Osnabrück  Premiere von „360° | Das Forum“: Eine lebhafte und gesittete Debatte über Grönemeyer

Eva Kowalski
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Von Eva Kowalski
| 18.03.2026 12:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Chefredakteur Burkhard Ewert hat sich bei dem neuen Format „360° | Das Forum“ den Kommentaren der Leser gestellt. Foto: noz/Eva Kowalski mit Material von dpa/Rolf Vennenbernd
Chefredakteur Burkhard Ewert hat sich bei dem neuen Format „360° | Das Forum“ den Kommentaren der Leser gestellt. Foto: noz/Eva Kowalski mit Material von dpa/Rolf Vennenbernd
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Unser neues Debattenformat „360° | Das Forum“ ist gestartet. Chefredakteur Burkhard Ewert stellte sich zwei Stunden lang live den Fragen, der Kritik und der Zustimmung unserer Leser. Das Thema: Herbert Grönemeyer und die Frage, ob künstlerische Haltung zur moralischen Belehrung geworden ist.

Kein Meinungsbeitrag hat unsere Leser offenbar so sehr bewegt wie Chefredakteur Burkhard Ewerts Beitrag über Herbert Grönemeyer im „Rest der Republik“. Darin beleuchtete er kritisch, wie Grönemeyer heute oftmals wie ein „Ankläger von der Kanzel“ wirke und moralisiere. Die Resonanz war gewaltig: Rund eine halbe Million Menschen haben den Text gelesen, Hunderte Zuschriften und etliche Leserbriefe erreichten die Redaktion.

Dieser enorme Zündstoff war für uns der perfekte Anlass für den Start von „360° | Das Forum“. Unser Ziel war ein echter, reflektierter Diskurs jenseits von flüchtigen Kommentarspalten. Um eine konstruktive Atmosphäre zu garantieren, prüfte unser Livecenter auf der Grundlage unserer Community-Richtlinien jeden Beitrag vorab. Dabei wurde selbstverständlich nicht auf die inhaltliche Meinung geprüft, sondern ausschließlich auf Sinnhaftigkeit und Etikette geachtet.

Unter dem Artikel „Grönemeyer als dogmatischer Oberlehrer? Die Debatte mit Chefredakteur Burkhard Ewert“ ging es dann um 17 Uhr los. Die Debatte eröffnete Ewert selbst: „Hallo! Es geht los! Hat jemand eine Meinung zu Herbert Grönemeyer? […] Bestimmt gibt es beispielsweise auch Gründe, meinen eigenen Tonfall für unpassend zu halten. Also, schießen Sie los!“. Trotz eines kleinen anfänglichen Technikfehlers, bei dem das System kurzzeitig „Noch keine Leserkommentare“ anzeigte, füllte sich das Forum rasant.

Kurz darauf lief der erste Leserkommentar ein. Ein Nutzer stellte die berechtigte Frage, ob es nicht selbst dogmatisch sei, von einem Künstler zu fordern, ewig bei Liedern wie „Currywurst“ und „Flugzeuge im Bauch“ stehen zu bleiben. Ewert parierte prompt und respektvoll: „Finde ich legitim argumentiert. Natürlich darf sich jemand weiterentwickeln […]. Nur: Sympathischer ist er mir mit dieser Art halt nicht geworden.“

Im Verlauf der zwei Stunden wurde es für Ewert durchaus „sportlich“, auf die Vielzahl der schnell eintreffenden Kommentare detailliert zu antworten. Die Meinungen der Leser gingen dabei weit auseinander: Auf der einen Seite verteidigten Leser wie Finn-Marco Di Renzo den Sänger vehement. Er argumentierte, Grönemeyer habe erkannt, dass man sich gegen den Rechtsruck stellen müsse – dies als „oberlehrerhaft“ zu bezeichnen, sei falsch und helfe nur der AfD.

Ewert hielt argumentativ dagegen und verwies auf Grönemeyers Wortwahl, etwa wenn dieser von „rechten Ratten“ spreche. Wer nicht seiner Meinung sei, solle laut Grönemeyer in den Löchern verschwinden, aus denen er gekommen sei – das sei nicht verbindend, sondern entmenschlichend. Auf der anderen Seite gab es auch viel Zustimmung für Ewerts These. Nutzer Kay Jessen pflichteten ihm bei, dass der viel zitierte „erhobene Zeigefinger“ bei politischen Diskussionen und auch bei Künstlern oft kontraproduktiv wirke.

Die Premiere von „360° | Das Forum“ hat gezeigt, dass unsere Leser ein tiefes Bedürfnis nach echtem Dialog haben. Es wurde gestritten, ohne zu beleidigen, und diskutiert, um zu verstehen. Das Konzept, Qualität vor Quantität zu setzen und auf das beste Argument zu fokussieren, ist bei diesem ersten Aufschlag voll aufgegangen.

Am Dienstag, 24. März, stellt sich Redakteur Maik Nolte der Diskussion. Das Thema wird sein Kommentar zu den „Mini-Atomkraftwerken“ sein. Nolte kritisiert darin scharf, dass diese Technologie alle paar Jahre wieder als „Heilsversprechen“ und „Zaubermittel“ für das Energieproblem hervorgezaubert wird, als sei die Atomkraft plötzlich ungefährlich geworden.

Er plädiert stattdessen dafür, nicht auf solche unausgereiften Versprechen zu warten, sondern sich auf den Ausbau der erneuerbaren Energien zu konzentrieren – denn diese Technik gibt es wenigstens schon.

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