Osnabrück Putins Athleten auf dem roten Teppich der Paralympics – ein fatales Signal
Ausgerechnet die Paralympics lassen wieder russische Athleten zu – inklusive Flagge und Nationalhymne. Ein Armutszeugnis für das politische Gespür des IPC und ein fatales Signal für die Sportwelt.
Sport ist nie unpolitisch. Die Paralympics sind keine Ausnahme. Es geht um mehr als Medaillen – es geht um die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Und an diesem Anspruch scheitert das Internationale Paralympische Komitee (IPC) in diesem Jahr. Wenn am Freitag in Mailand und Cortina die Spiele beginnen, stehen nicht Inklusion und sportliche Leistungen im Fokus, sondern Russlands Rückkehr auf die internationale Bühne.
Während russische Athleten wieder unter ihrer Flagge starten dürfen, untersagt das IPC den ukrainischen Sportlern eine Landkarte auf ihren Anzügen, welche auch die Krim zeigt. Eine Karte gilt den Funktionären als verbotene politische Botschaft, die Hymne und Flagge des Aggressors hingegen als unproblematisch? So sagen es die Richtlinien. Ein Zeichen für den moralischen Irrweg des IPC.
Der Deutsche Behindertensportverband boykottiert die Eröffnungsfeier. Auch andere Staaten bleiben der Feier fern. Zusätzlich steht der Vorwurf der Doppelmoral im Raum. Warum wurde Russland wegen seines Krieges jahrelang verbannt, während die USA oder Israel trotz des völkerrechtlich umstrittenen Krieges im Iran weiter antreten dürfen? Die Frage nach Gleichbehandlung ist legitim, doch der Vergleich hinkt an einem Punkt: dem System der Sportförderung.
In kaum einem Land ist Sport so sehr eine Staatsangelegenheit. In Russland steht Putins Agenda über allem. Gewinnen um jeden Preis – eine Logik, die schon 2014 im größten staatlich orchestrierten Doping-Skandal der Geschichte gipfelte. Jetzt baut der Kreml den paralympischen Sport zur Propagandamaschine aus. Rund 500 Veteranen des Ukrainekrieges trainieren bereits in regionalen Para-Teams. Der Staat zahlt hohe Prämien für Medaillen. Wenn diese Athleten nun mit der russischen Hymne geehrt werden, ist das keine Inklusion. Es ist ein Triumph für Wladimir Putin.
Mit der Wiederzulassung Russlands wird ein Präzedenzfall geschaffen. Andere sportliche Verbände, die nur auf eine Gelegenheit warten, die lästige Neutralität endlich über Bord zu werfen, werden folgen. Wenn die russische Hymne erklingt, sendet das kein Signal des Friedens. Es ist die Kapitulation des Sports vor den Kriegstreibern.