Osnabrück Kasse machen mit Kriegswaffen – Ist das eigentlich noch ehrenrührig?
Zwischen Kriegsgeheul und Schutzversprechen: Der Rüstungskonzern Rheinmetall steht sinnbildlich für eine neue Normalität, in der Waffendeals gesellschaftsfähig geworden sind. Bleibt die Moral auf der Strecke?
Rekordzahlen bei Rheinmetall – schon wieder. Die Düsseldorfer Rüstungsschmiede wächst mit einer Geschwindigkeit, die erschaudern lässt. Denn der Konzern produziert ja nicht irgendwas, sondern Kriegswaffen.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 ist aus dem Unternehmen ein Symbol der „Zeitenwende“ geworden. Knapp zehn Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025, prall gefüllte Auftragsbücher für die Zukunft – und die Anleger können sich über eine höhere Gewinnausschüttung freuen. Zuerst der Markt, dann die Moral?
Lange galt in Deutschland die Vorstellung, dass man mit Waffen kein Geschäft machen dürfe – zumindest sollte man es nicht ins Schaufenster stellen. Heute gilt das Gegenteil: Wer die nationale Sicherheit stärkt, darf und soll verdienen – und darf auch damit werben, Rheinmetall beispielsweise als Sponsor des Fußball-Erstligisten Borussia Dortmund. Auch wenn das nicht bei allen Fans gut ankommt.
Politiker sprechen von „Verteidigungsfähigkeit“, Börsianer von „Wachstumspotenzial“. So füllen Panzer, Munition und Drohnen die Auftragsbücher und die Kassen. Die ethische Debatte gerät dabei ins Hintertreffen – wenn sie denn überhaupt noch geführt wird.
Natürlich: Sicherheit kostet Geld. Und die Welt ist nicht nur mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine gefährlicher geworden. Über Jahrzehnte hatte Deutschland verlernt, sich selbst zu verteidigen. Wohl wissend, dass die USA im Fall der Fälle die Kohlen schon aus dem Feuer holen würden, wurde die Bundeswehr kaputt gespart. Inzwischen rüstet man nach. Und Unternehmen wie Rheinmetall liefern – zuverlässig, profitabel, patriotisch.
Dafür den Konzern zu tadeln, wäre zu einfach. Die Nachfrage kommt aus der Politik, die die berechtigten Schutzbedürfnisse vieler Bürger zu erfüllen sucht. Wer heute „Nie wieder Krieg“ sagt, meint wohl: „Nie wieder wehrlos“. Wer dabei als Anteilseigner und Kleinaktionär das große Geld mitnimmt, sollte sich wenigstens daran erinnern, dass die militärische Zeitenwende kein Freifahrtschein für moralische Bequemlichkeit sein darf. Mit Waffen Geld zu verdienen ist und bleibt eine Gewissensfrage.