Meine Woche Wenn der Parkplatz zur Neiddebatte führt
Im Behördenviertel in Emden wird das Parken kostenpflichtig. Das ärgert Mitarbeiter von Finanzamt und Amtsgericht. Mit Versetzungsanträgen wird gedroht. Unsere Autorin hat eine klare Meinung dazu.
Die Ankündigung war nicht neu, die Lösung mag verärgern, die heftigen Reaktionen darauf überraschen auf jeden Fall: Weil jetzt auch im Behördenviertel in Emden das Parken Geld kosten soll, drohen Behördenmitarbeiter mit Versetzung in Nachbarstädte, wo das Parken (noch) umsonst ist. Die Chefs vom Finanzamt und Amtsgericht sind in großer Sorge um ihre Fachkräfte.
Der Aufschrei in den sozialen Medien ist groß. Neid ist ganz vorn dabei. Verdienen Angestellte im öffentlichen Dienst nicht sowieso so gut, dass sie sich das Parken locker leisten können? Wer hat jemals die Supermarktkassiererin oder Verkäuferin gefragt, wo sie ihr Auto abstellen – sofern sie eins besitzen? Und wer denkt an die Anwohner, die im eigenen Viertel keinen Parkplatz finden? Die Antworten liefert eigentlich das Parkkonzept der Stadt Emden, das mit den Volksvertretern im Rat beschlossen worden ist. Autos sollen aus der gesamten Innenstadt herausgehalten werden. Und das ist auch gut so.
Das passt natürlich nicht jedem, auch wenn die Stadt bemüht ist, es jedem recht zu machen. Jetzt hat sie sogar ein ganzes Parkhaus gekauft, um kostengünstig Dauerplätze anzubieten. Sind 45 Euro Gebühren wirklich zu viel im Monat? Für manche Lohngruppe mit halber Stelle auch am Finanzamt vielleicht. Und ehrlich gesagt, würde doch wohl jeder laut aufschreien, wenn er plötzlich zu all den steigenden Lebenshaltungskosten draufzahlen soll. Aber einen Sonderstatus für Behördenmitarbeiter zu schaffen, geht nicht. Das wäre zutiefst ungerecht und den Aufschrei wirklich wert.