Boston Kiss-Cam-Eklat: War alles ganz anders? Frau rückt virales Video in ein anderes Licht
Das Kiss-Cam-Video von einem Coldplay-Konzert im Sommer 2025 ging um die Welt. Kristin Cabot, die Frau auf dem Video, hatte seither eine schwere Zeit mit Vorverurteilungen und Drohungen. Nun versucht sie, die Geschichte ins für sie richtige Licht zu rücken – und nennt bislang unbekannte Details.
Im Juli 2025 änderte ein spontaner Konzertbesuch das Leben von Kristin Cabot schlagartig: Der Clip von ihr und ihrem damaligen Chef Andy Byron, wie sie bei einem Coldplay-Konzert eng umschlungen von einer Kiss-Cam erwischt werden, ging um die Welt. Plötzlich standen die beiden in einem Rampenlicht, in das sie gar nicht wollten.
Viele Internetnutzer vermuteten, dass die Kamera hier gerade eine Affäre aufgedeckt hätte – schließlich waren Cabot und Byron jeweils mit einem anderen Partner verheiratet. Beide gaben später ihre Jobs als Geschäftsführer bzw. Personalchefin bei der Software-Firma Astronomer auf. Cabot habe infolge des Videos Hass und Todesdrohungen erfahren, sie sei als Schlampe und Ehebrecherin bezeichnet worden.
Knapp acht Monate später spricht Cabot ausführlich im Podcast-Interview mit US-Moderatorin Oprah Winfrey über den Vorfall und schildert ihre Sicht der Dinge. Dabei werden auch neue Details bekannt, die den Fall anders darstellen, als bisher von vielen angenommen wurde.
Wie Cabot zunächst noch einmal klarstellt, haben sie und ihr Ehemann zum Zeitpunkt des Konzerts bereits mehrere Wochen getrennt voneinander gelebt und Schritte für eine Scheidung eingeleitet. Ebenfalls soll er von der engen beruflichen Bindung zwischen ihr und Byron gewusst haben.
Cabot betont gegenüber Winfrey mehrfach, dass ihre Beziehung zu Byron lange Zeit nur beruflich war. Das soll sich jedoch ein paar Wochen vor dem Konzert, als die beiden in einer Mittagspause über die Trennung von Cabot und ihrem Mann sprachen, geändert haben. Plötzlich habe Byron ihr erzählt, dass er mit seiner Frau Ähnliches durchmachen würde. „Das schuf sofort eine Verbindung zwischen uns über die nächsten Wochen. Es war ein toller Raum für mich, wo ich über das reden konnte, was ich durchmache – und es war auch ein guter, sicherer Raum für ihn“, so die 53-Jährige.
Die Gespräche wurden daraufhin immer persönlicher und es entwickelte sich zwischen den beiden eine Anziehung. Ein privates Treffen habe es bis zu dem Konzert dennoch nicht gegeben. Auch soll diese enge Vertrautheit mit gegenseitiger körperlicher Berührung erst an dem Konzertabend entstanden sein. Dass wenig später die Kiss-Cam die Innigkeit dem Weltpublikum zeigt, war für sie ein unglücklicher Zufall.
Was Winfrey und auch dem Publikum im Podcast-Studio neu war: Der Ehemann von Cabot war ebenfalls bei dem Coldplay-Konzert unter den Zuschauern. „Er war dort mit jemand anderem – das wusste ich und das war in Ordnung“, schildert Cabot. Grundsätzlich fußte die Trennung auf weiter anhaltender Freundschaft, sie beschreibt ihren Ehemann als einen ihrer größten Unterstützer. Doch das macht den Kiss-Cam-Moment noch heikler. „Das Letzte, was ich wollte, ist, ihn in Verlegenheit zu bringen. Das war mein erster Gedanke in diesem Moment.“
Cabot verließ darauf schnell das Konzert, fuhr nach Hause und legte sich schlafen. Mitten in der Nacht hätte sie von ihrem Ehemann noch einen Screenshot von dem bereits viral gegangenen Video geschickt bekommen, mit den Worten: „Houston, wir haben hier ein Problem.“ Cabot und ihr Mann wollten daraufhin zusammen mit ihren Kindern sprechen, bevor sie über das Internet von der Situation erfahren.
Wie Cabot jetzt, acht Monate später, zu ihrem Ehemann steht, lässt sie offen. Zu Byron bestehe allerdings kein Kontakt mehr. Cabot wirft ihm vor, sie mit den Auswirkungen dieses Vorfalls alleingelassen zu haben und unehrlich gewesen zu sein. Auf die Rückfrage von Winfrey, ob sie damit meint, dass Byrons Trennung von seiner Frau gelogen war, bleibt Cabot zurückhaltend: „Ich möchte vorsichtig sein, weil die Welt für mich gesprochen hat und ich das nicht einer anderen Familie antun möchte. Da fühle ich mich unwohl. Ich kann aber sagen, dass vieles, was mir vorgegeben wurde, nicht wahr war.“
Byron selbst hat öffentlich nie von einer Trennung von seiner Frau gesprochen. Das habe den Vorfall laut Cabot in ein falsches Licht gerückt und dazu geführt, dass hauptsächlich sie in die Schusslinie der öffentlichen Kritik geriet. „Wenn Andy Byron das getan hätte, hätte es alles geändert“, findet auch Winfrey. „Jeder hätte gedacht: ‚Oh, sie sind beide getrennt. Okay. Immer noch ihr Boss, immer noch Personalchefin, immer noch nicht gut …‘“, beginnt die Moderation den Satz, den Cabot vervollständigt: „… aber viel uninteressanter für die allgemeine Öffentlichkeit, denke ich.“
Und auch mit Coldplay hat Cabot abgeschlossen. „Ich habe Coldplay geliebt, aber das hat es für mich ruiniert. Ich bin ehrlich. Ich bin nicht mehr der größte Fan.“