Münster Das sagt Bischof Wilmer zum Iran-Krieg und Extremismus in Deutschland
Religion und Politik – das gehört zusammen. So ist jedenfalls die Haltung des neuen Bischofs von Münster, Heiner Wilmer. In einem Interview bezieht er Stellung zum Iran-Krieg, zum Existenzrecht Israels sowie zu Links- und Rechtsextremismus in Deutschland.
Der kürzlich gewählte Vorsitzende der Bischofskonferenz und neue Bischof von Münster, Heiner Wilmer, hat sich zur Verbindung zwischen Religion und Politik sowie zum Iran-Krieg geäußert. „Ich kann nicht unpolitisch sein. Im Gegenteil, ich bin ein durch und durch politischer Mensch, weil das Evangelium Jesu Christi Politik pur ist“, erklärt der 64-Jährige im Interview mit dem Deutschlandfunk (Sonntag).
Es gehe darum, im Namen Gottes an der Seite der Menschen zu sein, vor allem an der Seite jener, die schwach sind und von der Gesellschaft missachtet werden. „Das Evangelium ist politisch, und Gott ist politisch, weil es ihm um das Heil aller Menschen geht und nicht nur um das Heil einer Elite, die sich auf schöne Inseln zurückzieht“, so Wilmer.
Entsprechend hat der Bischof auch eine Haltung zum Konflikt in Nahost. „Zunächst einmal gilt: Unser christliches und katholisches Herz ist an der Seite der jüdischen Menschen, erstens. Zweitens: Israel hat ein Recht auf Existenz. Und drittens: Unsere Solidarität ist bei allen Menschen, die leiden, die zu Opfern gemacht werden, die Fürchterliches durchmachen. Und dieses Leid gibt es leider auf allen Seiten.“
Auf die Frage, ob der aktuelle Präventivkrieg – so bezeichnet Israel die Angriffe gegen den Iran – legitim sei, antwortet Wilmer: „Legitim ist auf jeden Fall, dass ein Land sich verteidigt. Und das wird auch in Zukunft legitim sein. Richtig ist die Überlegung und die Kritik, inwieweit ist die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt“, betont Wilmer. In Richtung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu geht die Bitte: „Der Krieg muss aufhören, sofort.“
Auch bezüglich der deutschen Innenpolitik müsse die Bischofskonferenz eine klare Haltung zeigen. Angesprochen auf eigene frühere Warnungen vor völkischem Nationalismus erklärt Wilmer: „Die christliche Position wurzelt im Evangelium. Und von daher kann es nicht sein, dass wir Parolen nachlaufen, die lauten: ‚Deutsches Blut auf deutschem Boden und deutscher Boden für deutsches Blut‘.“ Deutschland sei ein Land, in dem viele Menschen mit Wurzeln im Ausland leben. Es gehe darum, gemeinsam und in Gerechtigkeit einen „Raum der Freiheit“ zu schaffen.
Dabei sei aber nicht nur vor Rechtsextremismus gewarnt. „Ganz klar ist die Position, wer Juden angreift, wer Juden diffamiert, startet einen Angriff auf die Würde des Menschen und zersetzt unsere demokratische Ordnung. Und wenn diese Angriffe von links oder von rechts kommen, sind sie gleichermaßen zu verurteilen.“