Osnabrück Energiewende: Keine Frage von Idealismus, sondern von nationaler Sicherheit
Der Iran-Krieg lässt keinen Zweifel: Klimapolitik ist zur strategischen Notwendigkeit geworden und die Energiewende zur Sicherheitsfrage. Das sollten sich Kanzler und Wirtschaftsministerin hinter die Ohren schreiben.
Der Krieg im Nahen Osten hat eine unbequeme Wahrheit zurück auf die politische Agenda katapultiert: Klimapolitik ist mehr als eine lästige Frage von Emissionsquoten und Temperaturzielen. Sie ist zu einer Frage von Sicherheit, wirtschaftlicher Stabilität und geopolitischer Handlungsfähigkeit geworden. Steigende Energiepreise und drohende Lieferengpässe führen Deutschland und Europa vor Augen, wie verletzlich das noch immer stark auf den Import von Öl und Gas ausgerichtete Energiesystem ist.
Jahrzehntelang wurde die Energiewende vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten diskutiert. Inzwischen zeigt sich eindrücklich: Wer an fossilen Energieträgern festhält, macht sich politisch erpressbar und setzt Wohlstand aufs Spiel.
Diese Unsicherheit spiegelt sich in der deutschen Debatte wider. Rund jeder Zweite hält den Atomausstieg inzwischen für falsch – ein bemerkenswertes Signal. Doch die gleiche Umfrage zeigt auch: Nur gut jeder Dritte sieht in der Kernenergie eine Technologie der Zukunft; damit liegt sie deutlich hinter Solarenergie (62 Prozent), Windkraft (60 Prozent) und selbst Wasserkraft (50 Prozent). Ein mittelfristig klar auf erneuerbare Energien ausgerichteter Kurs hat also den Rückhalt der Bürger.
Da kommt das Treffen zum Petersberger Klimadialog gerade recht. Es geht nicht mehr allein darum, ambitionierte Ziele zu formulieren. Es geht darum, Allianzen zu schmieden, Vertrauen zu stärken und die Energiewende als gemeinsames Sicherheitsprojekt zu begreifen. Das ist keine Frage von Klima-Idealismus, sondern von strategischer Notwendigkeit.
Für Deutschland ergibt sich daraus eine doppelte Verantwortung. Als wirtschaftsstarke Industrienation muss es zeigen, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind. Gleichzeitig darf Deutschland seine Rolle als verlässlicher Partner nicht aufs Spiel setzen. Wer ambitionierte Ziele verfolgt, muss sie einhalten. Gerade in Zeiten globaler Krisen entscheidet sich, ob Kooperation trägt oder zerfällt.
Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ist kein langfristiges Projekt mehr, das man je nach politischer Großwetterlage verschieben kann. Vielmehr gilt es, ihn mit erhöhtem Tempo voranzutreiben. Das sollten sich der Kanzler und seine Wirtschaftsministerin hinter die Ohren schreiben.