Osnabrück  Exotisch, melancholisch, nostalgisch: Jazzschlager im Alando Ballhaus ohne Roland Kaiser

Tom Bullmann
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Von Tom Bullmann
| 15.03.2026 14:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Götz Alsmann zog im Alando Ballhaus mal wieder alle Register Foto: Sebastian Dannenberg
Götz Alsmann zog im Alando Ballhaus mal wieder alle Register Foto: Sebastian Dannenberg
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Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Götz Alsmann mit seinen Jazzschlagern auf den Bühnen der Republik unterwegs. Auch in Osnabrück. Im Alando Ballhaus präsentierte der Münsteraner Musiker sein aktuelles Album „…bei Nacht…“

Nein, Roland Kaiser kam beim Konzert von Götz Alsmann in Osnabrück nicht als Gast auf die Bühne. Obwohl beide in Münster zu Hause sind und Kaiser am aktuellen Album des singenden Schlagerforschers beteiligt war. Zusammen hatten die beiden für die Plattenaufnahmen das Lied „In dieser Stadt“ interpretiert. Auf Roland Kaiser selbst müssen die Fans allerdings bis zum Sommer warten, wenn er beim Schlossgarten Open Air live auftreten wird.

Im Alando Ballhaus musste Alsmann jetzt ohne seinen prominenten Sparringpartner auskommen. Dennoch ließ sich der Musiker mit der markanten Frisur nicht nehmen, die Geschichte des Songs zu erzählen. Dass „In dieser Stadt“ im Original von Hildegard Knef gesungen wurde. Und dass es dieses Lied war, mit dem er Roland Kaiser dazu gebracht hatte, mit ihm zusammen zu arbeiten. Wieder: „Wir waren früher mal Nachbarn in Münster und ich habe schon mal bei einem Schlager von Roland mitgemacht. Daher haben wir jetzt die Retourkutsche in Angriff genommen“, erzählte Alsmann im Plauderton.

„…bei Nacht…“ heißt das Programm, mit dem Götz Alsmann im Alando zu Gast war. Etwa 600 Gäste ließen sich von dem Musiker und Moderator unterhalten, der mal wieder alles gab. Denn wer den Sänger kennt, der weiß, dass er bei seinen Konzerten alle Register zieht. Er singt, er spielt Klavier, er feuert seine Band an, er gibt Bonmots, Geschichten und Anekdoten zum Besten. Und er vermittelt Wissen. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass in dem Schlager „Melodie Poesie“ musikalische Motive von Johannes Brahms auftauchen. „Wegen des Films „Lieben Sie Brahms?“ hat es einiges Material von Brahms Anfang der sechziger Jahre durch die Hintertür in den Unterhaltungsbereich geschafft“, dozierte Alsmann, nachdem er den exotisch klingenden Song voller Inbrunst gesungen hat.

Die intensive Wirkung der Musik, die Alsmann selbst als „Jazz-Schlager“ bezeichnet, ist nicht zuletzt seiner ausgezeichneten Band zu verdanken. Ob flottes Bongo-Trommeln von Markus Passlik oder das ungemein virtuos bearbeitete Vibraphon von Altfrid M. Sicking, es war mal wieder eine wahre Freude, diesem Ensemble zu lauschen und sich von so manchem Solo wahrlich mitreißen zu lassen.

Als „kollektive Nachtwanderung“ bezeichnete Götz Alsmann seine Darbietung im Alando. Denn die meisten Lieder im Programm hatten tatsächlich die Nacht zum Thema. Beim „Nachtlied“ hat der Musikwissenschaftler auch wieder Detektivarbeit geleistet, die er ausführlich beschrieb. Das Tonband mit der Aufnahme von Margot Hielscher aus dem Jahr 1964 wurde nämlich vom Tonmeister des WDR in Köln sorgfältig in eine Dose gepackt und in einer dunklen Ecke des Archivs im Funkhaus deponiert. Dann geriet das melancholische Chanson in Vergessenheit – bis Alsmann es wiedergefunden hat. Um es jetzt dem Publikum zu präsentieren.

Es war mal wieder erstaunlich, welche Schlagerschätze diesmal von dem stylischen Entertainer ans Tageslicht befördert und aufgepäppelt wurden. Und das Publikum blieb ihm bei diesem Unterfangen immer mehr als treu. „Wissen sie eigentlich, wann ich zum ersten Mal in Osnabrück aufgetreten bin? Das war 1973 und seither komme ich regelmäßig einmal im Jahr hier zu ihnen“, verriet er nicht ohne Stolz und setzte sich an den Flügel, um sich von seinen Fans zu verabschieden. „Man müsste Klavier spielen können“ war sein klingendes Fazit.

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