Osnabrück  Sorge um Demokratie: Osnabrücker Abiturient Benedikt Knillmann engagiert sich politisch

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 15.03.2026 06:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Osnabrücker Benedikt Knillmann macht in diesem Jahr sein Abitur und ist im Vorstand des Niedersächsischen Landesschülerrats aktiv. Foto: Jörn Martens
Der Osnabrücker Benedikt Knillmann macht in diesem Jahr sein Abitur und ist im Vorstand des Niedersächsischen Landesschülerrats aktiv. Foto: Jörn Martens
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Benedikt Knillmann macht in Osnabrück gerade sein Abitur. Nebenher engagiert er sich nicht nur im Jugendparlament und Stadtschülerrat, sondern auch im Landesschülerrat. Der hat kürzlich politische Bildung ab der Grundschule gefordert. Wir haben mit Knillmann darüber gesprochen, was die jungen Leute umtreibt.

Osnabrück hat momentan viele engagierte Schülerinnen und Schüler, die sich politisch einbringen, sei es im Jugendparlament oder im Stadtschülerrat. Einer davon ist Benedikt Knillmann, der zurzeit am Ratsgymnasium sein Abitur macht und nebenher noch als Vorstandsmitglied im Landesschülerrat aktiv ist.

Die Schülervertreter haben Ende Januar in einem offenen Brief an Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) mehr Politikunterricht an Niedersachsens Schulen gefordert, und zwar schon ab der Grundschule. „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“ – mit diesen Worten beginnt der offene Brief, den auch der Osnabrücker Stadtschülerrat unterzeichnet hat. Was ist los an unseren Schulen?

„Vielen fehlen demokratische Kompetenzen“, sagt Benedikt Knillmann. Die Wahlergebnisse und das gute Abschneiden der AfD gerade bei jüngeren Wählern sind es, die ihm und anderen engagierten Schülern Sorgen bereiten. Es mangelt aus seiner Sicht zum einen an politischer Bildung und zum anderen an demokratiefördernden Strukturen an den Schulen.

Dass es mit der niedersächsischen Schulnovelle demnächst Klassenräte ab der ersten Klasse geben werde, sei ein erster Schritt, aber politische Bildung komme an den Schulen zu kurz und zu spät. „Man muss nicht auswendig aufsagen können, wie das Bundesverfassungsgericht funktioniert“, sagt der 19-Jährige, aber es sei wichtig, dass die Schüler lernten, wie Demokratie vor Ort funktioniere.

Das ist auch die Meinung, die der Landesschülerrat in seinem offenen Brief verbreitet hat: „Klassenräte alleine reichen nicht“, heißt es darin. „Damit politische Bildung nachhaltig gelingt, braucht sie einen festen Platz im Unterricht – in allen Schulformen und von Beginn an.“ Der Osnabrücker Stadtschülerrat hat den offenen Brief mitunterzeichnet.

Für die meisten Schüler beginne der Politikunterricht erst ab der siebten oder achten Klasse. „Zu diesem Zeitpunkt bewegen sich Kinder und Jugendliche aber längst im politischen Raum“, gibt der Landesschülerrat mit Blick auf die Nutzung von Social Media zu bedenken. Wie diese Netzwerke funktionieren und wie man damit umgehen sollte, müssten Schüler auch im Unterricht lernen, findet Benedikt Knillmann.

Es ist eines der Themen unserer Zeit. Die Elterninitiative „Smarter Start ab 14“ fordert handyfreie Klassen, Osnabrücker Schulen beschäftigen sich mit der Frage, wie sie damit umgehen sollen, dass Social Media im Leben ihrer Schüler eine so große Rolle spielt. Und Lehrkräfte fragen sich, wie sie zunehmend antidemokratischen Tendenzen an den Schulen entgegenwirken können.

Dazu gab es Anfang des Jahres eine von der Stadt finanzierte Fortbildung für Lehrkräfte. Anfang März hat sich anschließend ein Netzwerk Demokratiebildung gegründet, wie Ute Tromp, Fachdienstleiterin Bildung bei der Stadt Osnabrück, im jüngsten Schulausschuss mitteilte.

Neben dem Politikunterricht gehe es auch um gelebte Demokratie an den Schulen, betont Benedikt Knillmann. Seine Kritik: „Wir haben an den Schulen kein demokratisches System und erwarten, dass demokratische Schüler daraus hervorgehen.“ Es gebe zwar Schülervertretungen an den Schulen, aber unterm Strich würden diese lediglich Entscheidungen abnicken, die die Schulleitungen längst getroffen hätten.

Dass Benedikt Knillmann sich selbst so viel politisch engagiert, ist nicht selbstverständlich: „Ich bin von zu Hause dazu motiviert worden“, sagt er. Er kritisiert, dass es ein Problem mit der Bildungsgerechtigkeit gebe. „Es kann nicht sein, dass das vom Elternhaus abhängt.“

Weil sich seine Schullaufbahn nun dem Ende zuneigt, ist der 19-Jährige schon sukzessive aus den verschiedenen Schülergremien in Osnabrück ausgeschieden. Der Stadtschülerrat, dessen Vorsitzender er zuletzt war, hat sich bereits im Herbst 2025 neu konstituiert, das Osnabrücker Jugendparlament im Dezember.

Zu Ende April wird Benedikt Knillmann sich dann auch aus dem Landesschülerrat verabschieden. Für ihn geht es weiter in Stuttgart und Düsseldorf, wo er bei einer Unternehmensberatung und an einer Hochschule ein duales BWL-Studium mit dem Schwerpunkt Digital Commerce Management starten will.

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