicherung habe Schwachstellen: Baerbock klagte über die Blockadehaltung im Sicherheitsrat. Russland und China hätten zuletzt wichtige Beschlüsse zur Sicherheit auf den Weltmeeren mit ihrem Veto gestoppt. „Deshalb gibt es eine Initiative, diese Themen in die UN-Vollversammlung zu tragen, wo alle 193 Mitgliedstaaten vertreten sind.“

Auch über die Zukunft der Weltorganisation packte Baerbock aus. Derzeit liefen die Vorstellungsgespräche für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres. Nach 80 Jahren werde es Zeit für eine Frau an der Spitze, darüber sei man sich in der Generalversammlung einig. Bei vier Milliarden Frauen weltweit sei es „schwer zu erklären“, warum es bisher nur Männer im Chefsessel gab.

Trotz kleinerer Patzer im Englischen und gelegentlicher „Polit-Dozent“-Attitüde: Das US-Publikum feierte die Deutsche mit lautem Applaus. Im Netz wird der Auftritt bereits als einer der seltsamsten, aber spannendsten TV-Momente gefeiert. Stewart verabschiedete seinen Gast am Ende fast schon ehrfürchtig als „Madam President“.

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