Hinte wagt Experiment  Acht-Dörfer-Fest ersetzt Schützenfest

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 09.03.2026 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hinte übt sich in neuen Veranstaltungen: Das Floß-Tauziehen der Feuerwehr im vergangenen Sommer lockte viele Schaulustige – das neue Acht-Dörfer-Fest soll die Gemeinde ebenso beleben. Foto: Hannah Weiden/Archiv
Hinte übt sich in neuen Veranstaltungen: Das Floß-Tauziehen der Feuerwehr im vergangenen Sommer lockte viele Schaulustige – das neue Acht-Dörfer-Fest soll die Gemeinde ebenso beleben. Foto: Hannah Weiden/Archiv
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Hinte setzt auf Zusammenhalt: Acht Dörfer, alle Vereine, ein gemeinsames Fest. Wird das der Neustart für große Feiern – oder lässt sich das Feststerben auf dem Land doch nicht stoppen?

Hinte - In kleinen Gemeinden fällt es Vereinen immer schwerer, große Feste zu veranstalten – hohe Zeltmieten, schwindendes Interesse der Besucher und viel Aufwand erschweren die Organisation von Festen. Hinte will darum in diesem Jahr alles anders machen: Statt eines Schützenfestes gibt es in diesem Jahr erstmals ein großes Vereinsfest, organisiert von allen acht Dörfern der Gemeinde. Die Idee: Alle packen mit an, alle profitieren. Kann das funktionieren?

Davon sind zumindest die Initiatoren überzeugt. Sie haben große Pläne für das Fest Anfang Juni 2026 auf dem Hinteraner Marktplatz. „Es ist allgemein bekannt, dass Festzelte nur teuer anzumieten sind“, sagt Kerstin Remmers-Neugebauer, Vorsitzende des Schützenvereins Hinte. Das Schützenfest ausfallen lassen? Keine Option. „Da haben wir uns gesagt: Wir wollen kein traditionelles Schützenfest feiern, wir wollen etwas Großes veranstalten, mit allen Vereinen gemeinsam und mit allen acht Dörfern“, so Remmers-Neugebauer.

Vertreter von Vereinen, Verwaltung und Feuerwehr stellten ihre Pläne für das Hinteraner Acht-Dörfer-Fest vor. Foto: Lotta Groenendaal
Vertreter von Vereinen, Verwaltung und Feuerwehr stellten ihre Pläne für das Hinteraner Acht-Dörfer-Fest vor. Foto: Lotta Groenendaal

Hinte gegen das Sterben der Feste: Das ist geplant

Die Gemeinde Hinte sei schnell mit ins Boot gesprungen, sagt sie. „Das Floßziehen der Feuerwehr war ja letztes Jahr auch sehr erfolgreich“, sagt Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos). Dieser Erfolg soll sich am Wochenende 5. bis 7. Juni 2026 wiederholen. „Ich wünsche mir, dass es ein Erfolg wird und sich das Fest in Hinte in dieser Form etabliert.“ Dazu will der Bürgermeister auch selbst beitragen und verschenkt am ersten Festabend 100 Liter Freibier.

Am Freitagabend wird auf dem Marktplatz eine Disco Night veranstaltet, am Samstag findet eine Hobbybörse statt. Außerdem ist die Freiwillige Feuerwehr Hinte mit versammelter Mannschaft vor Ort. Am Abend tritt die Band Fusion im Festzelt auf. Zudem wird für das neue Schützenkönighaus ein Thron im Zelt stehen. Der TuS Eintracht Hinte kommt mit einer XXL-Dartwand zum Fest, damit auch den Kindern etwas geboten wird. Für die jüngsten Besucher soll es zudem eine Aktion geben, bei der sie an verschiedenen Ständen auf dem Fest Punkte sammeln, die sie später in Gewinne umwandeln können. „Von ganz jung bis ganz alt soll allen etwas geboten werden“, so Remmers-Neugebauer.

Vereine packen an, Zeltwirt zahlt: „Dann ist das Fest leistbar“

Anne Thonicke, Vorsitzende des TuS Eintracht Hinte, sieht den großen Vorteil dieser Zusammenarbeit vor allem in der Arbeitsteilung. „Das ist für uns auch schön, dass wir selbst dann nicht so viel an den Tagen mitmachen müssen, zum Beispiel beim Ausschank“, sagt sie. Immerhin packten alle ehrenamtlich in den Vereinen mit an. „Wenn viele mitmachen, dann ist ein solches Fest auch wieder leistbar“, sagt sie.

Dass in Hinte nun überhaupt wieder ein großes Festzelt aufgestellt wird, um gemeinsam zu feiern, ist auch Zeltwirt Florian Sangen aus Börger zu verdanken. Er trägt die Kosten für das Festzelt mit 650 Sitzplätzen nämlich selbst. Die Idee ist, dass das Fest genug Zulauf bekommt, sodass der Zeltwirt nicht auf seinen Kosten sitzen bleibt. Trotzdem soll das Glas Bier im Zelt nur zwei Euro kosten.

Bollerwagen für die Hinteraner: Erlös wird gespendet

Ohne Ehrenamt läuft bei dem Fest nichts. Am Sonntag findet ein Frühschoppen statt, für den sich bereits die Blaskapelle Riepe ehrenamtlich angemeldet hat. Hans-Gerd Ukena, Ehrenvorsitzender des FT Groß Midlum, hat sämtliche Musik- und Spielmannszüge in der Region angefragt und schon einige weitere Zusagen erhalten, unter anderem auch aus Ihlow und Meppen. Außerdem werden auf dem Acht-Dörfer-Fest gleich mehrere prall gefüllte Bollerwagen verlost – gesponsert von mehreren Firmen aus der Region. In den Lostopf kommt, wer ein Los für mindestens zwei Euro kauft. „Wir haben gemeinsam beschlossen, den Erlös an Leukin zu spenden“, so Remmers-Neugebauer.

Leukin-Chefin Anna Fennen freut sich, denn: „Wenn wir kein Geld haben, dann wird auch nicht typisiert“, sagt sie. Dass es darum so ein großes Bestreben aus Hinte gibt, den Verein zur Hilfe leukämiekranker Kinder finanziell zu unterstützen, sei für sie ein „großes Glücksgefühl“. „Ich bin unheimlich dankbar, dass uns diese Region so unterstützt“, so Fennen weiter. „Da könnt ihr wirklich stolz drauf sein, dass es so gut klappt hier, das ist nicht in jeder Region so“, sagt sie an die Vertreter von Vereinen, Feuerwehr und Verwaltung gewandt. Vielleicht könne man am Samstag des Festes auch eine Typisierungsaktion vor Ort vornehmen, überlegt sie.

Karten für den Samstagabend, der einzige Tag, an dem Eintritt verlangt wird, kann man jetzt schon bei Kerstin Remmers-Neugebauer vorbestellen. Sie kosten fünf Euro im Vorverkauf und sieben Euro an der Abendkasse.

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