Berlin Trump tobt – und Friedrich Merz bleibt cool. Gut so.
Der Krieg im Iran ist nicht unser Krieg? Diese Haltung könnte Trump in der Ukraine auf gefährliche Ideen bringen. Doch Friedrich Merz bringt das nicht aus der Ruhe. Besser als ein Kanzler in Panik.
Die erste Regierungserklärung von Friedrich Merz nach Beginn des Iran-Kriegs war mit Spannung erwartet worden. Sie war nach den vielen Tagen, die der Iran-Krieg mit seinen dramatischen Folgen nun schon andauert, dringend notwendig. Am Tag der Demokratie erinnerte Merz daran, dass er sich nie hätte träumen lassen, dass Freiheit und Recht wieder so unter Druck stehen könnten, wie sie es heute tun. Zuversicht mochte er nicht verbreiten, aber auch keine Panik. Über den Elefanten im Raum sprach er nicht: Donald Trumps unverhohlene Drohungen in Richtung Nato-Partner.
Noch am Morgen hatte der US-Präsident die Weigerung der Europäer, die USA bei ihren Militärschlägen gegen Iran und bei der Sicherung der Straße von Hormus zu unterstützen, als große Dummheit bezeichnet. Trump lässt keinen Zweifel daran, dass er bitter enttäuscht ist von den „Verbündeten“ – das Wort setzt er inzwischen in Anführungszeichen.
So richtig die Argumente der Europäer sind, dass Trump sie vor seinem nicht zu Ende gedachten Feldzug gegen den Iran nicht einbezogen hat und sie im Nachhinein nun schwerlich zur Unterstützung abordnen kann, so gefährlich spitzt sich die Lage aber gerade zu. Ein Bruch Trumps mit der Nato scheint jedenfalls schon wieder im Bereich des Möglichen. Den Krieg in der Ukraine betrachtet er schließlich auch nicht als den der USA.
Friedrich Merz versuchte, es weniger dramatisch aussehen zu lassen, als es ist. Gleich mehrfach bot er den USA Hilfe und Zusammenarbeit an – bei einem Friedensplan für den Nahen Osten genauso wie bei einem „gerechten Frieden“ für die Ukraine. Unter Partnern müsse man sich aber auch sagen können, dass die Interessen nicht immer deckungsgleich sind. Friedrich Merz signalisiert Offenheit, vermeidet aber offene Kritik. Und er bleibt erst mal cool gegenüber Trump. Sein Blick richtet sich auf Europa, das er zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit ermuntern will. Was bleibt ihm auch anderes übrig?