München Oliver Kahn kritisiert „Schneckentempo“ von Uli Hoeneß – was er genau bemängelt
Oliver Kahn spricht in einer Talksendung über den FC Bayern. Für das Sportliche hat er nur Lob übrig, er schlägt aber auch kritische Töne an.
Oliver Kahn hat sich in einer Talksendung zu seinem Ex-Verein FC Bayern München geäußert. Dabei kritisierte der ehemalige Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters auch Uli Hoeneß wegen dessen schon länger angekündigtem, aber immer noch nicht vollzogenem Rückzug aus dem Verein. „Das Ganze zieht sich jetzt doch schon viele Jahre hin, und gefunden hat man scheinbar immer noch niemanden“, sagte Kahn in der Sky-Sendung „Triple – der Fußballtalk“.
Hoeneß hatte in der Vergangenheit mehrfach angekündigt, sich zurückziehen zu wollen. Allerdings nur, wenn er den Verein in den richtigen Händen sieht. „In dem Moment, wo wir die richtigen Leute am richtigen Posten haben, werden wir uns zurückziehen, der Karl-Heinz (Rummenigge, Anm. d. Red.) und ich“, sagte der 74-Jährige im vergangenen Jahr in der Sport1-Sendung „Doppelpass“.
Das ist offensichtlich bisher noch nicht passiert, denn der Ehrenpräsident mischt weiterhin im Aufsichtsrat des Bundesliga-Primus mit. Kahn selbst sollte vor einigen Jahren als Rummenigge-Nachfolger aufgebaut werden, der ehemalige Nationaltorwart wurde im Jahr 2020 Vorstandsmitglied und übernahm ein Jahr später den Posten des Vorstandsvorsitzenden, den vorher Rummenigge innehatte.
Am Ende einer turbulenten Saison 2022/23, die in der vorzeitigen Entlassung von Trainer Julian Nagelsmann und der Last-Minute-Meisterschaft endete, wurde Kahn gemeinsam mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic allerdings vor die Tür gesetzt. Hoeneß bezeichnete die Installierung Kahns im Nachhinein als Fehler.
Auch der aktuelle Sportvorstand Max Eberl ist Berichten zufolge intern nicht unumstritten. „Die Ansprüche sind halt die höchsten. Und da jemanden zu finden, war noch nie einfach“, bewertete Kahn auf Sky die aktuelle Situation. Er könne die Arbeit von Eberl nicht beurteilen. „Aber das, was ich im Moment von außen sehe: Es ist ein neuer Vorstand im Marketingbereich gekommen (Rouven Kasper, Anm. d. Red.), da hat man einen Schritt nach vorne gemacht. Aber ansonsten bewegt sich das Ganze, was die Neuaufstellung betrifft, immer noch im Schneckentempo“, kritisierte der 56-Jährige.
Für die sportliche Performance hatte der einstige Torwart-„Titan“ dagegen nur Lob übrig. „Es gibt einen Indikator beim FC Bayern, der ist sehr, sehr aussagekräftig“, erklärte er. „Du kannst im Grunde spielen lassen, wen du willst aus dem Kader – und die Qualität fällt kaum oder teilweise gar nicht ab.“ Das sei in der Vergangenheit immer ein Hinweis darauf gewesen, „dass es eine sehr erfolgreiche Saison wird“.
Er lobte weiter: „Ich habe den FC Bayern selten so stark gesehen, wie sie im Moment auftreten, nicht nur in der Bundesliga, auch international. Die Mannschaft spielt fast schon wie ein Uhrwerk.“
Kahn betonte allerdings auch, er sei ein Freund von Widerständen. „Das läuft mir im Moment alles zu gut. Ein Ticken fast schon zu gut, es geht wie geschnitten Brot, wie es läuft.“ Zum Champions-League-Sieger will Kahn seinen Ex-Klub noch nicht ausrufen, die Bayern seien aber aktuell die „beste Mannschaft in Europa“.