Hamburg  Klimageld und Tempolimit: DIW-Expertin für Senkung der Spritnachfrage

Matti Gerstenlauer
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Von Matti Gerstenlauer
| 24.03.2026 09:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Sie rechnet nicht mit baldigen Entlastungen an der Tankstelle. Foto: DIW Berlin/Photothek
Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Sie rechnet nicht mit baldigen Entlastungen an der Tankstelle. Foto: DIW Berlin/Photothek
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Der Iran-Krieg lässt die Preise für Diesel und Benzin weiter in die Höhe schnellen. Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erklärt, warum vorerst nicht mit Entlastungen zu rechnen ist und was die Politik tun müsste.

Seit dem 28. Februar greifen die USA und Israel den Iran massiv aus der Luft an, die Preise für Öl und Gas schießen weltweit in die Höhe. Auch in Deutschland, das nur etwa sechs Prozent seines Rohöls aus den Staaten am Persischen Golf bezieht, müssen Autofahrer an den Tankstellen immer tiefer in die Tasche greifen.

Warum sich das vorerst auch nicht ändern dürfte und welche Maßnahmen es bräuchte, um den Spritpreis tatsächlich wieder nach unten zu bringen, weiß Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Dass sich deutsche Autofahrer in naher Zukunft auf Entlastungen an der Tankstelle freuen können, hält die Wirtschafts- und Energieexpertin für unwahrscheinlich: „Die Preise bleiben kurzfristig hoch und vor allem sehr volatil. Der Konflikt im Iran wirkt direkt auf den globalen Ölmarkt, weil schon die Unsicherheit über mögliche Lieferausfälle die Preise nach oben treibt.“

Obwohl Deutschland sein Öl nicht überwiegend aus der Region bezieht, werde der Preis hierzulande durch den Weltmarkt bestimmt – und der reagiere sofort auf geopolitische Krisen. Kurzfristig müssten Autofahrer und Fluggäste deswegen weiterhin mit hohen Preisen rechnen, so Kemfert. Entlastung gebe es erst, wenn sich die geopolitische Lage stabilisiere. Doch selbst dann sei die Regel: „Preise steigen schnell, sinken aber oft nur verzögert, der bekannte Rakete-Feder-Effekt.“

Daran würden auch die Maßnahmen der Bundesregierung nur wenig ändern. Dass Preiserhöhungen an den Tankstellen nur noch einmal am Tag erlaubt sein sollen, könne zwar Preisspitzen begrenzt dämpfen und Marktmissbrauch begrenzen, das eigentliche Problem jedoch nicht lösen, so die Energieexpertin.

„Der Ölpreis ist global bestimmt. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Engpässe der globalen Energieversorgung.“ Etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggases läuft durch die Seestraße: „Schon die Gefahr einer Blockade reicht aus, um die Preise weltweit nach oben zu treiben, unabhängig davon, woher einzelne Länder ihr Öl beziehen.“

Anstatt der bisherigen Anstrengungen der Regierung hat Kemfert klare Maßnahmen im Kopf, die Autofahrer entlasten und Preissprünge auch bei zukünftigen Krisen vermeiden könnten: „Sinnvoller sind gezielte finanzielle Entlastungen für Haushalte über ein Klimageld.“ Außerdem bedarf es Maßnahmen, die die Nachfrage nach Benzin und Diesel senken können. Laut Kemfert funktioniere dies „etwa über Tempolimit, mehr Homeoffice, stärkeren ÖPNV und effizientere Logistik“.

Vor allem sei jedoch der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien essenziell: „Wir müssen strukturell raus aus der Ölabhängigkeit, denn jede fossile Abhängigkeit bleibt ein geopolitisches Preisrisiko“, bekräftigt Kemfert.

Mehr Transparenz und strengere Marktaufsicht seien wichtig, um überhöhte Margen zu verhindern, würden jedoch nur begrenzt greifen. So erklärt Kemfert: „Die eigentliche Lehre ist: Solange wir von fossilen Energien abhängig sind, bleiben wir anfällig für solche Preisschocks. Geopolitische Konflikte treiben die Preise sofort nach oben – echte Stabilität gibt es erst, wenn wir unsere Abhängigkeit von Öl und Gas überwinden.“ Die derzeitige Krise sei vor allem eines: fossil.

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