Osnabrück  Trauer, Macht, Vertuschung – so stark ist der neue Frankfurter „Tatort: Fackel“

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 21.03.2026 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hamza Kulina (Edin Hasanovic) und Maryam Azadi (Melika Foroutan) ermitteln bereits zum dritten Mal in Frankfurt einen Cold Case: „Tatort: Fackel“. So., 22.03., im Ersten und in der ARD Mediathek. Foto: © HR/ARD Degeto Film/Sommerhaus/Philipp Sichler
Hamza Kulina (Edin Hasanovic) und Maryam Azadi (Melika Foroutan) ermitteln bereits zum dritten Mal in Frankfurt einen Cold Case: „Tatort: Fackel“. So., 22.03., im Ersten und in der ARD Mediathek. Foto: © HR/ARD Degeto Film/Sommerhaus/Philipp Sichler
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Ein fünf Jahre zurückliegender Hochhausbrand führt die Ermittler Maryam Azadi und Hamza Kulina im neuen „Tatort: Fackel“ zu einem unentdeckten Fall. Auch in der dritten Episode der neuen Frankfurter Ermittler gelingt ein mitreißender und schnörkelloser Krimi. Am Sonntag, 22. März, im Ersten.

Fünf Jahre ist es her, dass ein verheerender Hochhausbrand 13 Tote und zahlreiche Verletzte gefordert hat. Die Menschen hatten keine Chance. Das Feuer hatte sich rasend schnell ausgebreitet. Wurde in den Sozialwohnungen vielleicht billiges Dämmmaterial verbaut, das den Brand beschleunigt hat?

Diesem Verdacht geht nun eine Untersuchungskommission nach, die Licht in das Dunkel der Vorwürfe bringen soll. Vier Tage noch soll die Anhörung laufen, bevor ein Urteil gesprochen wird. Alles deutet darauf hin, dass der Prozess ergebnislos enden wird und die Verantwortlichen ungeschoren davon kommen. Eine unerträgliche Vorstellung für die Überlebenden sowie die Hinterbliebenen der Opfer des flammenden Infernos.

Auch heute versammeln sie sich noch regelmäßig auf dem Platz vor dem Ort des Geschehens und halten Mahnwachen ab. Unter ihnen Almila (Seyneb Saleh), die ihre Mutter in der Flammenhölle verloren hat. Unermüdlich kämpft sie seitdem für Gerechtigkeit und gegen den Schmerz des Verlustes. Als sie nun sieht, wie das Verfahren im Sande zu verlaufen droht, wendet sie sich verzweifelt an Kommissar Hamza Kulina (Edin Hasanovic), mit dem sie einst liiert war.

Tatsächlich gelingt es Kulina nicht nur, den Cold Case gemeinsam mit seiner Kollegin Maryam Azadi (Melika Foroutan) neu aufzurollen. Schnell stoßen die beiden dabei auch auf einen angeblichen Suizid eines Mitarbeiters der Dämmstofffirma. Die Ermittlungen wurden von der Frankfurter Mordkommission vor viereinhalb Jahren vorschnell eingestellt.

Ein Blick in die alten Akten bringt Kulina und Azadi zu der Erkenntnis, dass der verantwortliche Ermittler Möller (Michael Schenk) den Fall etwas vorschnell abgeschlossen hat. Offenbar hat der werte Kollege etwas zu verbergen. Sein Auftreten gegenüber Kulina und Azadi wirkt nicht nur unkollegial, sondern beinahe schon offen feindselig.

Mit der neuen Frankfurter „Tatort“-Episode „Fackel“ rollt das Ermittler-Duo Kulina und Azadi nun schon zum dritten Mal seit Oktober letzten Jahres einen alten Fall im Keller des Polizeireviers auf. Regisseur Rick Ostermann, der auch schon die zweite Episode „Licht“ inszeniert hat, gelingt nach dem Drehbuch von Sebastian Heeg und Tom Schilling erneut ein mitreißender und schnörkelloser Krimi, in dem es um weit mehr als „nur“ die Lösung eines Altfalls geht.

Oberflächlich betrachtet dreht sich „Fackel“ zunächst einmal um den Verdacht von Kungeleien zwischen Politik und Wirtschaft. Da gerät insbesondere Steffen Böttcher (Stephan Luca) als kaltschnäuziger Chef des Baustoff-Konzerns ins Visier der Ermittlungen. Nehmen seine Verbindungen in die Politik Einfluss auf den Untersuchungsausschuss zur Brandkatastrophe?

Das wäre genug Stoff für einen handfesten Wirtschaftskrimi. Aber viel mehr noch als die Suche nach möglichen Tätern und Verantwortlichen liegt auch in diesem dritten Fall der Fokus des Interesses auf den Hinterbliebenen der Katastrophe. Die werden hier stellvertretend verkörpert von Kulinas Ex-Freundin Almila, deren Schmerz auch nach fünf Jahren noch so präsent ist wie am ersten Tag nach dem Feuer.

Schauspielerin Saleh verleiht ihrer Figur eindrucksvolle Tiefe zwischen Hoffnung und Verzweiflung in ihrem immer aussichtsloser erscheinenden Kampf für Gerechtigkeit. Ein tragische Figur, die keinen Zuschauer kalt lassen kann.

Beim neuen Frankfurter „Tatort“-Team stimmt einfach alles. Gerade erst wurde die erste Episode „Dunkelheit“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Auch dieser dritte Fall überzeugt neben der herausragenden Inszenierung sowie des tollen Schauspieler-Duos Foroutan und Hasanovic vor allen Dingen mit der sensiblen Perspektive auf die Hinterbliebenen. Weiter so!

„Tatort: Fackel“. Sonntag, 22. März, 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.

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