Poel  Walter Gunz – Vom Mediamarkt-Gründer zum Walretter: „Darf die Hoffnung nicht aufgeben“

Finn L. Streckwaldt
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Von Finn L. Streckwaldt
| 17.04.2026 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Walter Gunz ist unter anderem als Mitgründer von Mediamarkt bekannt. Im Moment widmet er sich der Rettung von Buckelwal „Timmy“ in der Ostsee. Foto: imago images/Eventpress
Walter Gunz ist unter anderem als Mitgründer von Mediamarkt bekannt. Im Moment widmet er sich der Rettung von Buckelwal „Timmy“ in der Ostsee. Foto: imago images/Eventpress
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Während Experten Buckelwal „Timmy“ bereits aufgegeben hatten, startet Walter Gunz jetzt eine spektakuläre Rettungsmission. Im Clasen Talk stellt sich der Unternehmer der Kritik von Walexperte Fabian Ritter und erklärt, warum er überzeugt ist: Man darf die Hoffnung niemals aufgeben.

Zwei Wochen lang schien das Schicksal des Buckelwals „Timmy“ vor der Ostseeinsel Poel besiegelt. Die Entscheidung aus der Politik wirkte endgültig. Man wolle das Tier in Frieden sterben lassen, eine weitere Rettungsaktion werde es nicht geben, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Für viele war das der Schlusspunkt.

Umso überraschender ist, dass „Timmy“ auch 14 Tage später noch lebt. Seit Donnerstag, 16. April, läuft nun doch eine neue, aufwendige Rettungsaktion, die unter anderem vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert und organisiert wird. Im Clasen Talk erklärt er, was ihn antreibt, wo er frühere Fehler der Retter sieht und warum er die Hoffnung nicht aufgibt.

Viele Experten, darunter der Walforscher Fabian Ritter und die Organisation Greenpeace, lehnen weitere Rettungsversuche ab, weil das Tier ihrer Einschätzung nach bereits zu geschwächt ist. Die Situation sei ihm bewusst, sagt Gunz, dennoch dürfe man „die Hoffnung nicht aufgeben“. „Ich habe viele Dinge in meinem Leben begonnen, die aussichtslos waren. Vielleicht war auch die Media-Gründung aussichtslos.“ Er sei nun mal aus Überzeugung Optimist. „Ich glaube, das Leben ist das Wichtigste, was wir haben. Ich habe mich einfach verantwortlich gefühlt, hier etwas zu tun.“

Die Berichte über das Schicksal von Timmy hätten ihn nicht losgelassen, erzählt er im Gespräch mit Moderator Michael Clasen. „Mir persönlich blutet das Herz, wenn ich sehe und höre, dass der Wal da elendig eingehen soll.“ Auch die Einschätzung vieler Experten teilt er nicht. „Diese Geschichte, dass der sich dort zum Sterben hingelegt hat, die glaub ich nicht, selbst wenn die hinterher der Walspezialist erzählt.“ Als ihm dann der Vorschlag für einen neuen Rettungsversuch unterbreitet wurde, musste er nicht lange überlegen.

Gemeinsam mit Karin Walter-Mommert hat Gunz ein internationales Team zusammengestellt, rund 40 Fachleute aus Meeresbiologie, Medizin und weiteren Bereichen. Sie haben einen Plan entwickelt: Sie wollen den Wal mit Luftkissen anheben, damit er sich im flachen Wasser vor Poel wieder bewegen kann. Wenn nötig, soll ihn ein Spezialkatamaran weiter in Richtung Nordsee oder sogar bis in den Atlantik ziehen. Das Vorgehen solle möglichst „minimalinvasiv“ sein, um zusätzlichen Stress zu vermeiden, so Gunz im Clasen Talk. Die frühere Rettung mit lauten Baggern am Strand von Niendorf sieht er dagegen kritisch und lehnt ein solches Vorgehen ab. Einen weiteren Versuch nach dieser Methode „hätte er nicht überlebt.“

Ob diese Rettung gelingt, ist offen. Die Einschätzungen der Experten gehen auseinander. Gunz vertraut auf seinen eigenen Fachmann: den Schriftsteller und Umweltaktivisten Sergio Bambaren, der nach einer Untersuchung vor Ort von einer Überlebenschance von 50 zu 50 spricht, wie Gunz im Talk berichtet. Der Wal habe Verletzungen an der Haut, aber das sei überhaupt kein Grund, warum er nicht überleben solle.

