Osnabrück  Frieda Bühners WNBA-Traum wird real: „Ich hatte Tränen, ich war sprachlos“

Jacob Alschner
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Von Jacob Alschner
| 14.04.2026 11:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die WNBA als Ziel vor Augen gehabt, nun steht der Wechsel fest: Frieda Bühner (am Ball) schließt sich Portland Fire an. Foto: IMAGO/camera4+
Die WNBA als Ziel vor Augen gehabt, nun steht der Wechsel fest: Frieda Bühner (am Ball) schließt sich Portland Fire an. Foto: IMAGO/camera4+
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Frieda Bühner, Basketballerin aus Osnabrück, wurde beim WNBA-Draft gepickt, wechselt zu Portland Fire. Wie hat sie die wichtigste und vielleicht längste Nacht ihrer Karriere erlebt? Von stillen Telefonaten, schreienden Teammates und (beinahe) explodierenden Handys.

Wie fühlt es sich an, wenn man verstehen muss, dass man es in die beste Basketball-Liga der Welt in die USA geschafft hat? „Äh, keine Ahnung. Ich bin noch völlig sprachlos“, sagt Frieda Bühner am Dienstagmorgen. Hinter ihr liegen nur wenige Stunden Schlaf, am Ende einer sehr langen Nacht, in der klar wurde: Bühner, Basketballspielerin aus Osnabrück, wechselt in die nordamerikanische WNBA – als eine von aktuell fünf Deutschen. Beim Draft 2026 wurde sie an 17. Stelle von den Portland Fire gezogen, ihrem neuen und neu gegründeten Team im Nordwesten der USA. „Ich kann das noch gar nicht realisieren. Es hat noch nicht klick gemacht“, weder nachts noch jetzt morgens. „Ich sehe das nur die ganze Zeit bei Instagram, so viele Leute schreiben mir.“ Dann muss es ja stimmen.

Es ist nicht weniger als eine fette Belohnung für Bühners Arbeit, die die 21-jährige Flügelspielerin seit über einem Jahrzehnt betreibt. An den Stationen Osnabrücker SC, BBC Osnabrück und bei den Girolive-Panthers wurde aus ihr erst eine Deutsche U14-Meisterin, später eine Erstligistin, Nationalspielerin und Olympia-Teilnehmerin. Dann der Wechsel zu Estudiantes Madrid: Beim spanischen Club mit mittleren Ambitionen ist sie mit 16,7 Punkten im Schnitt Top-drei-Werferin der Liga. Da ist der Schritt in die WNBA nun nur folgerichtig. „Wäre der Wahnsinn“, hatte Bühner vor Montagnacht gesagt, wenn sie beim Draft ausgewählt würde. Und Wahnsinn, das war es dann auch.

Oder auch „unfassbar. Einfach unfassbar“, erinnert sich Bühner an den Moment, in dem sie hörte, ihr Traum wahr wird. „Ich wusste es schon zehn Minuten, bevor man es im Livestream sehen konnte. Ich habe einen Anruf bekommen, vom General Manager und dem Head Coach aus Portland.“ Am Bildschirm blieb sie trotzdem, Bühner hatte Teamkolleginnen zum Schauen eingeladen. „Es war dann auch trotzdem noch: Wow. Seinen Namen so zu hören. Danach habe ich aber erst mal gar nichts mehr gehört, weil meine Teammates alle rumgeschrien haben. Irgendwann habe ich die Stelle im Stream dann noch mal wiederholt.“

Von der Talentbörse namens Draft, der in New York City stattfand und bei dem es schon mal wuselig zugehen kann, weil hin- und hergetauscht wird, bekam Bühner wenig mit. „Nur mit meiner Agentin war ich on und off“, immer wieder schalteten Bühner und sie sich kurz. Später folgte eben der Dialog mit Portland, wobei das eher Monologe gewesen seien. „Man spricht anscheinend eh nicht so viel. Ich konnte aber gar nicht richtig reden“, sagt Bühner und muss laut lachen. „Ich hatte Tränen in den Augen vor Freude, ich war auch da irgendwie sprachlos.“ Vom neuen Coach und GM gab es „Welcome to Portland Fire“ und „Congrats“. Für viel mehr reichte die Zeit nicht, in New York wurde schließlich weiter gedraftet. Aber, so Bühner: „In den nächsten Tagen werde ich noch mal mit denen allen telefonieren“ – und dann sicher auch mehr reden.

Schließlich muss besprochen werden, wie genau es nun konkret weitergeht. Die Saison für Portland Fire startet schon am 9. Mai mit einem Heimspiel gegen Chicago Sky. Zu diesem Zeitpunkt laufen die Playoffs in Spanien auf Hochtouren, Estudiantes hätte seine beste Scorerin Bühner im Falle einer Qualifikation sicher gern dabei. Bühner sagt, sie habe „noch keine Informationen“, wie man die verschiedenen Interessen „so vereinbaren kann“. „Schauen wir mal in den nächsten Tagen.“

Sehr passenderweise hat Bühner an diesem Dienstag frei. Da ist fürs Erste also Zeit, am emotionalen Verständnis dessen zu arbeiten, was da in der vergangenen Nacht passiert ist. In die Osnabrücker Heimat ist die nächtliche Standleitung kurz mal unterbrochen, dort gehen schließlich alle erst mal ihrer Arbeit nach – trotz der Ereignisse rund um Bühner.

Vater, Mutter und beide Brüder hätten freilich ebenfalls am Stream gehangen, bestätigt Papa Andreas gegenüber noz. „Das war etwas ganz besonderes, dass Frieda das geschafft hat, und das ist es auch noch“, befindet er. „Richtig realisieren können wir das als Familie noch nicht. Friedas Traum von der WNBA hat zwar schon länger existiert. „Aber dass sie das wirklich schaffen wird, das konnte man erst in dieser Saison wirklich ahnen.“ Sorgen um die Tochter, weil sie nun buchstäblich einen Schritt weiter weg von zu Hause geht? „Überhaupt nicht. Egal wie es kommt, wir freuen uns über jede Erfahrung, die sie machen darf.“

Zuerst einmal werden neue Erfahrungen in der Medienarbeit gemacht. Ein Interviewmarathon steht an, die Heimatpresse erhielt dankenswerterweise den ersten Slot. Gleich kommen alle anderen. Und zwischendurch müsste eigentlich auch Luisa Geiselsöder noch mal eine Antwort bekommen. Die Nationalmannschaftskollegin wechselte erst vor wenigen Tagen nach Portland, wird dort also Bühners Teammate werden. „Das wird mir total helfen. Ich mag Luisa total gerne, sie ist eine Freundin und ich liebe es auch, in der Natio mit ihr zu spielen“, sagt Bühner. „Den Anschluss zu haben, kann sehr wichtig werden.“ Geiselsöder hat sich freilich bereits gemeldet und Bühner beglückwünscht. „Ich muss ihr jetzt gleich mal schreiben“, nimmt sich Bühner vor. Wobei das gar nicht so einfach wird: „Mein Handy explodiert gefühlt.“

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