Heide Die Zukunft von Northvolt - steigen weitere Investoren in die Batterieproduktion ein?
Die Hoffnungen auf eine grüne industrielle Ära waren groß. Bund und Land waren bereit dafür, viel Geld in die Hand zu nehmen. Nun steckt Northvolt in einem Insolvenzverfahren nach US-Recht. Während Wirtschaftsminister Robert Habeck auf laufende Gespräche setzt, unterstützt Scania Northvolt in der Produktion.
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Dithmarschen mit dem Ruhrgebiet verglichen – Geschichte wiederhole sich, hieß es. Vor mehr als 150 Jahren war es die Kohle, die den Aufschwung brachte, nun sollte es grüne Energie sein. Industrie siedelt sich dort an, wo Ressourcen verfügbar sind. Wer am westlichen Rand der Kreisstadt Heide seinen Blick schweifen lässt, bekommt einen Eindruck davon: Am Horizont reiht sich Windrad an Windrad. Und davor schieben sich orangefarbene Rundumleuchten von Lastern und Baggern durch das Bild.
In wenigen Jahren sollen hier hunderttausende Batterien im Jahr vom Band laufen. So das Zukunftsversprechen von Northvolt – und dieses war voller Hoffnungen. Zumindest bis vor wenigen Monaten, bis zu dem Zeitpunkt, als es erst Risse bekam, dann zu bröckeln anfing und seit November einzustürzen droht. Es wurde deutlich, dass die Expansionspläne zu ambitioniert und mit zu vielen Risiken behaftet waren. Dem schwedischen Unternehmen ging das Geld aus, und Verhandlungen mit Geldgebern waren wenig erfolgreich.
Rund sechs Milliarden Euro Schulden soll das Start-up bisher angehäuft haben. Northvolt befindet sich derzeit in einem Insolvenzverfahren in den USA, dem sogenannten Chapter 11. Das Unternehmen kann seine Geschäfte fortsetzen, ist geschützt vor den Forderungen seiner Gläubiger und hat Zeit, sich frisches Geld zu beschaffen.
Die Krise spürt auch der Steuerzahler. Bund und Land hatten für eine Wandelanleihe der KfW-Bank mit mehr als 600 Millionen Euro gebürgt – und haben im Dezember die Summe des Kredites beglichen. Abgeschrieben haben das Geld weder Bund noch Land: Die Zukunft der Batteriefabrik bei Heide hängt laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vom Einstieg weiterer Investoren ab. Derzeit liefen Gespräche, sagte er nun dem NDR. „Ob das dann wirklich dazu führt, dass am Ende alles steht, das kann ich heute nicht sagen. Da ist eine Dynamik drin, und hoffentlich passiert es auch.“
Wer sich in Unternehmenskreisen umhört, dem begegnet durchaus Zuversicht. Es heißt, dass die Gespräche im Chapter-11-Prozess fokussiert seien – und es gut sei, dass sie geräuschlos abliefen, um Fortschritte nicht zu gefährden. Offiziell sagt ein Unternehmenssprecher: „Northvolt kommt mit seiner Restrukturierung weiter voran. Wir befinden uns in produktiven Gesprächen mit potenziellen Investoren.“
Mit den Steuermillionen begann auch die Suche nach Verantwortlichen. Land und Bund stützten sich bei ihrer Entscheidung für die Subventionen und die Bürgschaft auf ein Gutachten der Unternehmensberater von Pricewaterhouse Coopers (PWC). Diese stufte das Risiko, dass Land und Bund haften müssen, als äußerst gering ein. „Die Probleme wurden uns erst bekannt, weit nachdem die Verträge geschlossen wurden“, sagte Habeck dem NDR – und: „Ob das davor bekannt war oder verheimlicht war, das kann ich nicht sagen.“
Das PWC-Gutachten ist öffentlich nicht zugänglich. Es wurde im Dezember 2024 durch das Bundeswirtschaftsministerium als vertraulich eingestuft – und dabei soll es auch bleiben, um mögliche negative Konsequenzen bei ähnlichen Verfahren zu vermeiden, wie Robert Habeck es begründet.
Aber die Zukunft der Fabrik in Heide hängt auch an der Produktion im Werk „Northvolt Ett“. Dort in Skellefteå, in Nordschweden, produziert Northvolt bereits Batteriezellen – und kämpft mit technischen Problemen. Um diese in den Griff zu bekommen, hat das schwedische Unternehmen externe Hilfe. Der Lkw-Hersteller Scania, der Kapitalgeber und Kunde ist, unterstützt mit Experten dabei, die Qualität und die Produktion der Batterien zu steigern.
Northvolt habe im Laufe des Jahres 2024 die Produktion stabilisieren und verdreifachen können und arbeite mit Hochdruck daran, diesen Trend zu verstetigen, sagte Tom Johnstone, Aufsichtsratsvorsitzender der Northvolt-Muttergesellschaft, am 18. Dezember laut einer Kleinen Anfrage des FDP-Abgeordneten Bernd Buchholz. Johnstone war der schleswig-holsteinischen Landesregierung per Video zugeschaltet.
Wie hoch derzeit die Ausschussquote ist, beantwortete Johnstone nicht. Diese Daten seien „wettbewerbsrelevant“ und könnten im Detail nicht geteilt werden. Ausschuss sei bei der Batteriezellfertigung jedoch unvermeidbar, Northvolt aber habe Fortschritte gemacht. Der Unternehmenssprecher sagt dazu: „Die Auslieferungen an Kunden erfolgen entlang festgelegter Lieferzeitleisten. Parallel wird die Fabrik weiter hochgefahren.“
Ob die Produktion kostendeckend ist, ließ Johnstone gegenüber der Landesregierung offen. Ebenfalls „wettbewerbsrelevant“. Er erklärte aber, dass das Unternehmen weiterhin Aufträge in Milliardenhöhe habe. Und das geplante Werk bei Heide nach wie vor ein „Eckpfeiler“ sei.