Wismar  Buckelwal muss immer neu gesucht werden: Warum sind Experten gegen einen Peilsender?

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 31.03.2026 13:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Keine Peilsender im Einsatz: Bei der Verfolgung des Buckelwals in der Ostsee muss man auf seine Augen vertrauen. Hier sucht MV-Umweltminister Till Backhaus mit einem Fernglas nach dem Meeresriesen. Foto: dpa/Philip Dulian
Keine Peilsender im Einsatz: Bei der Verfolgung des Buckelwals in der Ostsee muss man auf seine Augen vertrauen. Hier sucht MV-Umweltminister Till Backhaus mit einem Fernglas nach dem Meeresriesen. Foto: dpa/Philip Dulian
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Bei der Verfolgung des Buckelwals in der Ostsee verzichtet man bislang auf einen Peilsender. Dabei wäre es so viel leichter, das Meerestier vor erneutem Stranden zu schützen. Warum entscheiden sich Experten dagegen?

Zum zweiten Mal in mehreren Tagen hat sich der Buckelwal in der Ostsee befreien können. Nachdem er sich nach seiner Strandung vor Timmendorfer Strand in der Nacht zu Freitag von einer Sandbank wegbewegen konnte, hat er sich auch am Montag nach tagelangem Verharren in der Wismarer Bucht wieder befreit.

Beide Male waren Helfer aus nächster Nähe dran und hätten dem Wal theoretisch einen Peilsender (auch Tracker genannt) geben können, sodass man sein Schwimmverhalten auch aus der Ferne hätte beobachten können. Schließlich will man verhindern, dass der Wal noch einmal strandet – und im besten Fall unterstützt man ihn bei der Navigation zurück in die Nordsee.

Doch auf einen solchen Peilsender wurde verzichtet – stattdessen müssen die Verantwortlichen den Wal nun immer wieder neu suchen und auf die Mithilfe von Schaulustigen hoffen. Warum hat man sich so entschieden?

Laut der gemeinnützigen Forschungs- und Bildungsorganisation Cascadia Research Collective gibt es zwei gängige Arten von Trackern, die man an einem Wal anbringen kann. Zum einen gibt es Saugnapfbefestigungen, die nach mehreren Stunden bis wenigen Tagen wieder abfallen und damit für Kurzzeitstudien geeignet sind. Für Langzeitstudien über mehrere Monate gibt es zum anderen Sender, die mit Widerhaken in die Fettschicht des Wals geschossen werden.

Gegen einen Saugnapf-Peilsender hätten sich die Experten entschieden, weil die Haut des Buckelwals in einem sehr schlechten Zustand sei, erklärte Stephanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung in Büsum. „Der hätte nicht gehalten. Deshalb wurde das auch nicht gemacht.“

Zu der invasiven Variante äußerte sich der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann, der bei der Rettungsmission vor Timmendorfer Strand den Wal eng betreute, auf Instagram. Zum einen sei der Sender nicht so nützlich, wie man glaubt: „Der Sender ist nicht wie ein Airtag [alltägliches Ortungsgerät von Apple, Anm. d. Red.] und schickt euch die ganzen Daten“, erklärt er in einem Story-Video. Daten würden nur unregelmäßig übertragen werden, vielleicht einmal am Tag.

Unter dem Video schreibt er ferner: „Und will man einem extrem gestressten Tier zusätzlich einen Haken in den Rücken hauen …? Ich sage nein.“

(Mit dpa-Material)

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