Hamburg LNG-Importe aus den USA verzehnfacht: Versucht Trump jetzt, Europa zu erpressen?
Mit der Abkehr von Russland als günstigem Gaslieferanten hat sich Europa in eine neue Abhängigkeit zu den USA begeben. Milliarden von Euro fließen jährlich in die Staaten. Jetzt droht Trump der EU: kein Deal, kein Flüssiggas. Das BSW sieht Erpressungspotenzial.
Seit dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine ist Europa immer weiter von Russland als Lieferant von günstigem Gas abgerückt. Schnell wurde klar: Die USA, ohnehin schon wichtigster strategischer Partner der EU, sollen die neue Hauptbezugsquelle werden.
Gesagt, getan: Heute sind die Vereinigten Staaten mit etwa 58 Prozent des Gesamtvolumens der größte Gaslieferant Europas, das sich nun mit den Konsequenzen einer neuen Abhängigkeit auseinandersetzen muss.
Wie aus einer Anfrage des Bündnisses Sarah Wagenknecht (BSW) an das Statistische Bundesamt hervorgeht, hat sich die LNG-Einfuhr aus den USA in die EU allein seit 2022 verzehnfacht. Die Zahlen von Eurostat, dem Statistikamt der EU, verdeutlichen den rasanten Anstieg durch den Wert der LNG-Importe.
So betrug der Wert des importierten US-LNG zwischen 2017 und 2021 etwa 11,1 Milliarden Euro. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine 2022 bis zum Jahresende 2025 importierte die EU wiederum Flüssiggas im Wert von 114,5 Milliarden Euro – das Zehnfache des Wertes im Zeitraum zuvor. Allein im vergangenen Jahr importierte die EU für 24,4 Milliarden Euro Flüssiggas – Geld, das nun auch in den Krieg im Nahen Osten fließen könnte.
Derweil droht die US-Regierung Europa bereits bezüglich des ausstehenden Handelsdeals zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. US-Botschafter Andrew Puzder, ein ehemaliger Fastfood-Manager, warnte die EU kürzlich in einem Interview mit der „Financial Times“: Sollte die EU Nachverhandlungen anstreben, könnte die Energiekomponente des Abkommens „gefährdet“ sein. Ohne Umsetzung sei man „wieder bei null“, und die Bedingungen für künftige Geschäfte würden „möglicherweise nicht mehr so günstig sein“.
Das BSW befürchtet nun, dass die US-Regierung unter Donald Trump diese Abhängigkeit ausnutzen könnte, um Europa in Sachen Iran-Krieg und Handelsdeal weiter in die Ecke zu drängen. Es sei ein „erhebliches Erpressungspotenzial“, heißt es in einem Statement. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt Fabio De Masi, Vorsitzender des BSW: „Es ist verrückt. Wir haben billiges Pipeline-Gas von Putin durch Flüssiggas von Trump ersetzt. Damit haben wir unserer Industrie durch hohe Energiepreise schwer geschadet und uns von Trump wie beim Zolldeal erpressbar gemacht.“
Für De Masi steht fest: „Beide – Trump und Putin – führen völkerrechtswidrig Kriege.“ Jedoch sanktioniert Trump das russische und iranische Öl nicht, sodass Europa den USA ausgeliefert sei. Die hohen Energiepreise seien „das Preisschild der strategischen Dummheit der Bundesregierung“. Das BSW betont indes, wieder Gas aus Russland zu beziehen und dies in diplomatische Initiativen in der Ukraine einbinden zu wollen.