Osnabrück  Comedian Oliver Polak im Interview: „Ich glaube an den Aufstieg des VfL Osnabrück!“

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 04.04.2026 17:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Comedian Oliver Polak ist am 8. April 2026 im Osnabrücker Rosenhof zu Gast. Unser Foto entstand im Sommer 2025 beim Heimspiel des gebürtigen Papenburgers im Emsland. Foto: Lars Schröer
Comedian Oliver Polak ist am 8. April 2026 im Osnabrücker Rosenhof zu Gast. Unser Foto entstand im Sommer 2025 beim Heimspiel des gebürtigen Papenburgers im Emsland. Foto: Lars Schröer
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Oliver Polak kommt gerade von einem Aufenthalt in der Thomas-Mann-Villa in Pacific Palisades zurück. In dieser Zeit hatte er auch Auftritte in den großen Clubs von Los Angeles – am 8. April kommt er in den Rosenhof Osnabrück. Wenn das kein Grund ist, den gebürtigen Papenburger zu interviewen.

Seinen Aufenthalt in der Thomas-Mann-Villa in Los Angeles hat Oliver Polak sehr genossen. Und mindestens genauso gut haben ihm die Auftritte in den großen Comedy-Clubs der Stadt an der amerikanischen Westküste gefallen. Jetzt ist er zurück in Deutschland und geht mit seinem neuen Programm „Comedy“ auf Tour. Am Mittwoch, 8. April, ist er damit im Rosenhof in Osnabrück zu Gast. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen in den USA, sein aktuelles Programm und wie sich Deutschland für ihn als Juden anfühlt.

Frage: Herr Polak, Sie waren kürzlich in den USA in der Villa von Thomas Mann. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Antwort: Erst mal nur gute. Wenn du in Kalifornien ankommst, ist da erst mal Sonne, Wärme, helles Licht. Die Leute strahlen einen an, man spürt abends eine Meeresbrise. Also es ist erst mal eine gute Atmosphäre, um anzukommen.

Frage: Sie sind auch in Clubs in Los Angeles aufgetreten. Wie war das?

Antwort: Es gibt da drei riesige Clubs: die Laugh Factory, die Hollywood Improv und den Comedy Store. Der Comedy Store ist legendär, weil da alle angefangen haben, Richard Pryor, Robin Williams, Steve Martin, Jim Carrey und später Dave Chappelle und wie sie alle heißen. Ich war da ein paarmal im Vorprogramm, bei Mario Adrion zum Beispiel – das ist ein Deutscher, der seit Jahren in Amerika lebt und der gerade sehr erfolgreich ist und im April auf Tour nach Deutschland kommt. Und dann hatte ich meine eigene große Show in einem der Räume im Comedy Store. Am vorletzten Tag war ich auch im Original Room und bin nach Jeff Ross und Iliza Shlesinger als Vorletzter vor Craig Robinson aufgetreten. Das war schon so, als ob du als Fußballer plötzlich in der Champions League spielen darfst. Wo spielt der VfL Osnabrück gerade? Kreisliga?

Frage: Nein, nein! Osnabrück spielt gerade in der dritten Liga und ist kurz vor dem Aufstieg in die zweite.

Antwort: Okay. Also: Dort mit diesen Leuten aufzutreten, ist so, als wärst Du beim VfL in der dritten Liga, und dann sagt jemand, nee, du bist so gut, du kannst jetzt hier auch bei uns in der Champions League spielen.

Frage: Waren Sie sehr nervös?

Antwort: Nervös nicht. Ich mache ja immer wieder auf Englisch Stand-up, und ich vertraue meinem Material. Im Comedy Store habe ich die Show „Oliver Polak and Friends“ auf die Beine gestellt, und am Ende war mein Line-up Sarah Silverman, eine der größten Comedians in Amerika, Nikki Glaser, die letztes, dieses Jahr und nächstes Jahr auch die Golden Globes moderiert, Robby Hoffman, die gerade komplett durchstartet, eine eigene Netflix-Show hat und bei „Hacks“ mitspielt, dann Amir K, ein Comedian, den ich total verehre. Und das Krasse war, dass in meiner Show dann noch so ein Drop-in kam, also ein Künstler, der einfach so spontan vorbeikommt.

