Osnabrück  Verliebt in eine KI: Sind wir schon so weit gekommen?

Finja Jaquet
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Von Finja Jaquet
| 24.03.2026 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
2025 heiratete die Japanerin Yurina Noguchi ihren selbst erstellten Chatbot-Freund Klaus. Foto: picture alliance / REUTERS
2025 heiratete die Japanerin Yurina Noguchi ihren selbst erstellten Chatbot-Freund Klaus. Foto: picture alliance / REUTERS
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KI als Ratgeber, Freund – oder sogar Partner? Immer mehr Menschen empfinden laut einer Umfrage eine emotionale Verbindung zu Künstlicher Intelligenz. Eine Entwicklung, die mehr über uns selbst verrät als über die Technologie.

Es ist das Jahr 2013. In den Kinos läuft der Film „Her“ (deutsch: „Sie“). Die Rolle des Schauspielers Joaquin Phoenix verliebt sich in eine KI namens Samantha, die stets da ist und dennoch unerreichbar bleibt. Als „innovativ“ und „emotional“ wurde der Oscar-prämierte Film damals gefeiert. Heute, nur 13 Jahre später, ist aus dem Science-Fiction-Liebesdrama ein echtes Drama geworden.

Eine Umfrage des Verbandes Bitkom ergibt, dass insbesondere Menschen unter 30 in KI eine digitale Bezugsperson erkennen. Sie hilft bei Lebens- und Beziehungsfragen, bei Konflikten und der Selbstreflexion. Und für immerhin 11 Prozent der Männer (4 Prozent der Frauen) ist vorstellbar, dass Künstliche Intelligenz eine reale Liebesbeziehung ersetzen könnte.

In anderen Ländern ist das längst keine Theorie mehr, auch wenn es sich um kuriose Einzelfälle handelt: 2018 heiratete ein Japaner eine virtuelle Anime-Figur. 2023 machte eine US-Amerikanerin ihre Liebesbeziehung zu einem KI-Avatar öffentlich und heiratete diesen ebenfalls.

Welche Konsequenzen hat es für eine Gesellschaft, wenn Menschen sich zunehmend an die stets zugewandte, „pflegeleichte“ KI wenden, anstatt Beziehungen mit echten Menschen zu führen? Oder: Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn mehr Menschen ihr Bedürfnis nach Nähe mit einer Software stillen?

Fragen und Themen, die andere Entwicklungen der modernen Gesellschaft berühren: Einsamkeit, Individualismus, die Verlagerung sozialer Kontakte in digitale Räume, die Schwierigkeit, echte Nähe und Verbindlichkeit auszuhalten. KI-Beziehungen könnten die nächste Stufe der menschlichen Vereinzelung sein.

Als niedrigschwellige Hilfe bei Beziehungsfragen und zur Selbsteinschätzung können spezielle, von Therapeuten und Medizinern entwickelte KI-Anwendungen hilfreich sein. Doch sie dürfen nie mehr sein als ein Werkzeug: sachlich, faktenbasiert, unemotional. Technisch ist das umsetzbar, indem Entwickler ihre Produkte auf eben diese sachliche Sprache trainieren.

Doch letztlich liegt es an uns selbst, KI als dieses Werkzeug zu betrachten und weiter in echte Beziehungen zu investieren. Aus der fiktionalen Liebesgeschichte von damals wird sonst ein reales gesellschaftliches Drama, ganz analog.

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