Deutlich skeptischer ist der Meeresbiologe und Leiter des Vereins M.E.E.R. Fabian Ritter. Er spricht bewusst nicht von Rettung, sondern von Befreiung. Man könne erst dann von einer erfolgreichen Rettung sprechen, wenn der Wal in einigen Wochen wieder im Atlantik sei und sich dort „wie ein normaler Buckelwal“ verhalte. Gleichzeitig erkennt er an, dass der Wal noch lebt, sei „ein kleines Wunder“. Niemand habe damit gerechnet, so Ritter.

Das Rettungskonzept des Teams bewertet er grundsätzlich positiv, da es bereits erprobt worden sei. Allerdings sei der Gesundheitszustand der Tiere in vorherigen Fällen deutlich besser gewesen als der von „Timmy“. An seiner grundsätzlichen Haltung ändert das jedoch nichts: „Ich hätte von so einer Maßnahme zu diesem Zeitpunkt, in dem Zustand, in dem sich der Wal befindet, tatsächlich abgeraten.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Jan Schönstedt, Chefredakteur unseres Medienhauses. Prinzipiell zeigt er Verständnis für das minimalinvasive Vorgehen, dennoch hinterfragt er kritisch, warum der Mensch glaubt, er müsse stets eingreifen, anstatt hinzunehmen, dass man eben nicht alles reparieren und verändern kann. „Warum können wir als Menschen nicht akzeptieren, dass der Tod zum Leben gehört? Das ist schwierig, aber ohne den Tod wäre das Leben nichts.“

Auch Gunz ist bewusst, wie knapp die Zeit ist und wie gering die Erfolgsaussichten sein könnten. „Wir haben wertvolle Zeit verloren und das können wir vielleicht nicht mehr aufholen.“ Trotzdem sei Aufgeben zum jetzigen Zeitpunkt keine Option. „Solange eine Chance besteht, dass er gerettet werden kann, sollten wir es versuchen“, fordert Gunz.

Warum Minister Backhaus seine Haltung geändert hat, darüber lasse sich nur spekulieren. Ritter sieht einen möglichen Grund im öffentlichen Druck. „Ich schätze, dass der Herr Backhaus, ob des großen Drucks, der auf ihn ausgeübt wurde, und auch die Schmähungen, die er erleiden musste, dass er jetzt politisch handelt“, sagt er. Auch er selbst habe teils „recht unfreundliche Mails“ für seine Äußerungen bekommen. Gunz hingegen wird aktuell im Netz für seinen Einsatz gefeiert. Doch er ist sich bewusst, dass die Stimmung jederzeit kippen könnte, zum Beispiel, wenn der Wal jetzt bei der Rettung sterben sollte.

Unabhängig vom Ausgang der Rettungsaktion sind sich beide einig, dass der Fall eine breite Debatte über den Umgang mit der Natur lostreten sollte. „Ich glaube, das ist der richtige Moment, darauf hinzuweisen, dass etwas nicht stimmt in unseren Meeren, dass unser Umgang mit den Meeren alles andere als pfleglich ist“, sagt Fabian Ritter. Er verweist dabei vor allem auf Unterwasserlärm, Schleppnetze und die Verschmutzung der Meere. „Wir wissen, was zu tun ist. Und es ist vielleicht genau jetzt der Zeitpunkt, zu handeln.“ Walter Gunz findet noch deutlichere Worte. „Der Timmy ist ein Opfer des Irrsinns, der Profitgier, der unüberlegten Handlungen des Menschen. Und das ist eine sehr große Tragödie.“

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