Greetsiel  Bauland für 99 Euro – und keiner will’s?

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 06.03.2026 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor rund fünf Jahren hat die Erschließung des Baugebiets „Greetsieler Grachten II“ begonnen. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
Vor rund fünf Jahren hat die Erschließung des Baugebiets „Greetsieler Grachten II“ begonnen. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
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99 Euro pro Quadratmeter sollen Einheimischen in der Krummhörn den Weg zum Eigenheim erleichtern. Trotzdem sind in Greetsiel noch etliche Grundstücke frei. Ende 2026 läuft die Preisbindung aus. Was dann?

Greetsiel - Wie geht es weiter mit den Greetsieler Baugrundstücken für Einheimische? Im Baugebiet Greetsieler Grachten II, wo es neben Grundstücken für Ferienwohnungen auch gesonderte Baugrundstücke zu günstigeren Preisen für Einheimische gibt, ist die Nachfrage schon länger nicht wie erhofft.

Für Einheimische kostet der Quadratmeter dort 99 Euro. Zum Vergleich: Die Baugrundstücke im Sondergebiet „Ferienwohnen“ kosten 350 Euro pro Quadratmeter. Trotzdem sind noch viele der Grundstücke an der Kleinbahnstraße auf dem Markt. Zum Jahresende 2026 läuft diese Preisbindung allerdings aus. Was passiert dann mit den Grundstücken, die niemand haben zu wollen scheint?

Warum zahlen Einheimische weniger?

Wenn die Grundstückspreise hoch sind, ziehen Familien beim Kauf eines Baugrundstücks oft den Kürzeren. Deshalb setzen viele Kommunen auf eine besondere Förderform: das Einheimischenmodell. Dabei geben Städte und Gemeinden eigenes Bauland zu vergünstigten Konditionen an Menschen aus dem Ort ab – in der Regel nach einem Punktesystem.

Auch in Greetsiel gibt es einige freie Baugrundstücke, die mit günstigeren Preisen für Einheimische locken: In dem Baugebiet Greetsieler Grachten II gibt es zwei Sondergebiete – eines mit Grundstücken am Wasser, das vor allem auf Häuser zum Ferienwohnen abzielt, aber auch eines zum Dauerwohnen mit den günstigeren Konditionen für Einheimische.

Krummhörn vergibt Grundstücke: Erstwohnsitz zählt

Vermarktet werden diese Grundstücke über die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG). Die Vergabe erfolgt allerdings durch die Gemeinde. Das Bewerbungsverfahren läuft nicht nach einem Punktesystem, sondern nach Vergaberichtlinien. Diese beinhalten zum Beispiel, dass derjenige, der ein Grundstück erhält, innerhalb von drei Jahren nach dem Notarvertrag ein bebauungsplankonformes Haus bezugsfertig bauen und es anschließend mindestens 15 Jahre selbst bewohnen muss, und zwar als Erstwohnsitz. Bevorzugt werden Bewerber ohne Wohneigentum.

Grundsätzlich bewerben können sich Einwohner der Gemeinde Krummhörn mit mindestens fünf Jahren Hauptwohnsitz – dazu zählen auch Rückkehrer, die früher schon mindestens zehn Jahre dort gewohnt haben, sowie gleichgestellte auswärtige Bewerber, die seit mindestens drei Jahren ihren Arbeitsplatz in der Gemeinde haben.

Hohe Baukosten bremsen Nachfrage nach Einheimischen-Bauland

Krummhörnerinnen und Krummhörner sollen dadurch bei der Vergabe der Grundstücke als Erste zum Zug kommen. Für sie gilt der Grundstückspreis von 99 Euro pro Quadratmeter. Von den insgesamt 40 Grundstücken sind bisher 24 verkauft. Die Nachfrage lässt aber nach: Auf dem Markt gebe es allgemein wenig Nachfrage aufgrund der hohen Baukosten, so Fachbereichsleiterin Ina Droll-Dannemann.

Für jene Grundstücke in Greetsiel lägen einige Anfragen vor. Das Interesse sei also allgemein da, so Droll-Dannemann weiter. Es ist also nicht so, dass niemand diese Grundstücke will – es kann sich bei den Baukosten nur nicht jeder leisten, ein Haus zu bauen. Zudem verkauft die Gemeinde aufgrund der Vergaberichtlinien nicht an jeden. „Wenn wir an jeden verkaufen würden, hätten wir keine freien Grundstücke mehr“, sagt auch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos).

99 Euro: Einwohnerpreis nur noch bis Ende 2026

Looden bestätigt auf Nachfrage, dass „die vertragliche Bindung der NLG, die sogenannten Einheimischen-Grundstücke zu einem festgelegten Verkaufspreis von 99 Euro zu verkaufen und die Vergabe durch die Gemeinde vornehmen zu lassen, zum Ende dieses Jahres ausläuft“. Sobald diese Frist abgelaufen ist, hat die Gemeinde Krummhörn die Möglichkeit, die dann noch verfügbaren Grundstücke aufzukaufen – ebenfalls zum Kaufpreis von 99 Euro. Will die Gemeinde also die Grundstücke der NLG kaufen? Das steht aktuell noch nicht fest. Ob und in welchem Umfang diese Option genutzt werden soll, das werde zu gegebener Zeit politisch beraten und entschieden, so Looden.

Noch sind 16 freie Grundstücke für Einheimische verfügbar. Bei den benachbarten Grundstücken im Sondergebiet „Ferienwohnen“ sieht es anders aus: Dort gab es 2025 sogar 16 Kaufangebote beziehungsweise Verkäufe. Aber auch dort stehen noch 39 Grundstücke zur Verfügung. Wer in der Krummhörn bauen möchte, kann zudem auch noch auf die gemeindeeigenen Grundstücke zurückgreifen. Diese stellt die Gemeinde in vielen Ortschaften zur Förderung der Wohnbauentwicklung zur Verfügung. Die Vergabe erfolgt nach vom Rat festgelegten Vorgaben. Von den gemeindeeigenen Baugrundstücken wurden 2025 zwei verkauft. 33 sind noch zu haben – in Jennelt, Eilsum, Campen, Freepsum, Loquard und Manslagt.

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