Osnabrück  Tempo 80 auf Landstraßen? Ein Schild alleine rettet keine Leben

Finn L. Streckwaldt
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Von Finn L. Streckwaldt
| 19.04.2026 17:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Nach Autobahnen wird jetzt über ein Tempolimit auf Landstraßen diskutiert. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
Nach Autobahnen wird jetzt über ein Tempolimit auf Landstraßen diskutiert. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
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Wieder einmal wird in Deutschland über ein Tempolimit gestritten – dieses Mal auf Landstraßen. Doch der Vorstoß verhindert eine richtige Debatte über die Sicherheit im Straßenverkehr. Ein pauschales Tempo 80 wird die Straßen nur wenig sicherer machen.

Bei kaum einem Thema liegen die Nerven so blank wie beim Tempolimit. Fällt das Wort, stehen sich Kritiker und Befürworter in ihren ideologischen Gräben gegenüber. Der Reflex ist immer derselbe – und er behindert den Blick aufs Wesentliche. Auch die aktuell am Rande der Verkehrssicherheitskonferenz in Berlin entfachte Debatte über Tempo 80 auf Landstraßen ist vor allem eines: eine Ablenkung vom eigentlichen Problem. In Deutschland sterben jedes Jahr noch immer zu viele Menschen im Straßenverkehr.

Davon passieren jährlich die meisten tödlichen Unfälle auf Landstraßen. Aber ist daran wirklich allein das Tempo schuld? Wäre das so, müssten ja Autobahnen die gefährlichsten Straßen im Land sein, schließlich gibt es hier auf vielen Abschnitten überhaupt kein Tempolimit. Das sind sie aber nicht. 2024 starben laut Statistischem Bundesamt 1571 Menschen bei Unfällen auf Landstraßen, auf Autobahnen gab es nur 284 Tote. Ein zentraler Grund: Autobahnen sind sicherer gebaut – mit breiteren Spuren, Leitplanken und mit getrenntem Gegenverkehr.

Und darüber sollte man wirklich reden, wenn es darum geht, Leben zu schützen: Straßen so zu gestalten, dass sie Fehler verzeihen. Denn auf Landstraßen kommt es eigentlich deutlich seltener zu Unfällen als innerorts – aber wenn, dann enden sie oft tödlich. 

Überhöhte Geschwindigkeit ist die häufigste Unfallursache, das ist statistisch erwiesen. Aber entscheidend ist, wo und unter welchen Bedingungen man schnell fährt. Tempo wird dort zum Risiko, wo Straßen eng und unübersichtlich sind. Daraus folgt nicht automatisch, dass ein pauschales Ausbremsen die Straße sicherer macht. Schließlich ist Handynutzung am Steuer auch verboten und dennoch steigen die Unfallzahlen aufgrund von Ablenkung.

Statt über 20 km/h mehr oder weniger zu streiten, sollte es darum gehen, wie sich Straßen wirklich sicherer machen lassen. Dafür braucht es Leitplanken, breitere Fahrbahnen, Überholstreifen und verantwortungsbewusstes Fahren. Ein neues Schild am Straßenrand ersetzt das nicht. Ein generelles Tempolimit mag beruhigen – Leben rettet es vermutlich kaum.

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