Osnabrück  24 Mal Gold und Platin auf einen Schlag: Wirbel um Auszeichnungen für Reinhard Mey

Dr. Philipp Ebert
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Von Dr. Philipp Ebert
| 15.04.2026 17:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Goldprämierter Liedermacher: Reinhard Mey. Foto: Jim Rakete
Goldprämierter Liedermacher: Reinhard Mey. Foto: Jim Rakete
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Daten-Chaos um Deutschlands berühmtesten Liedermacher: Offenbar stehen Reinhard Mey doppelt so viele Goldene Schallplatten zu wie bisher bekannt. Jetzt soll er auf einen Schlag 24 Gold- und Platin-Auszeichnungen erhalten. Wie konnte es dazu kommen?

Reinhard Meys neues Album erscheint erst in einigen Monaten, und trotzdem hat der Liedermacher schon jetzt einen Lauf. Im vergangenen Herbst sorgte die Netflix-Doku „Babo. Die Haftbefehl-Story“ über den Drogenabsturz des Rappers Haftbefehl dafür, dass Meys Lied „In meinem Garten“ in den Abspiellisten der Musik-Streaminganbieter nach ganz oben schoss. Viele junge Leute hörten womöglich zum ersten Mal bewusst Reinhard Mey.

Jetzt gibt es neuen Wirbel um Mey: Der Berliner Liedermacher war wohl noch viel erfolgreicher als bisher öffentlich angenommen. Aus seinem Umfeld wurde jetzt bekannt, dass über Jahrzehnte 24 Gold- und Platin-Auszeichnungen für Mey nicht offiziell übergeben worden sind. Dabei handelt es sich um 22 Goldene Schallplatten sowie jeweils einmal Platin und einmal dreifaches Gold. Die Auszeichnungen sollen nun nachgereicht werden, heißt es auf Meys Homepage.

Bisher hatte Mey offiziell 21 Gold-Awards erhalten – mit Liedern, deren lyrische Tiefe weit über das für Popmusik Übliche hinausgeht. Die Zahl seiner Goldplatten wird sich mit den nun offenbar zu verleihenden Auszeichnungen also mehr als verdoppeln. Jedes Studioalbum seit 1967 habe nun mindestens Goldstatus, heißt es aus Meys Team.

Seit 1975 werden Gold- und Platin-Auszeichnungen in Deutschland nach festen Kriterien vergeben. Zuvor hatten die Plattenfirmen nach eigenem Dafürhalten Goldene Schallplatten an kommerziell besonders erfolgreiche Künstler vergeben. Seit 50 Jahren gibt es fest definierte Schwellenwerte für Verkäufe.

Weil Musikliebhaber im Zeitalter von Streamingdiensten immer weniger CDs und Platten kaufen, wurden diese Grenzen in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach verändert. Für 75.000 verkaufte Alben bekommt man heute eine Goldene Schallplatte. Platin gibt es für 150.000 Verkäufe. Streams werden mit einer komplizierten Umrechnungsformel einbezogen. Bis 1999 etwa lag die Grenze bei 250.000 verkauften Schallplatten, danach wurde sie wiederholt abgesenkt.

Doch wie konnte es überhaupt passieren, dass Meys Auszeichnungen vergessen wurden? Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) erklärte gegenüber unserer Redaktion, dass die Preise nicht automatisch vergeben würden. Vielmehr müssten die Plattenfirmen die Preise beim BVMI nach entsprechenden Verkäufen beantragen. Und da scheint der Hase im Pfeffer zu liegen.

Mey hat seine Plattenfirma nie gewechselt. Unterschrieben hatte er ursprünglich beim Stuttgarter Label Intercord. Dieses wurde aber 1999 von EMI gekauft, welches wiederum rund zehn Jahre später von Universal übernommen wurde. Bei den Übernahmen sind offenbar Aufzeichnungen verloren gegangen; insbesondere Verkäufe aus der frühen Intercord-Zeit wurden demnach nicht richtig nachgehalten und an den BVMI gemeldet, heißt es aus Meys Umfeld.

Deshalb wurden auch nicht mehr in allen Fällen beim BVMI akkurate Verkaufszahlen gemeldet. In Meys Umfeld fiel dann vor einiger Zeit auf, dass die offiziellen Zahlen nicht zu den fortlaufenden Verkaufserfolgen passten. Man wurde misstrauisch – und zählte mithilfe von Universal und der Marktforschungsfirma GfK nach. So kam es zur Überraschung. Besonders bemerkenswert: Meys Alben haben die jeweils zu ihrer Erstveröffentlichung geltenden, teils deutlich höher als heute liegenden Grenzwerte aus dem Stand gerissen.

Meys Plattenfirma, Universal Music, hat sich bisher auf Anfrage nicht zu der Angelegenheit geäußert.

Dessen ungeachtet können sich Mey-Fans noch in diesem Jahr auf neue Lieder freuen: Im September soll sein 30. Studioalbum erscheinen. Der Titel: Schatzhauser.

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