Frage: Nämlich?

Antwort: Da kam einfach mal Tiffany Haddish vorbei, die Saturday Night Live Emmy-Gewinnerin. Das war ein krasser Abend.

Frage: Wie kommt Comedy im Vergleich zwischen Deutschland und USA an? Funktionieren die gleichen Gags oder rufen die gleichen Gags andere Reaktionen hervor?

Antwort: Zwischen meinem Publikum hier und dem in den USA gibt es keinen großen Unterschied. Aber in Amerika ist das Verständnis für Comedy manchmal klarer, da dort einfach eine längere Tradition von Stand-up existiert, es gibt da keine Wertung in irgendeiner Form. Entweder bist du funny oder auch nicht, aber wenn du es nicht bist, dann dreht da keiner durch oder fängt an, irgendwelche Witze zu analysieren. Aber es war schon überraschend, als ich zum Beispiel in der Hollywood Improv aufgetreten bin, dass da so ein Engländer nach der Show kam und sagte: „Ich wohne seit 20 Jahren in L.A., aber Du hast wirklich die Grenzen gesprengt.“ Das ist natürlich ein Kompliment.

Frage: Kommen wir zum Programm, das Sie am 8. April im Rosenhof spielen. Worum geht es?

Antwort: Die Frage ist schwer zu beantworten, weil ich nicht wie ein Kabarettist arbeite, der die Welt erklärt. Das Programm heißt ja „Comedy“. Der Kern, oder besser der Unterbau des Programms, ist einfach Comedy. Es gibt eine Nummer, wo ich an dem Witz „Kommt ein Pferd in eine Bar“ Humor erkläre. Gleichzeitig ist die Show sehr persönlich. Ganz am Ende gibt es eine lange Passage über meine Tante, die vor anderthalb Jahren verstorben ist. Aber insgesamt ist es Stand-up, 60 bis 70 Minuten. Außerdem habe ich einen Support-Act dabei, die wunderbare Josepha Walter. Das ist eine aufsteigende Newcomerin, die war letztes Jahr auch bei der 1LIVE XXL-Nacht in Oberhausen und in Köln.

Frage: Sie haben ja in Ihren früheren Programmen immer auch Ihre jüdische Herkunft sehr thematisiert und damit bewusst Leute vor den Kopf gestoßen. Wird das weiterhin Teil Ihres Programms sein?

Antwort: Dieses „Vor-den-Kopf-stoßen“ ist immer eine Frage der Perspektive. Ich habe meine Religion ja nicht gestern abgelegt. So wie Vorbilder wie Eddie Murphy oder Trevor Noah und andere Comedians ihre Biografie als Basis für die Comedy-Shows genommen haben, ist das auch ein Teil von mir. Und wenn das Jüdische mal Thema ist, dann ist es halt Thema, wenn nicht, dann nicht. Aber ich denke nicht über Witze nach und klopf dabei ab, ob das irgendwie ethnisch mit mir zusammenkommt.

Frage: Wie ist es grundsätzlich für Sie, in der momentanen Situation als Jude in Deutschland zu leben?

Antwort: Kann ich wirklich gar nichts zu sagen. Da sollen sich andere mit auseinandersetzen. Ich kann nur sagen, dass ich ganz froh war, in Amerika zu sein. Dort gibt es ja viele jüdische Comedians. Und überhaupt: Wo ein Weihnachtsbaum steht, steht auch ein Chanukka-Leuchter oder man sieht in der Buchhandlung einfach zu Pessach Kinderbücher. Und das fühlt sich okay an.

Frage: Sind Sie ein religiöser Mensch?

Antwort: Ich sage mal so: Ja und Nein. Es gibt Momente, da ist man vielleicht religiöser als in anderen Momenten. Aber generell finde ich es okay, an etwas zu glauben. Ich glaube an den Aufstieg des VfL Osnabrück.

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