Osnabrück  Ballermann-Sänger Schürze: "Layla half Menschen aus der Depression"

David Reininghaus
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Von David Reininghaus
| 13.04.2026 05:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Seit dem Durchbruch mit „Layla“ auf jeder Mallorca-Party gefragt: Schürze (35). Foto: dpa
Seit dem Durchbruch mit „Layla“ auf jeder Mallorca-Party gefragt: Schürze (35). Foto: dpa
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Eine Puffmama namens „Layla“ katapultierte zwei Ballermann-Sänger vor vier Jahren an die Spitze der deutschen Charts. Der Wirbel um die angebliche Verherrlichung von Sexismus bestimmte wochenlang die Schlagzeilen. Würde Schürze das Lied heute noch einmal so schreiben?

„Ich hab ′n Puff und meine Puffmama heißt Layla“, lautet eine Zeile aus einem Lied, das 2022 an der Spitze der deutschen Charts stand. Für Schürze (bürgerlich Michael Müller, 35) sowie DJ Robin (bürgerlich Robin Leutner, 30) war es nicht nur der größte Erfolg, sondern etwas Historisches. Nie zuvor stand ein Ballermann-Lied ganz oben. Was folgte, war aber nicht nur Spaß. Eine hitzig geführte Debatte um das vermeintlich sexistische Lied füllte die Schlagzeilen.

Im Interview erklärt Schürze , welches Ziel DJ Robin und er mit dem Lied hatten, womit sie provozieren wollten und welche schönen Erlebnisse ihnen das umstrittene Lied gebracht hat.

Frage: Schürze, du bist der Macher von „Layla“. Als das Lied vor vier Jahren herauskam, war der Songtext eines der Aufregerthemen des Sommers. Wie blickst du heute darauf zurück?

Antwort: Das lachende Auge ist auf jeden Fall deutlich größer als der Ärger. DJ Robin und ich sind klar der Meinung, dass uns die Skandalisierung des Textes in die Karten gespielt hat. Das war wirklich extrem. Unsere Abrufzahlen bei Streamingportalen gingen nach den ersten Verboten auf Festen wie dem Kiliani-Volksfest in Würzburg oder der Rheinkirmes in Düsseldorf erst recht durch die Decke.

Frage: Eine Verbotsdebatte als beste PR ...

Antwort: Absolut! Wir haben uns gefreut, wie erfolgreich der Song bereits war und auch, dass wir bereits auf Platz eins der deutschen Charts standen. Aber durch den vermeintlichen Skandal wollte plötzlich jeder den Song hören und die Leute haben „Layla“ einfach noch mehr gefeiert. Da waren wir zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Frage: Ihr habt erreicht, was vorher niemand schaffte: Platz eins der deutschen Charts mit einem Ballermann-Hit. Wie war das für dich, die Großen der Branche auszustechen?

Antwort: Es war einfach nur verrückt! Viele wissen ja gar nicht, dass ich schon seit 2013 Ballermann-Musik mache. Da habe ich im Bierkönig den Newcomer-Contest gewonnen. Danach ging es aber wieder bergab und ich hatte dort fast keine Auftritte. Und plötzlich habe ich fast aus dem Nichts mit „Layla“ den erfolgreichsten Partyschlager-Song aller Zeiten. Das ist ein Erlebnis, das ich jedem wünsche. Man wacht nur noch mit einem breiten Grinsen auf und geht abends mit einem breiten Grinsen ins Bett.

Frage: Was war der prägendste „Layla“-Moment?

Antwort: Ganz klar: Als ich eines morgens aufgewacht bin, mein Handy in die Hand genommen und gesehen habe, dass uns Timmi Trumpet (Anm. d. Red.: australischer Star-DJ) und Alan Walker (norwegischer DJ und Produzent) verlinkt haben. Die beiden haben den Song auf den größten Elektro-Festivals gespielt. Ich dachte erst, das wären Fake-Profile, aber dann haben Robin und ich gesehen, wie sie unser Lied vor Millionen Fans gespielt haben. Das war für uns die allergrößte Ehre. Und dann die Videos zu sehen, wie die Leute in der Messe jede Zeile mitsingen ... Wahnsinn!

Frage: Hat sich die Verbotsdebatte um „Layla“ für euch fair angefühlt?

Antwort: Offenbar müssen solche Diskussionen heutzutage wohl geführt werden. Vor 20 Jahren wäre das kein Skandal gewesen. Wenn sich heutzutage jemand um einen Baum setzt und sagt, der muss geschützt werden, kriegt er so viel Aufmerksamkeit, dass erst mal drei Tage diskutiert wird, ob man den fällen darf. Uns war klar: Wir müssen in die Diskussion über das Lied gehen. Aber wir haben immer klar betont, dass wir niemandem schaden wollten, sondern nur einen spaßigen Song machen wollten, ohne jemanden zu diskriminieren.

Frage: In den 80er-Jahren haben nicht wenige bei „Skandal im Sperrbezirk“ eine gewisse Rosi besungen ...

Antwort: Genau. Oder nehmen wir das „Donaulied“: Im Text geht es um eine Vergewaltigung und jeder singt mit. Diese Aufregung habe ich nie verstanden. Aber im Nachhinein war es sehr gut für uns. Also, von mir aus gerne wieder. Ich habe noch neue Songs parat, darauf können sich die Medien dann gerne stürzen (lacht).

Frage: Du würdest den Song also wieder so schreiben?

Antwort: Zu 100 Prozent.

Frage: Direkt danach kam das Lied „Bumsbar“. War das reine Provokation, weil „Layla“ so gut funktioniert hat?

Antwort: Ja, definitiv. Wir sind ganz bewusst in eine entweihte Kirche gegangen und haben mit Nonnen gedreht. Wir wollten nach der „Layla“-Erfahrung den nächsten Skandal provozieren, aber es kam fast nichts an Reaktion und der große Aufschrei ist ausgeblieben. Nur ein paar Kommentare, dass es geschmacklos sei. Das war‘s. Da haben wir gemerkt, dass ein Skandal nicht planbar ist.

Frage: Gab es wegen „Layla“ auch persönliche Anfeindungen?

Antwort: Bei mir waren es eher Internet-Rambos auf Instagram. Einer hat geschrieben, dass er mir „auf‘s Maul hauen“ will, sowas nehme ich aber nicht ernst und mir ist auch nichts passiert. Was mir nur leid tat, war, wenn Kinder wegen des Songs in der Schule gemobbt wurden, weil sie Layla heißen. Das war nie unser Ziel, aber dass es mit diesem Song derlei Ausmaße annimmt, konnten wir ja auch nicht ahnen.

Frage: Der Erfolg des Liedes zeigt ja, dass die oft umstrittene Musikrichtung im Mainstream angekommen ist.

Antwort: Früher musste man sich fast schämen, wenn man Ballermann-Musik gehört hat. Heute läuft sie auf jeder Hochzeit. Was mich sehr beeindruckt hat: Ich habe wegen „Layla“ auch wunderschöne Rückmeldungen bekommen. Es haben sich Menschen bei mir gemeldet, die Depressionen hatten und die zu mir meinten, dass ihnen der Song wieder Kraft und gute Laune gegeben hätte.

Frage: Und was wäre ohne „Layla“ aus dir geworden?

Antwort: Wahrscheinlich wäre ich immer noch Elektriker und würde nebenher ein bisschen als DJ jobben. Ich mochte meinen Job und mein Team echt gerne, aber das Leben jetzt ist natürlich was anderes. Es ist zwar psychisch anstrengender und man ist viel unterwegs, aber es macht einfach Bock, die Leute auf der Bühne zu begeistern.

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